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Brutales Delfinmorden

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"Als ich die Bucht zum ersten Mal gesehen habe, ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen", sagt Andreas Bach. Der Neudenauer war mit der Tierschutzorganisation Sea Shepherd sieben Tage im japanischen Walfangort Taiji. In jener 3000-Seelen-Gemeinde, in der vergangene Woche mehr als 200 Delfine getötet wurden. Es war einer der größte Einzelfänge, der den japanischen Fischern bislang gelungen ist. Rund 250 Delfine konnten sie während einer Treibjagd aufspüren. Etwa 50 der Tiere, darunter ein seltener Albino Delfin, wurden von Tiertrainern aussortiert. Sie sollen teuer an Delfinarien verkauft werden. Die meisten anderen wurden getötet.
 

Tierschützer 

Das Töten an der Küste Japans nimmt aber weitaus größere Ausmaße an. Entsprechend der von der japanischen Regierung herausgegebenen Fangquote dürften die Fischer landesweit etwa 17 000 Delfine und Kleinwale töten. Alleine in Taiji ist es den Fischern erlaubt, mehr als 2000 der Meeressäuger zu jagen. Seit Beginn der Fangsaison, die von September bis März dauert, sind nach Angaben von Tanja Breining, Meeresbiologin bei der Tierschutzorganisation Peta, in Taiji mehr als 500 Delfine getötet worden.

Erst vor wenigen Tagen seien den Fischern weitere 30 Tiere ins Netz gegangen. Eingreifen können die Aktivisten nicht. "Wir können nur zusehen und dokumentieren", sagt Andreas Bach. Ein ernüchterndes Fazit. "Wir sind an das japanische Gesetz gebunden." Die Tierschützer werden streng von der Polizei bewacht. Die japanische Küstenwache sichert die Lagune des Walfangortes ab.
 

Brutal erstochen

Die Fischer gingen den Beobachtungen des Neudenauers zufolge grausam vor. Spüren sie Delfingruppen auf, treiben sie die Tiere mit lauten Geräuschen in die Bucht, erzählt Bach. Die Jäger drehen dazu ihre Boote mit den Schiffsschrauben in Richtung der Tiere und schlagen mit Eisenstangen auf den Rumpf der Boote. Es sind Laute, die selbst die Sea-Shepherd-Aktivisten auf ihrer Beobachtungsplattform in mehreren hundert Metern Entfernung hören.

Mit Netzen und Tauen pferchen die Fischer die Delfine in der Lagune ein. Anschließend begutachten Tiertrainer die Meeressäuger. Gefangen und völlig gestresst werden die schönsten Exemplare aussortiert. Die anderen sterben grausam. Nach Beobachtungen von Andreas Bach töten die Fischer die Tiere mit Eisenstangen, die sie ihnen in den Rücken rammen.
 

Unmenschlichkeit

Das Töten der Delfine hat vergangene Woche international für Entsetzen gesorgt. In einer Stellungnahme forderte Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU): "Delfine müssen international geschützt werden." Die Bilder aus Taiji seien "empörend und schockierend". Auch die amerikanische Botschafterin in Tokyo, Caroline Kennedy, meldete sich zu Wort. Sie sei tief bestürzt über die Unmenschlichkeit der Delfinjagd. Per Kurznachrichtendienst Twitter äußerten unter anderem die US-Schauspieler William Shatner sowie die japanisch-amerikanische Künstlerin Yoko Ono Kritik.

Auch in Japan selbst findet offenbar ein Umdenken statt. Die Delfinjagd gerät zunehmend in die Kritik. Der Konsum von Delfinfleisch geht nach Angaben von Pro Wildlife zurück. Aus Statistiken, die der Verein zum Schutz von Wildtieren vorgelegt hat, geht hervor, dass auch die Zahl der getöteten Delfine in den vergangenen zehn Jahren um 83 Prozent auf etwa 3000 Tiere zurückgegangen ist. Nach Angaben von Meeresbiologin Breining haben die Fischer Probleme, das Fleisch zu verkaufen. Ein Großteil werde daher zu Tierfutter verarbeitet.
 

Lebendverkauf

Begründet wird der Delfin- und Walfang in Japan dennoch weiterhin mit dem traditionellen Fischfang und der landestypischen Esskultur. Nach übereinstimmenden Angaben von Tierschützern habe Japan allerdings erst 1969 mit der regelmäßigen Delfinjagd begonnen. Trotz sinkender Absatzzahlen ist das Geschäft mit der Delfinjagd dennoch lukrativ für die Fischer. Nach Angaben von Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutzforums (WDSF), bekommen sie 600 Dollar für das Fleisch eines toten Tieres.

Weitaus erträglicher ist allerdings der Lebendverkauf an Delfinarien. Dabei werden Preise von bis zu 100 000 Dollar pro Tier erzielt. Der Albino-Delfin, den die Fischer vergangene Woche gefangen haben, dürfte noch weit mehr einbringen. Ortmüller schätzt, dass dieses besondere Tier für bis zu einer halben Million Dollar verkauft werden könnte. Der Albino wurde zunächst an das örtliche Walmuseum der 3000-Seelen-Gemeinde Taiji verkauft. Nach Beobachtungen von Andreas Bach wurde er dort in ein rostiges Becken gesteckt. Wohin der Delfin später verkauft werden soll, ist unklar. "Der wird jetzt erstmal aufgepäppelt", sagt WDSF-Geschäftsführer Ortmüller.

Trotz anhaltender Kritik geht die Jagd auf die Delfine vor der Küste Japans noch mindestens zwei Monate weiter. Mit dem Ende der Jagdsaison sind die Tiere sicher – vorläufig.
                      

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