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Urangst des Menschen

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 Es ist eine Urangst des Menschen: lebendig begraben zu werden, bei vollem Bewusstsein eingesperrt zu sein, ohne Hoffnung auf Rettung. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: Taphephobie. In einer ähnlich alptraumhaften Situation befindet sich auch eine Frau im Film „Oxygen“, der am 12. Mai bei Netflix erscheint. Elizabeth Hansen (Mélanie Laurent) erwacht und ist in einer kryogenischen Kammer – einer Kältekapsel – eingesperrt. Weder weiß sie ihren Namen, noch ob sie wirklich krank ist oder wie sie in diese bedrohliche Situation gekommen ist. Bedrohlich ist die Lage, weil in der Kammer langsam aber beständig der Sauerstoff ausgeht.

Elizabeths einziger Kontakt zur Außenwelt besteht über die Sprachausgabe eines hochmodernen Computers – genannt Medizinisches Interface zur Lebenserhaltung von Organismen und abgekürzt M.I.L.O. (gesprochen von Mathieu Amalric). Über das intelligente Computersystem gelingt es Elizabeth, zu telefonieren und die Polizei zu alarmieren. Doch schnell wird ihr klar, dass mit dem Beamten etwas nicht stimmt. Nach und nach kommt auch ihre Erinnerung zurück, und das Geheimnis ihrer Identität wird gelüftet.

Der Franzose Alexandre Aja ist bislang eher als Regisseur für Filme der härteren Gangart bekannt – wie den blutigen Rachestreifen „High Tension“ (2003) oder die Horror-Neuverfilmung von Wes Cravens „The Hills Have Eyes“ (2006). Auch in „Oxygen“ spielt er mit seinen Horror-Einflüssen, benutzt hier aber die psychische, emotionale Ebene.

Emotionen

Aja gibt dem Zuschauer bei seinem Netflix-Debütfilm keinen Vorlauf, wirft ihn direkt hinein in die spürbar klaustrophobische Enge, entfaltet ein Kammerspiel im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ausweglosigkeit ist der treibende Motor des Films, der sich als Mischung aus Science-Fiction-Überlebensthriller und Drama über Elizabeths Vorgeschichte entpuppt. Einen Film mit nur einer Location und einer Schauspielerin interessant zu halten, ist eine Kunst. Dem Streifen gelingt das einerseits durch tolle Kameraeinstellungen, die den mangelnden Bewegungsspielraum durch immer neue Sichtweisen hervorragend einfangen, andererseits durch seine starke weibliche Hauptfigur.

Mélanie Laurent überzeugt in einer One-Woman-Show, spielt eine Frau, die die gesamte Emotionspalette durchlebt, deren Mimik allein diese Tour de Force tragen muss und die im Kampf gegen die Zeit Phasen von Stärke, Panik, Angst, Hoffnung, Trauer und Wut durchlebt. „Oxygen“ schafft es, den Nervenkitzel über knapp 100 Minuten Spielzeit aufrecht zu erhalten, die Intensität durch kluge Wendungen und einen verblüffenden Twist hochzuhalten. Der bildgewaltige Streifen hätte sich bestimmt auch gut auf einer großen Kinoleinwand gemacht. 

Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben und ab dem 12. Mai auf Netflix aufrufbar. Die Spielzeit beträgt 100 Minuten.

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