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Sexuelle Minderheiten in der Schule

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Der Streit um die Vermittlung von Toleranz gegenüber Homosexuellen in den baden-württembergischen Bildungsplänen spitzt sich zu. Das liegt an der Online-Petition zu dem Thema. Allein in der Nacht zu Freitag haben 8000 Menschen die Initiative des Realschullehrers Gabriel Stängle unterzeichnet. Mit großen Schritten ging die Zahl der Unterstützer auf 90 000 zu. Im Internet wächst sich die Debatte zu einer Woge aus sachlicher Kritik an den grün-roten Plänen und Hasstiraden aus.

Das Thema Homosexualität im Unterricht treibt die Emotionen hoch. Das zeigen die Kommentare zu der Petition im Internet. Da ist von "Anmaßung des Staates gegenüber Kindern und Eltern" die Rede. Ein Gegner will seine "Kinder nicht von verdorbener Moral belastet sehen". Ein anderer warnt vor "Sodom und Gomorra". Es wird über "abscheuliche Gräuelpraktiken" und "Gehirnwäsche" gehetzt.
 
 

Umgang mit sexuellen Minderheiten

Der SPD-Abgeordnete Stefan Fulst-Blei ist erschüttert über solche Kommentare: "Ich frage mich, wie solcher Hass auf Schwule und Lesben wirkt." Der Mannheimer Abgeordnete hat schon im Sommer viele Hass-Mails bekommen, als er in dieser Zeitung erstmals die Forderung nach einem anderen Umgang mit sexuellen Minderheiten im Unterricht erhob. Die Kritik gehe weit an dem vorbei, was tatsächlich in den neuen Bildungsplänen stehe.
 
Fulst-Blei wie Kultusminister Andreas Stoch (SPD) plädieren für einen "neuen Umgang mit sexueller Vielfalt" im Unterricht. Genannt werden in dem Ministeriumspapier unter der Überschrift "Akzeptanz sexueller Vielfalt" die klassische Familie, Regenbogenfamilien, Singles, Patchworkfamilien und Ein-Eltern-Familien.

 

Verankerung im Bildungsplan

Dass gegen Stängle eine Dienstaufsichtsbeschwerde läuft, sorgt für zusätzliche Aufregung bei seinen Unterstützern. Für Fulst-Blei ist er aber für die Hetze mitverantwortlich. Denn für Stängle zielen die Regierungspläne "auf eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an allgemeinbildenden Schulen". Er warnt vor Überbetonung der Interessen von sexuellen Minderheiten und verweist auf eine höhere Suizidgefährdung homosexueller Jugendlicher.
 
Die Gegenposition bezieht der Stuttgarter Grundschulrektor Holger Henzler-Hübner, der den zwölfjährigen Sohn mit seinem Partner erzieht. Er war für die Lehrergewerkschaft GEW Mitautor eines Aktionsplans zur Verankerung des Themas im Bildungsplan. Es müssten "unter dem Aspekt Vielfalt von Lebensweisen unterschiedliche Lebensmodelle gleichwertig dargestellt werden". In der Petition würden "Lügen verbreitet". Es gehe eben nicht um die Thematisierung von Sexualpraktiken im Unterricht.
 


Erziehungsnorm

CDU-Oppositionschef Peter Hauk schlägt sich auf die Seite Stängles und erhebt die „christlichen und abendländischen Bildungs- und Kulturwerte“ zur Erziehungsnorm. Grün-Rot überhöhe die sexuelle Vielfalt zum "Leitprinzip". FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke vermisst ein Bekenntnis zur Familie: "Mann-Frau-Kind kommt dem Idealbild am nächsten."

Die eigene Partei ging am Freitag auf Distanz zu Rülke. In einer Mitteilung betont das Präsidium der Südwest-FDP, dass "gelebte gesellschaftliche Toleranz für uns Liberale selbstverständlich die Gleichstellung von schwulen und lesbischen Lebenspartnerschaften bedeutet".
                                 

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