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Innovativer Direktor für Wilhelma

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Am Montag wird Thomas Kölpin offiziell als Direktor der Stuttgarter Wilhelma eingeführt. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der 45-Jährige erst der vierte Chef des kombinierten Tier- und Pflanzenparks, der dem Land Baden-Württemberg gehört. Für den bisherigen Leiter des Erfurter Zoos ist mit der Berufung zum Leiter "einer der europäischen Topanlagen ein Traum in Erfüllung gegangen".
 
Mit 2,3 Millionen Besuchern ist die Wilhelma die Nummer zwei unter den deutschen Zoos nach Berlin. Aber Kölpin mag sich auf dem Erreichten nicht ausruhen. "Es gibt noch Potenzial", ist er überzeugt. Er will die einmalige Anlage mit ihren denkmalgeschützten Gärten im maurischen Stil in Zukunft stärker überregional in den Fokus rücken.
 
 

Große Pläne

Kölpin hat große Pläne für die Wilhelma. Viele Gehege sollen neu gebaut oder modernisiert werden. "Wir wollen die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum präsentieren", sagt er. Wer sich in der Heimat nicht frisst, soll möglichst auch im Tierpark in Wohngemeinschaften leben. In Erfurt bevölkern zum Beispiel Lamas und Nandus zusammen mit Pampashasen eine Anlage.
 
In Erfurt stieg unter Kölpins Verantwortung in vier Jahren die Besucherzahl von 350 000 auf eine halbe Million. Mehrere Anlagen hat der gebürtige Hamburger dort modernisiert. Das Hirschgehege ist begehbar, die Kängurus hüpfen frei um die Besucher herum, im Lemurenwald nähern sich die gleichnamigen Tiere von der Insel Madagaskar zutraulich den Gästen. Das von ihm geplante Elefantengehege wird erst im Sommer fertig.
 
 

Artgerechte Haltung

Bei den Elefanten kann Kölpin in Stuttgart gleich weitermachen. "Der Neubau einer Elefantenanlage steht für mich ganz oben auf der Agenda", kündigt er an. Das bisherige Haus sei veraltet und genüge nicht mehr modernen Vorstellungen artgerechter Haltung. Sein Ziel ist eine eigene Zuchtherde.
 
Handlungsbedarf sieht der Neue auch bei den Gehegen für die Nashörner, die Raubtiere und die Orang-Utans. Im Lauf des Jahres will Kölpin einen Masterplan für die nächsten 20 Jahre erstellen, sozusagen ein Arbeitsplan für sein auf Dauer angelegtes Engagement. Mit dem Konzept verbindet er neue Akzente im Marketing und mehr Veranstaltungen.
 

 

Tierschützer

Die zum Teil fundamentalistische Kritik von Tierschützern an Zoos betrachtet Kölpin differenziert. "Ich stelle mich den Diskussionen", sagt er. Es gebe ja berechtigte Kritik an "problematischen Tierhaltungen". Bei manchen Zoos könne man schon fragen, ob die wirklich Tiger halten müssen. Keine Gesprächsbasis sieht er aber gegenüber den Aktivisten, die jede Haltung von Wildtieren in Zoos ablehnen. Er ist überzeugt, dass Tierparks "heute eine wichtigere Rolle beim Schutz bedrohter Arten spielen, als jemals zuvor". Denn dort würden seltene Tiere gezüchtet. Und in der Begegnung würden die Menschen sensibilisiert. Wenn die Familie Kölpin in zwei Wochen von Erfurt nach Stuttgart umzieht, reisen auch 35 Schlangen und acht Vogelspinnen mit. "Ich habe mich schon in der Kindheit für Käfer, Spinnen, Schlangen und Eidechsen interessiert", sagt der Familienvater. Im Studium hat er sich dann auf Königsnattern und Pythons spezialisiert und seine Doktorarbeit auf diesem Gebiet verfasst.
                    

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