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Große Stimme, große Pläne

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Auch bekannt als Shorty erobert der 18-jährige Julian Pförtner aus Bad Wimpfen gerade die Region. Nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seiner offenen und sympathischen Art. Im Frühjahr hat er sein Abitur am Hohenstaufen-Gymnasium gemacht. In Zukunft will er als Straßenmusiker die Welt erkunden. Doch bevor er sich auf und davon macht, stehen noch ein paar Auftritte in der Region an. Einer davon bleibt schon jetzt unvergessen: Sein Live-Auftritt im Juni auf der Kornspeicherbühne beim Blacksheep-Festival in Bad Rappenau-Bonfeld.

Durch Papa und Opa zur Musik

Schon mit sechs Jahren beginnt Julian Pförtner, Gitarre zu spielen. Zur Musik kommt er durch seinen Papa, aber vor allem durch Opa Peter Hochmuth, der eine eigene Band hat. Mit ihm sammelt er erste Bühnenerfahrung.Pförtner erinnert sich an einen Auftritt auf dem Talmarkt, dem Bad Wimpfener Volksfest: "Ich habe Lieder wie 'Schnappi das kleine Krokodil‘ gesungen“, sagter und muss heute darüber lächeln. Mit seinem Opa performt er gemeinsam Lieder von Peter Maffay. Bis er 13 Jahre alt ist, singt er Coversongs und begleitet sich selbst auf der Gitarre. "Auch wenn heute noch jemand sagt 'Sing doch mal was!‘, mache ich das nur mit Gitarre. Ohne geht das nicht.“

Mit 14 Jahren eine Rockband gegründet

Doch das Spielen von Coversongs reicht ihm irgendwann nicht. Es reizt ihn, eigene Lieder zu schreiben. Die Herausforderung ist viel größer. Heute fühlt er sich damit pudelwohl. Mit 14 Jahren gründen er und zwei Freunde eine Rockband. Mittlerweile macht Pförtner alleine Musik. "Ich schreibe nur noch eigene Lieder. Außer ich muss Cover singen, wenn ich gebucht werde.“ Wenn er doch mal fremde Songs singen muss, dann verleiht er ihnen immer eine eigene Note. "Ich finde es nett, es so zu interpretieren, dass man das Lied nicht mehr erkennt“, erklärt er.

Gefühle verarbeiten

In seinen Texten und Melodien verarbeitet er Gefühle. "Jeder hat sein Ventil. Manche machen Sport oder reden mit Freunden. Ich schreibe ein Lied darüber.“ Ende des Jahres erscheint seine erste Single "All the little lights“. Er hat den Text in Italien geschrieben. Es geht ums Vermissen einer Person, ums Alleinsein und darum, den richtigen Weg zu finden.

Sein Stil erinnert ein wenig an den britischen Singer und Songwriter Passenger und ist eine Mischung aus Folk, Pop und Country. "Durch meinen Papa bin ich mit Countrymusik groß geworden.“ Dass seine Lieder am Ende vielleicht auch ein bisschen nach Ed Sheeran klingen, ist keine Absicht. "Die Songs beeinflussen einen unterbewusst. Das passiert einfach, weil ich die Lieder gerne höre.“ Übrigens kann Shorty gar nicht nach Noten spielen, er macht alles nach Gehör. "Gegen das Notenspielen wehre ich mich innerlich wie sich eine Katze gegen das Wasser in einer Badewanne wehrt“, sagt er und lacht.

Facettenreich

Doch Julian Pförtner schreibt nicht nur sentimentale Songs. Er hat auch mal ein Lied von einer coolen Nacht geschrieben, in der es ums Ausbrechen geht. "Das ist immer situationsbedingt“,erläutert der Musiker. Seine Songs können auch von etwas Fiktivem handeln. "Ich habe mal einen Hochzeitssong geschrieben. Dabei habe ich mir vorgestellt, wie es an meiner Hochzeit sein könnte.“ Er versetzt sich dann in die jeweilige Situation. Der lebensfrohe junge Mann kann aber auch anders. "Ich bin facettenreich, aber auch sehr verpeilt. Und ich bin nicht schüchtern. Ich kann auch ein Draufgänger sein“, sagt er und schmunzelt. Neben dem Songwriting hört er auch gern Musik, vor allem auf Festivals. "Ich mag das Rustikale, das Freisein, die Menschen.“

Passenger und Stu Larsen im Publikum

Beim Nachwuchswettbewerb des Blacksheep-Festivals rückte Shorty als Zweitplatzierter nach und durfte mit Jan Vajs (Geige), Thomas Lautenbacher (Schlagzeug), Simeon Schwarzkopf (Keyboard)und Markus Feller (Bass, Gesang) auf der Kornspeicherbühne auftreten und seine Lieder "All the little lights“ und "Lost in a dream“ performen. Premiere feierte der Song "Song 4 u (nona)“. "Nona ist der Baby-Spitzname von meiner Freundin“, erklärt Pförtner.

"Ich hatte total Bock und war voller Euphorie. Nervös war ich gar nicht“, sagt er über seinen Auftritt beim Blacksheep-Festival. "Ich habe es genossen.“ Zu Beginn standen nur 80 Leute auf dem Platz an der Bühne. "Das hat sich ab dem zweiten Song gefüllt.“ Dieser besondere Tag hat dem Musiker viel gebracht. Er konnte dazu lernen und weiß jetzt, wie es bei einem professionellen Festival abläuft.

Ein persönliches Highlight für Pförtner war, dass die Musiker Passenger und Stu Larsen seinen kompletten Auftritt im Publikum mitverfolgt haben– natürlich undercover: Passengers Gesicht war mit einer Kappe verdeckt. "Ich habe ihn aber erkannt und ihm mit der Gitarre ein Zeichen gegeben. Daraufhin hat er mir zugenickt“, sagt Pförtner. Er traf Passenger auch Backstage. Dort sagte der Star zum Newcomer "Great job, man!“ Abends begegneten sich die beiden noch mal. "Er sagte zu mir,dass es eine tolle Show war, ich weitermachen solle und er an mich glaubt.“

Markus Feller ist sein Produzent

Beim Verwirklichen seiner Träume unterstützt ihn Produzent Markus Feller, der früher Bassist in der Band Scheinfrei war. Pförtner kannte deren Lieder aus dem Radio. Vor zwei Jahren zieht Feller in die gleiche Straße, in der auch der damals 16-Jährige wohnt. "Ich habe gesagt: 'Mama! Da wohnt der Bassist von Scheinfrei!‘. Ich habe mich nicht getraut, hinzugehen.

Dann habe ich ihn mal beim Döner getroffen. Ich wollte eine CD von ihm, weil sich die Band aufgelöst hatte.“ Daraufhin lädt Feller den jungen Musiker zu sich nach Hause ein. Pförtner: "Erdachte vermutlich: Das ist ein kleiner Junge, ein Fan. Wir sind dann ins Gespräch gekommen. Er sagte zu mir 'Zeig mal was du kannst.‘“ Julian singt und spielt Gitarre für Feller. "Er war völlig baff“, erinnert sich Julian Pförtner. Daraufhin war für Feller klar: Für den will ich produzieren. "Heute ist er mehr als mein Produzent. Er ist wie ein großer Bruder. Markus weiß viel vom Musikgeschäft. Er weiß, wo‘s langgeht“, meint Julian Pförtner.

Nach der Schule reisen

Manchmal entsteht ein Song innerhalb von 20 Minuten, manchmal verarbeitet er eine Bridge, die er im Alter von 15 Jahren aufgeschrieben hat. Oft kommen die besten Ideen,wenn er schon im Bett liegt und kurz vorm Einschlafen ist. "Ich bin dann zu faul, etwas aufzuschreiben. Morgens frage ich mich dann immer: Wie war das noch mal?“ Meistens hat er zuerst den Text und probiert daraufhin Melodien aus. Noch bevor sein Produzent die neuen Songs hört, spielt Pförtner sie seinem Bruder Marco (22) vor. "Erhört mir gern stundenlang zu.“

Nach der Schule will Julian Pförtner erst einmal Geld verdienen, um für seine Reisen zu sparen. Danach könnte er es sich vorstellen, etwa zwei bis drei Jahre in Berlin Musik zu machen. "Wenn es mit der Musik nicht klappt, gehe ich studieren. Ich will nicht mit 30 Jahren immer noch auf den Durchbruch warten.“ Noch steht er am Anfang, doch ein eigener Youtube-Kanal soll demnächst kommen.

Sein Spitzname wurde zum Künstlername

Seinen Spitznamen, den er jetzt als Künstlernamen verwendet, hat er übrigens schon seit Kindesbeinen an. Die Eltern seines besten Freundes kennen ihn schon lange. "Sein Vater ist Amerikaner. Als ich drei Jahre alt war, hat er mich immer Shorty gerufen.“ Als er sich fragte, wie er sich nennen soll, fiel ihm die Antwort nicht schwer.

An alle Ladys da draußen: Julian Pförtner ist seit dreieinhalb Jahren glücklich vergeben. Aber die Musik hilft euch bestimmt dabei, darüber hinwegzukommen.

 

 

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