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Die etwas anderen vier Wände

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Eine malerische Umgebung sieht anders aus. Alter Industriecharme zeigt sich am Freiburger Güterbahnhof. Und doch wird hier, inmitten von Gleisen, Schutthaufen und alten Güterwaggons, getestet, wie die Zukunft studentischen Wohnens aussehen könnte. Und zwar in Containern.

Das Wort Container hört Frank Gremmelspacher allerdings nicht so gerne. Der 42-Jährige ist Marketingleiter bei der Firma Kramer, einem Spezialisten für den Bau von Kühlräumen. Der Marketingchef spricht lieber von Wohnmodulen. "Mit einem klassischen Überseecontainer, den man sich vielleicht vorstellt, hat unsere Idee nichts zu tun", stellt Gremmelspacher klar.
 

Konstante Wohnungsnot

Das Unternehmen will eine Möglichkeit bieten, studentische Wohnungsnot schnell zu lindern. Denn die Module sind leicht, wiegen dank Wänden aus Kunststoff-Paneelen etwa drei Tonnen – ein Pkw mit speziellem Anhänger genügt zum Transport. "Wir können Wohnraum schnell und unkompliziert zur Verfügung stellen", sagt Gremmelspacher. Etwa für brachliegende Flächen, die dadurch temporär genutzt werden können.

So wie am Freiburger Güterbahnhof. Vier Studenten leben dort in je einem Modul. Nasszelle, Küchenzeile, Schreibtisch, Bett – alles ist in den sieben oder acht Meter langen Modulen mit 15 bis 22 Quadratmetern untergebracht. Eine Version erfüllt sogar den Passivhausstandard. Sie kostet rund 30 000 Euro.
 

Günstig wohnen

"Anfangs haben sich manche Kommilitonen darüber lustig gemacht, als sie davon hörten", erzählt Florian Fuhrmann, einer der Bewohner. "Diejenigen, die uns besucht haben, fanden es aber durchweg positiv." Diese Ansicht könnte sich noch verstärken. In den warmen Monaten wollen die Bewohner die Grillstelle zwischen den Modulen oft nutzen. Feten sind bisher kaum möglich, weil die Wohneinheiten einfach zu klein sind.

Günstig wohnen die vier Studenten allemal. Da es sich um einen ersten Versuch handelt, bezahlen sie zurzeit nur die Nebenkosten von 100 Euro. Ab dem nächsten Semester kommen 200 Euro Miete hinzu.
 

Heilbronn auch?

Anfragen, die die Firma Kramer erreichen, drehen sich oft darum, ob die Module stapelbar sind. Das ist bislang nicht der Fall. "Diese Möglichkeit entwickeln wir gerade", berichtet Gremmelspacher. "Dann wäre unsere Ursprungsidee allerdings gestorben, weil wir mehr Stahl verbauen müssten." Schwerere Module sind nicht so einfach zu transportieren.

Beim Studentenwerk Heidelberg, das für die Studentenwohnheime in der Region zuständig ist, kennt man Modulbauweisen. In Heidelberg gibt es seit einem halben Jahr ein Wohnheim, das aus stapelbaren Holzmodulen besteht. 265 Bettenplätze, aufgeteilt auf drei Gebäude, fünfgeschossig. Die Münchener Firma Liwood hat es errichtet – vor Ort mit einer Feldfabrik.

Und in Heilbronn? Sollte hier ein Neubau für die wachsende Anzahl an Studenten entstehen, könnte auch er aus solchen Modulen bestehen. "Das würden wir favorisieren", sagt Rainer Weyand vom Heidelberger Studentenwerk.
                       

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