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Wie Artisten sich ernähren

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Hamburger und Pommes frites sind keine gute Grundlage für einen Handstand. Wer wie Chris Kiliano bei jeder Weihnachtszirkusvorstellung fünf, sechs Minuten lang an zwei derben Baumwollgurten unter der Zirkuskuppel luftige Kraftakrobatik vorführt, muss überaus beweglich und belastbar sein, muss über lange Zeiträume extreme Kraft aufbringen können – und spürt sehr genau, dass das mit Fast Food nicht zu haben ist.
 
Wer seinem Körper etwas abverlangt, muss dem Körper auch das Passende zuführen. "Ich esse sehr eiweißreich und trinke viel Wasser", erzählt Chris Kiliano, während er sich zwischen zwei Weihnachtszirkusvorstellungen von seiner anstrengenden Nummer erholt. "Durch die Flüssigkeit wird der Sauerstoff in die Muskeln transportiert." Die Muskeln selbst verlangen nach Protein, dem Baustoff, aus dem sie sind.
 
 

Zum Essen gezwungen

"Ich muss mich zum Essen zwingen", bekennt der 26-jährige Akrobat, und er meint damit nicht, dass es ihm nicht schmecken würde: Aber sein muskulöser Körper verbrennt so viel Energie, dass er ständig darauf achten muss, genug Nahrung nachzuliefern. Morgens trinkt Chris Kiliano gern einen Eiweißshake: aus einem halben Liter Milch, 300 Gramm Magerquark, zwei Eiern und frischem Obst – "ergänzend zum Frühstück". Zum Frühstück gibt es unter anderem Vollkornbrot, "bevorzugt aus Roggen, weil der Körper da lange davon zehrt".
 
Mindestens eine große Mahlzeit am Tag isst der Kraftakrobat, zum Beispiel Fleisch mit Reis und Gemüse. "Bei mir wird alles relativ schnell verbrannt", erzählt er, schließlich sind zwei Vorstellungen pro Tag wie zwei Wettkämpfe, dazu kommen zwei, drei Stunden Training täglich.
 
"Jetzt hole ich mir irgendwo was Fertiges", sagt der 26-Jährige am Samstag zwischen der Nachmittags- und der Abendvorstellung – gerne etwas Asiatisches, "aber nicht zu ölig und kein frittiertes Fleisch".
 
 

Schokolade geht auch

Asiatisch essen auch die 13 Chinesinnen der Beijing-Truppe. Reis mit Gemüse hat es gerade gegeben für die Zwölf- bis 31-jährigen Künstlerinnen, die mit ihren Diabolos den tänzerisch-akrobatischen Schlusspunkt der Schau setzen. Bis auf das üppige Hotelfrühstück sind ihre Mahlzeiten "klein, aber dafür öfter", berichtet Dolmetscherin Carrie Xu: Fünf, sechs Mal am Tag essen die Chinesinnen, Gemüse, Früchte, Milch und Fruchtsaft. Und, ja: auch Schokolade. "Das lieben sie."
 
Wobei sie im Gegensatz zu ihren männlichen Akrobatenkollegen darauf achten, nicht zu viel zu essen. "Nach der zweiten Vorstellung nur noch Äpfel, Orangen, vielleicht eine Banane", sagt Carrie Xu.
 
Nicol Nicols tanzt auf dem Drahtseil, und er weiß: "Dein Körper sagt dir, was du essen sollst." Seiner sagt es ihm alle drei, vier Stunden, "und wenn man etwas Schweres isst, sagt der Körper nein". Ein oder zwei Mal in der Woche darf es für den 32-jährigen Spanier trotzdem Fast Food sein, auch Schokolade "ab und zu". Morgens gibt es Orangensaft, Cornflakes und Früchte, mittags Kohlenhydrate wie Reis, zwischendurch Sandwich und Salat, nachts Suppe und Hähnchen, "für die Muskelregeneration". Das sagt der Körper zwar nicht wörtlich. Aber er spürt und signalisiert es.
                              

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