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Beats aus Böckingen

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Ein Laptop, ein teures Computerprogramm und einen Kopfhörer – mehr braucht Denis Berger nicht, um sein Geld zu verdienen. "Theoretisch kann ich meinen Job von überall machen", sagt der 22-Jährige aus Böckingen, der Beats für US-Hip-Hop-Größen wie Wiz Khalifa, Future, Juice Wrld und Young Thug produziert – und das recht erfolgreich. 

Goldene Schallplatte

Unter seinem Künstlernamen Pvlace – der Name ist angelehnt an ein Level aus dem Videospiel "Final Fantasy" – hat Berger für zwei Alben Beats produziert, die in Amerika jeweils mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurden: Wiz Khalifas "Rolling Papers 2" und Futures "Hndrxx Presents The Wizrd". "Bei der ersten Auszeichnung war das ein unglaubliches Gefühl, bei der zweiten hat fast schon Routine eingesetzt", sagt Berger und lacht. Seit 2010 produziert er Beats, "am Anfang habe ich das in meinem Kinderzimmer gemacht".

Steiniger Weg

Denis Berger bezeichnet sich selbst als Beat Producer oder Komponist. Bis zum Erfolg war es ein steiniger Weg. "Ich habe vier Schulen und zwei Ausbildungen verpatzt", sagt der 22-Jährige. "Dann gab es keinen anderen Weg, als irgendwas selbst zu machen." Musik hat er schon immer gemacht, lange spielt er Klavier. "Ich habe sehr viel Hip-Hop gehört und wollte mich irgendwann kreativ ausleben." 

Inzwischen ist der Heilbronner bei der Firma 808 Mafia angestellt, als einziger Europäer. Das Label mit Sitz in Los Angeles und Miami produziert Melodien für viele amerikanische Rapper und Sänger. Zum Label kam er durch einen illegalen Umweg. "Ich habe einem russischen Hacker 100 Dollar gezahlt, damit er mir die E-Mail von meinem jetzigen Chef besorgt. Dann habe ich ihm die Dateien mit meinen Beats geschickt, sie haben ihm gefallen", erinnert sich Berger. Eine Woche später bekommt er einen Anruf, bald darauf einen Vertrag angeboten. „Das Ganze ist immer noch ein Traum, mein Leben ist seit dem ganz anders geworden", sagt Berger.

Wie viel er mit seinem Beruf genau verdient, will Berger im Gespräch nicht verraten. Wenig ist es wohl nicht, denn der Producer trägt teure Accessoires und Markenklamotten. Auch über sein Privatleben spricht er nicht. Abheben will er aufgrund seines großen Erfolgs nach eigenen Angaben jedoch nicht. "Wenn man mehr Geld verdient, dann verändert sich auch das Konsumverhalten. Das ist etwas sehr Negatives und ich kämpfe da oft ein wenig mit mir selbst", sagt Berger, der in Heilbronn geboren wurde. "Als Kind und in meiner Jugend hatte ich nicht viel, das hat sich schon stark verändert und ich weiß es zu schätzen."

Seine Ideen für Melodien nimmt Berger oft aus Videospielen. "Hypnotische Klänge kommen richtig gut an", sagt Berger. "Außerdem muss man sich mit dem Stil an den jeweiligen Künstler anpassen." Was einen guten Beat ausmacht? "Zu 80 Prozent die Melodie. Bei mir ist es so: Wenn ich länger als 20 Minuten für einen Beat brauche, dann lösche ich ihn. Es muss natürlich aus mir rauskommen. Man darf und kann Kreativität nicht erzwingen." Apropos kreativ: Bergers Arbeitszeiten verlegt er meist in die Nacht. "Zwischen 23 Uhr nachts und 4 Uhr morgens funktioniert es am besten."

Heimat

Als Komponist hat Denis Berger einen vollen Terminkalender, kommt viel herum: London, Berlin, Los Angeles, Miami. Zeit für Heilbronn bleibt da nur noch selten. Trotzdem ist der 22-Jährige heimatverbunden, ist froh, wenn er bei Familie und Freunden in Böckingen zu Besuch ist. "Meine Eltern können das Ganze immer noch nicht glauben, aber unterstützen mich, sammeln jeden Schnipsel, jedes Video und jedes Interview." Wo er mal leben will? "Böckingen ist für mich Heimat. Ich will aber irgendwann mal in Polen wohnen, ich habe dort Verwandtschaft. Und Warschau ist eine traumhafte Stadt."

 

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