Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Das Spiel, das jeder kennt

zurück zur Übersicht
Es gibt Dinge, die sind so gut wie unmöglich. Etwa, in heißer Lava zu baden. Oder ohne Hilfsmittel zu fliegen. Oder jemanden in Deutschland zu finden, der "Mensch ärgere dich nicht" nicht kennt. Denn wenn es ein Spiel gibt, das wohl jeder schon einmal gespielt hat, dann ist es dieses Brettspiel. Und das schon seit 100 Jahren.

Angefangen hat alles vermutlich schon 1907. In einer kleinen Werkstatt in der Münchner Lilienstraße im Arbeiterviertel Giesing entwickelte Joseph Friedrich Schmidt das Spiel, zunächst für seine drei Söhne, um ihren Tatendrang in der engen Wohnung zu bremsen. Grundlage war das indische Pachisi, revolutionär neu aber die Rausschmeißer-Regel.
 

Erfrinderisch

1910, so behaupten verschiedene Quellen, war auch die Nachbarschaft auf die Neuheit aufmerksam geworden, so dass der Erfinder einige Exemplare in Handarbeit herstellte und verkaufte. Aber erst 1914 startete die Vermarktung des Familienspiels – mit einer ersten Auflage von 3000 Exemplaren, die als Spende an die deutschen Soldaten in die Lazarette des Ersten Weltkriegs geliefert wurde. Von dort aus trat das Spiel seinen Siegeszug an: 1920 war bereits die Millionen-Auflage erreicht. Heute ist es trotz großer US-Konkurrenz das mit Abstand beliebteste Brettspiel der Welt. Mehr als 90 Millionen Exemplare sind verkauft worden. Die ersten gab es seinerzeit für 35 Pfennige.

Aus dem Ein-Mann-Betrieb in München wurde dadurch der Schmidt Spiele-Verlag, der bis 1997 von den Nachfahren des Erfinders geführt wurde und seitdem zur Blatz-Gruppe in Berlin gehört. Auch heute noch zählt "Mensch ärgere dich nicht" zu den meistverkauften Produkten des Unternehmens. Jedes Jahr werden etwa 400 000 Exemplare in verschiedenen Größen und Ausstattungen abgesetzt, hinzu kommen Nachahmer-Produkte anderer Verlage, die andere Namen und Designs aufweisen, aber nach den selben Regeln funktionieren.
 

Keine Konkurrenz

Denn die Rechte für Titel und Aussehen des Spiels liegen nach wie vor bei Schmidt – und das im Prinzip für unbegrenzte Zeit, da sie sich immer wieder verlängern lassen. Und Geschäftsführer Axel Kaldenhoven lässt sorgsam darüber wachen, dass die Konkurrenz dem Original nicht zu nahe kommt. "Da gehen wir ganz knallhart vor", sagt er. Auf der anderen Seite bleibt der Verlag vorsichtig, wenn es um Lizenzen, Erweiterungen des Grundspiels oder Merchandising geht. "Das prüfen wir sehr sorgfältig. Wenn es gute Ideen gibt, geben wir aber schon mal das Okay." So sind Varianten für die Comic-Serien Cars oder Spongebob erschienen, es gibt Kreditkarten, Bücher, Regenschirme oder T-Shirts zum Thema. "Aber wir betrachten das nicht als eine typische Merchandising-Marke", sagt Kaldenhoven.

Zum Jubiläum gibt es nun aber wirklich einige Neuerungen: Eine Ausgabe mit goldenem Karton, ein auf dem Grundprinzip basierendes Spiel namens Mauerhüpfer – und ein Karton im Design der Erstausgabe, mit eigens aufgedruckten Schäden an den Kartonecken und Kaffeeflecken. Immerhin ist der Verlag seit einigen Jahren wieder im Besitz einer Erstauflage seines Klassikers.

Eines steht für Kaldenhoven fest: "Eine Änderung des Designs wird es niemals geben. Allenfalls ein Facelifting." Das ist ja auch schon geschehen – der deprimierte Verlierer oben links in der Ecke hatte früher viel mehr Falten im Gesicht.
                              

Galerien

Regionale Events