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Schluss mit der Sucht

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"Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens bin ich ziemlich abgestürzt", schreibt Bea auf der Homepage von Teen Challenge,  der Organisation, die ihr verhalf, von den Drogen wegzukommen. Beas damaliger Freiheitsdrang und der Wunsch, unabhängig zu sein, endete in der Heroinsucht.  Unzählige Selbstversuche clean zu werden, scheiterten. "Als ich einsah, dass ich Hilfe brauchte, gingen Türen auf", heißt es weiter. Die damals 20-Jährige machte eine Therapie im Schlößle in Forchtenberg-Metzdorf. 

Bea hatte Glück. Der Neuanfang im Schlößle gelang. Heute lebt sie in einer eigenen Wohnung und arbeitet als Kosmetikerin. Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Es gibt viele Menschen, die versuchen, ihre innere Leere mit Drogen zu überwinden. Im vergangenen Jahr lag nach Angaben des Bundeskriminalamtes und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, die Zahl der Drogentoten bei  insgesamt 944 Menschen. Immerhin vier Prozent weniger als 2011, aber immer noch genug. 

 

Ruhe und Idylle

Manche jedoch schaffen es, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen und machen eine Drogentherapie. Zum Beispiel in der christlich-therapeutischen Lebensgemeinschaft von Teen Challenge Stuttgart. Der Verein kümmert sich um junge Frauen, die ihre Sucht- und Lebensprobleme überwinden wollen. Bis vor kurzem gab es in Hohenlohe noch zwei Stationen, das Schlößle in Forchtenberg-Metzdorf und seit 1995 zusätzlich die Bernhardsmühle in Neuenstein. Seit Oktober gibt es nur noch die Rehabilitation in der Bernhardsmühle. Beziehungsweise im nahe liegenden Bauernhaus, das dazugehört. "Wir konnten uns auf Dauer nicht mehr zwei Standorte leisten", rechtfertigt Volker Schuler, Leiter der Einrichtung, den Umzug. "Wir leben nämlich ausschließlich von Spenden."
 
An einem verregneten Novembermorgen trinkt Volker Schuler im Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss wie gewohnt seinen morgendlichen Kaffee und schaut aus dem Fenster. Sein Blick richtet sich auf die ländliche Idylle draußen, die im trüben Wetter fast zu versinken scheint. Hier ist Endstation. Außer der Bernhardsmühle, einer Handvoll Wohnhäuser und einer Kläranlage gibt es hier nichts. Man ist weit abgeschottet von der Außenwelt. "Und das ist auch gut so", findet der Theologe. "Die einsame Lage ist ideal für unsere Therapie."

 

Hohe Erfolgsquote

 In der Anfangsphase, der sogenannten Intensivphase, sollen die Frauen nämlich Abstand gewinnen, von Menschen aus ihrem alten Leben und Reizen, die sie eventuell wieder rückfällig lassen werden.  Nach der Aufarbeitung kommt die Adaptionsphase. Nun ist es Zeit, sich wieder an das "normale" Leben und einen geregelten Tagesablauf zu gewöhnen. Die Frauen übernehmen Aufgaben im Haushalt, im Garten und auf dem Hof.  Nach diesen beiden Phasen ist in der Regel ein Jahr verstrichen. Es folgt die Nachsorge. "Wir haben einige ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich darum kümmern." Ein Vorteil der Bernhardsmühle: Es gibt kein Zeitdruck. Die Frauen werden so lange betreut, bis sie es sich zutrauen, auf eigenen  Füßen zu stehen. "Vielleicht ist auch deswegen die Erfolgsquote bei der Heilung so hoch", schätzt Schuler. 

In der Bernhardsmühle können bis zu acht Frauen zwischen 18 und 40 Jahren aufgenommen werden. Fünf Therapeuten kümmern sich um sie, manche von ihnen leben sogar mit im Haus. Es gibt gemeinsame Mahlzeiten und Abende – alles, was zu einem normalen Leben dazugehört. Der Lebenstil ist einfach und realitätsnah.  Nach einem kurzen biblischen Impuls am Morgen beginnt die Therapiearbeit, es werden Einzel- und Gruppengespräche geführt. Phasen zum Reflektieren und Sport machen gehören ebenso Programm. Gegen den christlichen Glauben sollte man sich nicht sperren, empfiehlt Schuler, sie sei aber auch keine Pflicht. Er spiele dennoch eine wesentliche Rolle. 
 

Keine Außnahmen 

Schuler ist noch etwas aufgefallen: "In den 70er Jahren kamen noch viele Junkies von der Straße zu uns." Mittlerweile  kämen Frauen aus allen Gesellschaftsschichten, auch aus gut bürgerlichen Häusern.  Meistens finden die Frauen den Weg zum Therapiezentrum über Beratungsstellen, Sozialarbeiter und Kirchengemeinden. Oder über Frauen, die bereits dort therapiert wurden. 

Teen Challenge e.V. wurde 1973 gegründet und war eine der ersten therapeutischen Einrichtungen in Deutschland mit christlichem Hintergrund. Der Verein ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg, Mitglied der ACL (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen) und des BSFP (Bundesverband der Sozialwerke Freikirchlicher Pfingstgemeinden). 
                         

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