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Ganz lässig durch den Abend

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Kein Wort taucht im Zusammenhang mit Lenny Kravitz wohl öfter auf als "cool". Doch dieses eine Wort wird dem 50-jährigen Rockmusiker aus New York nicht gerecht. Lenny Kravitz ist eine rockende Naturgewalt, ein Musiker, der auch nach über 20 Jahren im Business kein bisschen müde wirkt. Und so erleben ihn auch die rund 9000 Fans am Samstag in der Stuttgarter Schleyerhalle.

Mit "Dirty white Boots" aus seinem aktuellen Album "Strut" betritt Kravitz die Bühne – gewohnt lässig mit Sonnenbrille, Lederjacke und Gitarre um den Hals. Wie auf Kommando schaltet das Publikum in den Rockmodus, tanzt und feiert. Die drei Backgroundsängerinnen schwingen ihre Hüften und die Tamburine. Die Party hat begonnen. 

Auf "American Woman", eine Coverversion des Rockklassikers der Band Guess Who, folgt "It ain’t over ‘til it’s over", der Song mit dem Kravitz 1991 seinen Durchbruch schaffte. Auch nach 23 Jahren verfehlt das Stück, das Elemente aus Soul, Funk und Rock vereint, seine Wirkung nicht: Das Publikum auf den Rängen hält es nicht länger in den Stühlen. Am Ende des Songs fliegen Kravitz sogar Blumen zu. Diese Geste in Schlagermanier scheint den Rockstar zwar ein wenig zu irritieren, dennoch bedankt er sich höflich. 

 

Lokalkolorit


Mit dem Titelsong des neuen Albums geht es zurück in die musikalische Gegenwart. Nun legt Kravitz seine Gitarre ab und widmet sich allein dem Gesang. Bei "Dancin’ till dawn" singt er "The night is young, Stuttgart is the place to be" und bleibt damit auch den Lokalkolorit nicht schuldig. 

Nur selten unterbricht Lenny Kravitz die Rockparty und schlägt ruhigere Töne an. Wenn er es tut, wie bei "Sister", legt er viel hinein in den Klang seiner unverwechselbaren Stimme. Vereinzelt flackert im Publikum das Licht eines gezückten Feuerzeugs auf und mischt sich unter die Lichter hunderter Smartphones: bodenständiger Rock trifft auf moderne Zeiten. Die Stimmung wird dadurch nicht getrübt. Dafür sorgt eher die teils schlechte Abmischung des Gesangs. So wird Kravitz’ kräftige Stimme in manchen Passagen unglücklich von der Musik übertönt, der Gesang der Background-Sängerinnen übersteuert, tönt stellenweise schrill im Ohr. 

Wiedergutmachung leisten die hervorragenden Musiker. Vor allem die Soli von Saxofonist und Trompeter sind von so exzellent, dass das Publikum in Jubel ausbricht. Einzig die mangelhafte Kommunikation mit dem Publikum ist es, die man Lenny Kravitz an diesem Abend vorwerfen könnte. Hier mal "Thank you", da mal "Dankeschön", das war’s. Kravitz ist kein großer Redner. Er konzentriert sich auf das, was er kann: Musik machen. Und so fliegt das Publikum mit ihm durch seine Welt („Fly away“) und tanzt zu den prägnanten Gitarren-Riffs von "Are you gonna go my way" zufrieden nach Hause.


 

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