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Zurück in die Achtziger

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Drei Cheeseburger, drei große Pommes und ein Schoko-Milchshake“: Immer wenn im Alltag von Sheila Rubin (Rose Byrne) etwas geschieht, von dem sie sich gestresst fühlt, beginnt der Teufelskreis von vorne. Die auf eine makellose Erscheinung bedachte Familienmutter bestellt sich im Drive-in eine große Menge Fast Food, mietet sich in ein schäbiges Motel ein, isst alles auf, nur um sich anschließend im Bad zu erbrechen.

Ehemann Danny (Rory Scovel) hat keine Ahnung, dass seine Frau krank ist. Nach seiner Entlassung als Hochschuldozent für Politikwissenschaft konzentriert sich der einstige Hippie ganz und gar auf seine Kandidatur für das kalifornische Unterhaus. Auch dass wegen der Ess-Brech-Attacken, für die jedes Mal 50 Dollar draufgehen, der gemeinsame Kontostand rapide sinkt, bekommt der unsensible Egozentriker, der in der Öffentlichkeit mit seinen Öko-Ideen hausieren geht und zu Hause den Macho raushängt, nicht mit. Beides weiß Sheila nämlich geschickt vor ihm zu verbergen.

Selbsthass

Mit ihrer Hauptfigur macht es die Serie „Physical“, die am Vorabend des Aerobic-Booms in Kalifornien Anfang der Achtziger einsetzt und ab heute neu auf Apple TV+ abrufbar ist, dem Zuschauer nicht leicht. Denn Sheila verstört nicht nur durch den Selbsthass und die Selbstzerstörung, die sie an den Tag legt, sondern auch durch die Verachtung, die sie für ihre (engsten) Mitmenschen übrig hat. Aus dem Off ist immer wieder die innere Stimme der frustrierten Hausfrau zu hören, die sich und andere niedermacht, während sie nach außen hin stets ihr breitestes Lächeln aufsetzt.

Gleichzeitig benutzt, belügt und betrügt sie ihr Umfeld für ihre Zwecke. Besserung – zumindest für die Familienkasse – ist in Sicht, als Sheila ihre neuentdeckte Leidenschaft für Aerobic mit dem gerade aufstrebenden Heimvideomarkt kurzschließt: Mit Hilfe von Fitnesstrainerin Bunny (Della Saba) und deren tumbem Surfer-Freund Tyler (Lou Taylor Pucci) nimmt sie ein Work-out-Video auf. Die revolutionäre Geschäftsidee schlägt ein wie eine Bombe, schon bald erobert Sheila damit nicht nur die Haushalte in San Diego, sondern schafft es als Aerobic-Ikone am Ende (wie gleich zu Anfang der Serie zu sehen ist) sogar ins professionelle Aufnahmestudio.

Gegenentwurf

Serienschöpferin Annie Weismann („Desperate Housewives“) hat Sheila eine Reihe von Figuren an die Seite gestellt, deren Geschichten im Verlauf der durchwachsenen Dramedy mehr Raum einnehmen. Für sie alle gilt, was die quirlige Greta (Dierdre Friel) in einer der zehn Episoden sagt: „In unserem Inneren sind wir doch alle Verrückte.“ Die vermögende Ehefrau und Mutter stellt dabei einen Gegenentwurf zu Sheila dar.

Denn während es der korpulenten und in ihrer Ehe zunächst ebenfalls unglücklichen Greta gelingt, durch ein offenes Gespräch mit ihrem Partner zu Selbstakzeptanz und einem erfüllten Liebesleben durchzudringen, bleibt der essgestörten Sheila dieser Weg versperrt. Überhaupt darf bezweifelt werden, dass sich Aerobic für Sheila als der Ausweg aus ihrer selbstzerstörerischen Routine erweist. Vielmehr scheint es, dass die Mittdreißigerin lediglich eine Sucht gegen die andere austauscht. Derart aufgewärmt bleibt dem Zuschauer am Ende von Staffel eins abzuwarten, wie es weitergeht. Ob sich das Work-out mit Sheila auszahlt, muss sich erst noch zeigen.

,,Physical'' hat zehn Episoden mit jeweils 30 Minuten und ist bei Apple TV + abrufbar.

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