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Vom Handy-Gate bis zum Selfie

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Morgens beim Toast schon mal die Mails checken, am Workplace die To-do-Liste abarbeiten und danach beim Body-Workout oder Sale relaxen, um die Work-Life-Balance nicht zu gefährden: Englische Begriffe haben sich so in den Alltag eingeschlichen, dass viele Menschen sie kaum noch als Fremdsprache wahrnehmen. Manche halten das für normal, andere empfinden sie als überflüssig. Der Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch sieht Anglizismen eher als etwas "Natürliches, Kreatives und Bereicherndes".
 

Abhörskandal = Handy-Gate

Er wollte den aus seiner Sicht oft "kulturpessimistischen und von Angst um die deutsche Sprache geprägten Diskussionen" etwas Positives entgegensetzen und hat vor vier Jahren die Initiative "Anglizismus des Jahres" ins Leben gerufen. Gestern haben er und Kollegen wieder eine Liste mit den fünf Erstplatzierten veröffentlicht. Aus 100 Vorschlägen wählte die vierköpfige Jury um Stefanowitsch die Nachsilbe "-gate" auf Platz eins. Der Begriff, der mit dem Watergate-Skandal von 1972 nach Deutschland kam, hat sich aus Sicht der Experten immer stärker etabliert. Allein 2013 wurde er mehr als ein dutzend Mal genutzt, um Affären und Affärchen zu beschreiben – wie etwa den Abhörskandal um das Kanzlerinnen-Handy ("Handy-Gate") oder das Verschwinden einer Mops-Skulptur in Stuttgart ("Mops-Gate").
 

In die Sprache eingeschlichen

Die Vorsilbe "Fake-" (Fälschung), "Whistleblower" (Enthüller), "Selfie" für selbst gemachte Porträtfotos und "Hashtag", ein Rautezeichen zum Verschlagworten von Begriffen im Internet, belegten weitere Plätze.

Wie viele Anglizismen es inzwischen ins Deutsche geschafft haben, kann niemand genau sagen. Von den 140 000 Stichwörtern im aktuellen Duden, die auch nur ein Teil des Wortschatzes sind, stammen nach Angaben der Redaktion etwa 3,7 Prozent aus dem Englischen. "Das ist deutlich weniger als viele erwartet hätten", sagt Mitarbeiterin Kathrin Kunkel-Razum. Deutlich mehr Fremdwörter kämen aus dem Griechischen und Lateinischen.
 

Locker, lufitg = Fluffig

Der Eindruck, dass Anglizismen eine so große Rolle spielen, sei so verbreitet, weil in den vergangenen Jahren der größte Einfluss aus dem Englischen kam. "Das hat ganz viel mit den Entwicklungen in Technik, Mode, Sport oder auch im Geschäftswesen zu tun", sagt die Redakteurin und betont: "Man darf die Gesamtzahl der Anglizismen aber nicht überbewerten." Es komme zudem immer darauf an, wie und wann man sie einsetze. "Es gibt Anglizismen, die Lücken besetzen", sagt sie. Ein Beispiel sei etwa "fluffig" vom Englischen "fluffy". Es lasse sich zwar mit "leicht" und "luftig" übersetzen, doch der Gehalt sei anders. Außerdem sei das Wort mit seiner deutschen Adjektivendung angepasst worden.

Eine Liste von etwa 8000 Anglizismen hat der Verein Deutsche Sprache zusammengetragen. Der Index soll Menschen helfen, die englische und pseudoenglische Begriffe nicht verstehen, sie ablehnen oder sie vermeiden wollen. Der Verein unterscheidet zwischen Wörtern, die das Deutsche ergänzen, differenzierend oder verdrängend wirken. Letztere sind deutlich in der Mehrheit.
                                     

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