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Die mordende Reinigungskraft

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Den Premieren-Termin der Serie „Fatma“ hätte Netflix eigentlich nicht besser auswählen können: Knapp einen Monat nachdem die Türkei per Beschluss den Austritt des Landes aus der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen durchgesetzt hat. Und kurz nach dem sogenannten „Sofa-Gate“, bei dem bei einem Spitzentreffen in Ankara der EU-Ratspräsident Charles Michel gleich neben Präsident Recep Tayyip Erdogan platznehmen durfte, die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dagegen etwas abseits auf ein Sofa verbannt wurde. 

Auch wenn die sechsteilige türkische Serie, die am 27. April beim Streamingdienst anläuft, sich nicht vordergründig mit tagesaktueller Politik beschäftigt, so nimmt sich „Fatma“ doch eines Themas an, das den Nerv der Zeit trifft und den gesellschaftlichen Diskurs schon seit längerer Zeit prägt: der Rolle der Frau in der Gesellschaft.

Unsichtbar

Protagonistin Fatma (gespielt von Burcu Biricik) arbeitet als Reinigungskraft in einem großen Einkaufszentrum und bei wohlhabenden Kunden. „Du bist nur eine Putzfrau“ ist ein Satz, den sie häufiger zu hören bekommt. Zurückgezogen lebt sie in recht einfachen Verhältnissen als Frau, die fast immer übersehen wird, die unsichtbar ist für ihre Umwelt. Ein Mensch, der untergeht im Trubel des Alltags.

Das Leben hat es oftmals nicht gut mit ihr gemeint. Mit ihrer Schwester hat sie sich überworfen, ihr autistischer Sohn ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, ihr Ehemann Zafer saß im Gefängnis und ist kurz nach seiner Entlassung spurlos verschwunden. Fatma begibt sich auf die Suche nach ihm und begeht dabei ungewollt einen Mord. Schnell bekommen einige dubiose Geschäftspartner ihres Gatten davon Wind. Um ihren ersten Mord zu vertuschen, ist sie gezwungen weitere Verbrechen zu begehen. Immer weiter verfängt sich die junge Frau in einem Netz aus Lügen und Gewalt. Und auch über ihren Ehemann erfährt sie einige unschöne Wahrheiten.

Die von den beiden Regisseuren Özgür Önurme und Özer Feyzioglu klug aufgebaute Serie ist bei weitem nicht nur eine weibliche Ermächtigungsgeschichte – sie geht wesentlich tiefer. Klar, Fatma ist eine starke Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten muss. Was sie jedoch nicht ist, ist eine kaltblütige Killerin. Vielmehr sind ihre Taten eine Rebellion gegen die Unterdrückung, ein Rachefeldzug nach vielen Jahren des Kampfes. Jeder Mord ist auch eine metaphorische Flucht aus Situationen, in die sie unfreiwillig gedrückt wurde. Sei es durch ihren Nachbarn und Vermieter, der sie zu sexuellen Gefälligkeiten drängen will, oder sei es, allgemein gesagt, durch die Nachteile aufgrund ihres sozialen Status als alleinstehende Frau oder aufgrund ihres Geschlechts. Burcu Biricik verkörpert die zerrissene Hauptfigur, die ihr Leben lang zurückstecken musste, und zwischen Resignation und Kampfgeist pendelt, mit beeindruckender Intensität.

Rückblicke

Und auch, wenn mit fortschreitender Handlung einige Erzählstränge ein wenig zu gewollt und unglaubwürdig sind, hält die Serie die Spannung aufrecht. „Fatma“ gelingt es sogar, die Morde der Prot

agonistin durch das in Rückblicken skizzierte Leid für den Zuschauer fast schon gerechtfertigt wirken zu lassen. Gestreift werden kindliche Traumata wie Missbrauch und Zwangsheirat sowie die Hürden einer Frau, die ihren stressigen Beruf und den Alltag mit einem autistischen Kind unter einen Hut bringen muss. „Fatma“ ist ein Plädoyer für starke Mädchen und Frauen, sich von den Konventionen der Männergesellschaft nicht einengen zu lassen. Ob es eine zweite Staffel gibt, steht noch nicht fest, das offene Ende lässt das aber vermuten. 

,,Fatma'' kann man ab dem 27. April auf Netflix streamen. Die Serie hat Sechs Folgen, jeweils circa 40 Minuten.

 

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