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Das 48-Millionen-Album

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Kunst, aber nicht gemalt, sondern auf Platte: Mit ihrem ersten gemeinsamen Album "Yo, Picasso" zeigen Fatoni und Dexter, dass Hip-Hop und Verstand gut zusammenpassen, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Felix Klingel hat mit ihnen über das Album, den Erfolg und die Flüchtlingskrise gesprochen.

Ihr seid beide als Solokünstler bekannt, was ist "Yo, Picasso" für ein Album?
Fatoni: Es ist ein klassisches Rap-Album geworden, aber irgendwie auch anders. Dexter sagt immer, es sei kein Deutschrap, sondern Rap auf Deutsch.

Was ist der Unterschied?
Dexter: Die Beschreibung Deutschrap ist für mich fast ein Schimpfwort. Es gibt viele Dinge im Deutschrap, die mir nicht gefallen. Unser Album ist musikalischer und organischer, eher an den amerikanischen Hip-Hop angelehnt, aber eben auf Deutsch.

Wie kamt ihr überhaupt dazu, gemeinsam ein Album zu machen?
Fatoni: Wir haben uns vor vielen Jahren in Heilbronn kennengelernt und die Idee für ein Album gibt es schon lange. Nur hatten wir bisher immer andere Dinge um die Ohren. Jetzt hat es geklappt.

Der Albumtitel und das Cover sind an das Selbstporträt "Yo Picasso" (Ich Picasso) von Pablo Picasso angelehnt. Nur ein Wortwitz oder steckt da mehr dahinter?
Fatoni: Es ist ein "Yo" im Titel, dass ist wichtig bei Hip-Hop. Außerdem wurde für das Bild 48 Millionen Dollar bezahlt. Das ist ungefähr der Preis, den wir uns für das Album vorstellen (lacht).

Das Selbstportrait ist außerdem der erste Auftritt von Picasso auf der Weltbühne der Kunst.
Fatoni: Ja, aber uns ist klar, dass wir kommerziell nicht so erfolgreich sein werden. Dafür stimmt die Qualität des Albums. Es ist eine Künstlerphrase, aber das ist mein bestes Album bisher.

Dexter, du hattest den Erfolg schon. Für deine Produktionen für Cro und Casper hast du Platin- und Goldplatten bekommen. Stimmt es, dass du diese immer noch nicht aufgehängt hast?
Dexter: Ja, die hängen immer noch nicht. Nicht, weil ich die Auszeichnung nicht schätze, sondern eher aus Faulheit. Auf kommerziellen Erfolg bin ich durch meinen Beruf aber nicht angewiesen.

Du bist Kinderarzt in Stuttgart, kommst aber aus Heilbronn. Verbindet dich noch etwas mit der Stadt?
Dexter: Ich habe einen großen Teil meiner musikalischen Entwicklung in Heilbronn verbracht, im Mobilat Club das erste Mal aufgelegt. Ich komme immer wieder gerne, auch wenn ich dazu gerade wenig Zeit habe. Heilbronn war schon immer eine gute Stadt für Hip-Hop und braucht sich nicht verstecken. 

Fatoni, die Texte des Albums sind voller Ironie und Sarkasmus. Warum versteckst du deine Botschaften hinter diesen Stilmitteln?
Fatoni: Ich kann Themen nicht einfach so ansprechen, wie sie sind. Das ist ja auch mein Stil, das wird erwartet. Viele sagen zwar, damit würde ich es mir einfach machen. Aber ich finde, gerade Ironie gut hinzukriegen, ist schwierig.

In Ironie steckt auch immer die Gefahr, falsch verstanden zu werden.
Fatoni: Daran habe ich mich gewöhnt.
Dexter: Es ist doch auch langweilig, wenn alles sofort verständlich ist. Das ist das Interessante an Kunst: Es gibt etwas zu diskutieren. 

Mit dem Song "32 Grad" greift ihr ein aktuelles Thema auf: die Flüchtlingskrise. Worum geht's in dem Song?
Fatoni: Ich erzähle dabei aus der Perspektive eines All-Inklusive Touristen auf Lampedusa. Er lässt sich durch die ankommenden Flüchtlinge nicht stören. Das ist für mich ein Extrembeispiel. Aber als vor Lampedusa viele Flüchtlinge ertrunken sind, hatte ich das Gefühl, dass niemand etwas unternehmen wollte oder konnte. Inzwischen hat sich das zum Glück etwas geändert.

Das Video zu dem Song habt ihr auf der griechischen Insel Lesbos gedreht, zu sehen sind Bilder von ankommenden Flüchtlingen.
Fatoni: Ich habe dort genau das beobachtet, was ich im Song beschreibe. Es liegen Leute in der Sonne und weiter hinten kommen Flüchtlinge an.

Wer ist das?

Dexter und Fatoni sind vor allem als Solokünstler bekannt, verfolgen aber auch andere Projekte. Der in Heilbronn geborene Felix Göppel produziert seit vielen Jahren unter dem Namen Dexter Hip-Hop-Beats. Als Solokünstler veröffentlichte er mehrere Alben. Für namhafte Künstler wie Cro und Casper produziert er ebenso wie für seine Freunde bei der Heilbronner Wortsport-Crew. Zusammen mit den Produzenten Brenk Sinatra und Suff Daddy bildet er die Betty Ford Boys – die erste deutsche Hip-Hop Supergroup.

Dexters Musik ist eine Fusion aus Hip-Hop und Jazz, oft mit Elementen aus anderen Musikrichtungen gemischt. Viele seiner Songs kommen ohne Rap oder Gesang aus. Der Münchner Fatoni, bürgerlich Anton Schneider, ist zuständig für die Texte und den Rap. Fatoni begann mit der Rap-Crew Creme-Fresh und veröffentlichte bis zu deren Auflösung 2012 drei Alben. Kurzzeitig war er Mitglied der Brassband Moop Mama. Dann startete er als Solokünstler, veröffentlichte ein Album und mehrere EPs. Außerdem war er als Theaterschauspieler tätig. Fatoni ist bekannt für seine Texte, die voller Ironie, Zynismus und Sarkasmus sind.

 

 

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