Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

"Ich hatte einen großen Tatendrang und viele Ideen"

zurück zur Übersicht

Videos zu produzieren war schon immer Tim Jackens große Leidenschaft. Als Jugendlicher startete er seinen ersten Youtube-Kanal, heute erreicht „TJ“ mit seinen Inhalten und Streams über 445 000 Fans. Spätestens als Videobearbeiter und kreativer Kopf von Webvideoproduzent Rezo und als Beteiligter des Politikvideos „Die Zerstörung der CDU“ erreichte der 24-Jährige große Bekanntheit. Mittlerweile ist TJ wieder solo mit seinen Kanälen „TJ-Tim Jacken“, „Power TJ“ sowie auf den sozialen Netzwerken unterwegs. Im Interview spricht er mit Stimmt! über seine Projekte, Ziele und seine Zusammenarbeit mit Rezo.

Tim, hallo. Ganz schön verrückte Zeiten momentan - wie geht’s dir?

TJ: Gut, danke. Ich habe bis 3 Uhr morgens gedreht und bis 5 Uhr Videos geschnitten.

Klingt nach einem langen Tag.

TJ: Manchmal genieße ich es auch, früh aufzustehen und produktiv zu sein. Dann hake ich gern die wichtigen Sachen ab, damit ich den Rest des Tages für mich habe. Und dann nehme ich mir auch gern die Zeit, auszuschlafen.

In einem Video hast du hingegen versucht, mit möglichst wenig Schlaf auszukommen.

TJ: Ja - ich war unter Schlafmangel zwar produktiv, hab dabei aber so gar keinen Spaß gehabt. (lacht)

In deinem Portfolio ist dein Bewerbungsvideo zu finden, das du 2018 an Rezo geschickt hast. Wie bist du damals auf ihn aufmerksam geworden?

TJ: Ich hatte in dem halben Jahr, das ich als Reisefilmer auf der Aida gearbeitet hatte, kein Internet. Danach habe ich alles nachgeholt, was ich verpasst habe. In der Zeit ist auch Rezos Kanal explodiert. Als ich herausfand, dass er einen Cutter sucht, reizte mich das. Mein Bewerbungsvideo habe ich aber kurz vor knapp abgeschickt. Ich hatte keine großen Erwartungen, dass es klappen oder ich eine Antwort bekommen würde. Als ich dann abends mit einem Kumpel gezockt habe, schrieb Rezo mir auf Whatsapp.

Was meinst du, warum hat dein Video überzeugt?
TJ: Ich glaube, es waren die kleinen Dinge wie After-Effects, also Effekte, die im Nachhinein in das Video geschnitten werden. Die sind nicht aufwendig, haben aber eine große Wirkung. Aber warum mein Video überzeugt hat, ist eigentlich gar nicht so wichtig.

Hätten du und Rezo damit gerechnet, dass „Die Zerstörung der CDU“ so eine Wirkung nach sich ziehen würde?   

TJ: Nein. Wir hatten zwei Monate vorher schon mal ein politisches Video zum Uploadfilter gemacht, das ähnlich aufwendig und lang war. Das hat 300.000 Klicks bekommen. Ich dachte, das würde mit dem CDU-Video ähnlich werden. Denn mal ehrlich, ein 50-Minuten-Politikvideo auf Youtube? Das hört sich nicht eigentlich nicht sehr spannend an, und es bedient die Zielgruppe auch nicht. Deshalb dachte ich, es würde ähnlich werden wie beim Artikel-13-Video.

Hattest du im Vorfeld des CDU-Videos Bedenken?

TJ: Nein, wieso auch? Im schlimmsten Fall hätten wir falsch recherchiert, aber wir wussten, dass das nicht so war. Oder es hätte sich niemand Video angesehen. Aber darüber hätten wir uns auch nicht geärgert.

Wie kam es, dass du dich jetzt auf deine eigenen Projekte konzentrierst?

TJ: Es kommt öfter vor, dass sich Cutter dazu entscheiden, ihren eigenen Weg zu gehen. Auch ich hatte einen großen Tatendrang und viele Ideen. Ich wollte wieder was Eigenes für mich machen. Das habe ich nebenbei auch gemacht, aber dadurch wurde es stressig. Die logische Schlussfolge war, dass ich aussteige. Das ist in beidseitigem Einverständnis passiert. Rezo und ich quatschen auch noch jede Woche, und wir machen weiter Videos zusammen.

Auf welche Projekte können wir uns denn freuen?

TJ: Ich starte bald wieder meinen Hauptkanal „TJ-Tim Jacken“. Dort plane ich ein Format im Stil einer Wochenshow wie TV Total früher, nur mit einer höheren Frequenz, also viel schneller. Ich baue dann Clips, die viral gegangen sind, in einer Comedy-Geschichte zusammen. Das nennt sich erst mal "TJs Youtube- und Twitch-Wochenshow".

Wie gehst du bei der Videobearbeitung vor?

TJ: Es kommt immer drauf an, wie man Videos schneidet. Bei meinem neuen Format plane ich viel im Voraus. Da habe ich ein Skript und weiß, wann ich zwischendrin Memes einblende oder zoome. Bei spontanen Videos, bei denen man nicht weiß, was passiert, kommt das im Nachhinein oder noch während des Drehs.

Bei einem deiner bewährten Formate, das wegen der Corona-Pandemie leider nicht möglich ist, triffst du völlig fremde Menschen für eine gemeinsame Aktion, ein Blind-Date oder ein Trinkspiel. Fühlst du dich mit Unbekannten wohler?

TJ: Nein, im Gegenteil. Mit Menschen, die ich nicht so gut kenne, muss ich eigentlich immer warm werden. Bei diesem Format rutsche ich in eine Art Moderator-Rolle. Mir geht es dabei eher um die Interaktion, die man mit diesen fremden Menschen hat. Das finde ich spannend.

Auf Tiktok hast du derzeit die meisten Abonnenten. Wie stehst du als jemand, der mit Youtube aufgewachsen ist, zu dem Portal?

TJ: Aus Cutter-Sicht ist Tiktok nicht sehr anders. Der Unterschied liegt darin, dass man bei Youtube einen Kontext hat, und bei Tiktok lädt man den komprimierten Inhalt hoch. Tiktok ist ein supercooles Medium, das neue Creator hervorgebracht haben. Ich muss mich echt zusammenreißen, nicht zu viel Zeit damit zu verbringen. Andererseits ist der Tiktok-Algorithmus auch absurd: Bei manchen Videos wundere ich mich, dass sie drei Millionen Mal angesehen wurden, obwohl ich den Inhalt weniger gut finde als der von Videos, die nur 20.000 Mal angesehen wurden.

Eines deiner Ziele ist, mit 30 Jahren ein eigenes Haus zu haben - warum?

TJ: Das war immer mein großer Ansporn, um für die Zukunft vorzuarbeiten und um einfach die große Sorge Geld aus meinem Kopf zu streichen.

Zur Person

Tim Jacken alias TJ, 24 Jahre alt, wuchs in Geldern-Hartefeld in Nordrhein-Westfalen auf. Derzeit wohnt er in Aachen. Seinen ersten Youtube-Kanal startete er 2010. In Bochum studierte er Digital Film & VFX, danach arbeitete er ein halbes Jahr auf dem Kreuzfahrtschiff Aida als Reisefilmer, wo er den Urlaubsalltag der Gäste begleitete. Eher zufällig wurde er Videocutter bei Social-Media-Star Rezo und stand auch mit ihm gemeinsam vor der Kamera. TJ wirkte an dem 55-minütigen Video „Die Zerstörung der CDU“ mit, in dem Rezo mit der CDU, aber auch mit anderen Regierungsparteien abrechnet, und sich dabei auf ein fundiertes Quellenverzeichnis beruft. Das Video, das kurz vor der Europawahl im Mai 2019 veröffentlicht wurde, erhielt bundesweit mediale Aufmerksamkeit und löste eine gesellschaftliche Debatte aus. Bis heute wurde „Die Zerstörung der CDU“ etwa 18 Millionen Mal aufgerufen. In „Die Zerstörung von Yotta" weist TJ auf Missstände bei Influencer Bastian Yotta hin und wurde von vielen Content Creatoren auf Youtube dafür beglückwünscht.

 

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt vom Anbieter "YouTube". Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externe Inhalte ausschalten
Anzeige für den Anbieter YouTube über den Consent-Anbieter verweigert

Galerien

Regionale Events

Online-Lesung

Am 14. Juli liest Dr. Natasha A. Kelly aus ihrem Buch über Rassismus.