Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Besser als in echt

Übersicht

Wer Fernando Torres beim Internet-Videoportal youtube sucht, wird reichlich fündig. Eines der meistgesehenen Videos zeigt seinen legendären Fehlschuss vom 18. September 2011 im Spiel gegen Manchester United. Aus sechs Metern schießt der Stürmer des FC Chelsea den Ball am leeren Tor vorbei. Mehr als 2,3 Millionen Menschen haben das Video bereits angeklickt. Was aber überrascht: Es zeigt gar nicht den spanischen Stürmerstar, sondern sein virtuelles Double.

Die Originalszene hat ein Benutzer mit dem Computerspiel "Fifa 2011" auf seiner Konsole nachgespielt und das Video bei youtube eingestellt. Keine Seltenheit. Von vielen Highlights internationaler Spitzenspiele existieren solche virtuellen Kopien. Oft ersetzen sie die Originalszenen, die aus urheberrechtlichen Gründen nicht eingestellt werden dürfen. Es werden aber auch ganze Computerpartien sozusagen als Prognose vor einem realen Fußballspiel eingestellt. Oder die besten Tore von Robert Lewandowski, die der Dortmunder Stürmer in Wirklichkeit nie geschossen hat.
 
 

Messi: virtuell besser als real

 
Die virtuelle Fußballwelt simuliert also nicht nur die Wirklichkeit, sie sagt sie sogar voraus oder ergänzt sie um nie stattgefundene Ereignisse. Wird sie dereinst sogar ohne die realen Vorbilder auskommen? "Beide Welten befruchten sich gegenseitig. Über die Simulation lassen sich Menschen für den Fußball begeistern. Begeisterte Fußballer spielen am Computer am liebsten Fußballsimulationen", sagt der Medienwissenschaftler Jürgen Sorg.
 
Doch die Grenzen sind fließend und führen zu paradoxen Erkenntnissen. Weltfußballer Lionel Messi hat einmal gesagt, dass er mit dem Messi an der Konsole besser sei als auf dem echten Fußballplatz. "Dann sind wir zu weit gegangen. Wir wollen ja so real wie möglich sein", sagt Ralf Anheier und lacht. Der PR Manager ist beim Softwarehersteller Electronic Arts (EA) für Sportspiele zuständig. Unter anderem für die Fifa-Serie von EA, dem beliebtesten Spiel unter deutschen Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren.
 
 

Virtuelle WM ein Großereignis

 
"Unsere Kunden wollen ein möglichst authentisches Abbild der Wirklichkeit, sie wollen mit den echten Charakteren spielen", sagt Anheier. Dazu beobachten Mitarbeiter von EA unablässig weltweit sämtliche Fußballligen. Transfers, Formkurven, Stärken und Schwächen von Vereinen und Spielern werden ständig aktualisiert. "So kann zum Beispiel jetzt schon das Champions-League-Endspiel unter realistischen Bedingungen gespielt werden", sagt Anheier.
Und das Ergebnis mit der gesamten Welt geteilt werden. Spätestens seit die neueste Generation von Konsolen onlinefähig ist, breitet sich der virtuelle Fußball auf dem gesamten Globus aus.
 
Im asiatischen Raum sind virtuelle Weltmeisterschaften beinahe so beliebt wie die echte Fußball-Weltmeisterschaft. Bis zu 20 000 Zuschauern sehen den besten Zockern live zu, Millionen verfolgen solch ein Großereignis im Internet. 2012 wird die WM der besten 24 sogenannten E-Sportler in Dubai ausgetragen. "Ich glaube, dass die virtuelle WM in Zukunft auch in Europa einen ähnlichen Stellenwert haben wird, wie die reale Fußball-WM", sagt Medienwissenschaftler Sorg.
 
 

"Vorbilder als Vergleichsobjekte"

 
Der Star ist dann nicht mehr nur der Fußballer, sondern auch der Mensch, der ihn am besten spielt. Dabei bietet die Simulation gerade in dieser Hinsicht ein weit größeres Handlungsspektrum. Denn dort ist der Spieler der Spiritus Rector über das Geschehen. Er steuert jeden der Akteure auf dem Feld, inzwischen sogar den Torhüter. Er entscheidet über Aufstellung und Taktik. Er verpflichtet und verkauft Spieler. Team, Trainer und Manager in Generalfunktion – die totale Kontrolle ist ein wesentlicher Spaßfaktor des Spiels.
 
Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es keine Schiedsrichter-Fehlentscheidungen in der Simulation. Niemand pfuscht dem Spieler ins Geschehen – Sieg oder Niederlage liegen im Wortsinn allein in seiner Hand. Und wenn er das will, auch er selbst.
 
Denn er kann seinen Avatar ins Spiel einbringen. Der Klein-Jungen-Traum einmal mit den ganz Großen der Fußballwelt auf dem Platz zu stehen, geht in Erfüllung. Und noch besser: der Avatar kann Messi, Ronaldo und Co. sogar überflügeln. "Hier wird aber auch deutlich, dass die Simulation nicht ohne die Wirklichkeit funktioniert. Die realen Vorbilder werden als Vergleichsobjekt gebraucht", erklärt Sorg. Bisher zumindest noch.
 
 
 
Anzeige

Galerien

Regionale Events