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Viktorianischer Grusel ohne Substanz

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Sherlock Holmes ist die Ikone eines ganzen Genres. Der Meisterdetektiv, 1886 erdacht vom britischen Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle, ist als schrulliger aber hochintelligenter Einzelgänger schon lange nicht mehr wegzudenken aus der Popkultur – vor allem in zahlreichen Verfilmungen und Serienformaten. Der Streamingdienst Netflix versuchte zuletzt, sich dem Kult verstärkt mit Randfiguren zu nähern. 2020 mit der in Doyles Büchern unerwähnten Schwester „Enola Holmes“, jetzt mit einer Gruppe von Straßenkindern, die in „Die Bande aus der Baker Street“ paranormale Fälle lösen müssen. Im viktorianischen London leben Bea (Thaddea Graham), Jessie (Darci Shaw), Billy (Jojo Macari) und Spike (Mckell David) als Außenseiter mit chronischen Geldproblemen in einer schäbigen Unterkunft. Als fünftes Bandenmitglied stößt der von der High Society gelangweilte Königssohn Leopold (Harrison Osterfield) zu ihnen.

Beauftragt von Holmes treuem Begleiter Dr. Watson (Royce Pierreson) werden die jungen Spürnasen als Ermittler in mysteriösen Fällen angeheuert. Schnell wird klar, dass die gruseligen Vorkommnisse zusammenhängen. Sherlock selbst (Henry Lloyd-Hughes) wird erst spät ein Teil der Handlung, lange wird das kriminalistische Genie nur angedeutet, versumpft er doch die meiste Zeit in Opiumhöhlen und wird dann als tragisch gescheiterter Familienmensch eingeführt. Auch altbekannte Figuren wie Inspektor Lestrade sind nur am Rande wichtig. Netflix-typisch wurde die Serie maximal divers besetzt: Frauen, Männer, „People of Color“ und „Weiße“. Dr. Watson etwa ist Schwarz.

Übernatürlich

Irregulars“, wie die Serie im Original heißt und wie auch die Graphic-Novel-Vorlage betitelt ist, kommt mit interessanter Grundprämisse um die Ecke. Doch schnell verläuft sich die achtteilige erste Staffel in Belanglosigkeit. Vieles wird ausprobiert, doch die übernatürlichen Krimirätsel sind vorhersehbar, nicht clever und wendungsreich gebaut. Geisterhafte Gestalten, in Gruselfilmen überstrapazierte Klischees wie Hexen und Zombies treffen auf Anleihen aus Hitchcocks „Die Vögel“ und klassische Wer-ist-der-Mörder?-Spielchen à la Agatha Christie.

Die Serie richtet sich trotz FSK-16-Beschränkung an eine junge Zielgruppe. Das zeigt sich an der modernen, schnittigen Musik, die im Widerspruch zum historische Setting mit Kostümen und Requisiten steht. Vor allem aber mangelt es an der Tiefe der Figuren, die erschreckend leer und bedeutungslos bleiben. Wer eine spannende Mischung aus Teenie-Drama und Übernatürlichem sucht, ist bei der Netflix-Produktion „Stranger Things“ deutlich besser aufgehoben. Die Bande aus der Baker Street

Die Serie aus Großbritannien kann man bei Netflix ab 16 Jahren streamen. 

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