Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Kinostart - "Nomadland"

Moderne Nomaden im rostigen Wohnwagen

zurück zur Übersicht

Eine nostalgische Western-Stimmung schwingt bei „Nomadland“ ständig mit. Der Blick geht über karge Landschaften, verschneite Bergketten, endlose Weiten und verlassene Orte. Doch statt Planwagen sind es alte Vans und rostige Wohnwagen, mit denen moderne Nomaden durch die USA ziehen. Auch Fern, eine Witwe, Anfang 60, hat sich diesem Treck angeschlossen. In einem ausgebauten Truck mit kleiner Schlafkoje und Kochecke hat sie ihre Habseligkeiten verstaut.

Ihr Haus in dem Kaff Empire im US-Staat Nevada musste sie während der Finanzkrise aufgegeben. Nach der Schließung eines Gipsplattenwerks hat der Ort im Jahr 2011 quasi dicht gemacht. Empire gibt es tatsächlich, Fern ist eine fiktive Figur, verkörpert von Frances McDormand (64, „Fargo“, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“). Doch man vergisst, dass sie Schauspielerin ist. Das ungeschminkte Gesicht, von Sorgen gezeichnet, mit trotzigen Furchen, macht sie zur realen Kämpferin, die sich als Nomadin mit Gelegenheitsjobs durchs Leben schlägt.

Realität und Poesie

Es ist eine Kehrseite des Amerikanischen Traums, die McDormand und die in China geborene Regisseurin Chloé Zhao (39) trotz bedrückender Realität mit berührender Poesie aufzeigen. „Nomadland“ hat viele Blickwinkel und trifft mitten ins Herz: Es ist ein Road-Movie über Menschen, die Freiheit und Gemeinschaft suchen, ein Dokudrama über Altersarmut und soziale Missstände, eine Milieustudie, die weniger anprangert, als feinfühlig beobachtet. Fern ist eine komplexe Figur, mit Geldsorgen und Abenteuergeist, Freiheitsdrang und Stolz. Sie ist pragmatisch und weit davon entfernt, sich als Opfer zu sehen. Als sie in einem Supermarkt auf eine frühere Schülerin trifft, will das Mädchen wissen, ob sie obdachlos ist. Gefasst antwortet Fern: „Nein, ich bin nicht obdachlos, ich bin nur hauslos, ist nicht dasselbe, habâ?? ich Recht?“.
„Nomadland“ basiert auf dem Sachbuch der US-Journalistin Jessica Bruder „Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert“.

Die Autorin hatte einige dieser Umherziehenden ein Jahr lang begleitet, Zhao tat es ihr mit einer kleinen Kamera-Crew nach. Sie waren selbst in Vans unterwegs, trafen Nomaden und drehten mit ihnen auf Campingplätzen in Naturparks, entlang von Highways, bei ihrer Arbeit in Großküchen, auf Erntefeldern und als Packer in einem riesigen Amazon-Versandzentrum. Echte Nomadinnen, wie Linda May, die mit ihrem Camper durch den Westen zieht, werden zu Darstellerinnen, während McDormand überzeugend zu einer von ihnen wird. In einer Szene folgen sie dem Aussteiger Bob Wells, der seit 2010 in Arizona ein jährliches Treffen für Van-Rentner abhält. Neben McDormand ist David Strathairn (72, „Good Night, and Good Luck“) der einzige bekannte Profi-Schauspieler.

Bei den Festspielen in Venedig holte das Road-Movie im September den Goldenen Löwen für den besten Film. Nach zwei Golden Globes für Regie und das beste Drama folgte Ende April die Krönung mit drei Oscars. Zhao wurde als erst zweite Frau in der Oscar-Geschichte, nach Kathryn Bigelow mit „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“, für die beste Regie geehrt. Außerdem gewann ihr Werk den wichtigsten Preis für den besten Film. Für McDormand gab es den dritten Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Belastbarkeit und Hoffnung Auf der Bühne dankte Zhao ausdrücklich ihren Laiendarstellern. Diese Menschen hätten ihr „die Kraft der Belastbarkeit und Hoffnung beigebracht“. Tatsächlich spürt man es dem Film an, dass die Macher aus Hollywood und die Nomads sich nahe gekommen sind. Nach „Nomadland“ mit einem Billigbudget von rund fünf Millionen Dollar drehte die Regisseurin ihr erstes Superhelden-Spektakel, die futuristische Marvel-Produktion „Eternals“, mit Drehkosten von geschätzten 200 Millionen Dollar und einer Starbesetzung um Angelina Jolie, Salma Hayek, Gemma Chan und Kit Harington. „Eternals“ soll im November in die Kinos kommen. 

,,Nomadland'' hat eine Spielzeit von 108 Minuten.

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt vom Anbieter "YouTube". Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externe Inhalte ausschalten
Anzeige für den Anbieter YouTube über den Consent-Anbieter verweigert

 

Galerien

Regionale Events

Digitale Azubimesse

Mehr als 50 Unternehmen stellen von 14. bis 20. Februar 2022 ihr Aus- und Weiterbildungsangebot digital vor.

Neuer Impfpunkt

Die Stadt Heilbronn ergänzt ihr Impfangebot um die Harmonie.