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Hip-Hop ist das neue Pop

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Ob Kollegah oder Cro, Marteria oder Casper: Deutschsprachiger Rap boomt. 2013 landeten zehn Alben auf dem ersten Platz der Charts. Momentan haben die drei Rapper Majoe, Fler und Chakuza gleich mal die Plätze eins bis drei der aktuellen Charts übernommen. Und kürzlich hieß es gar im "Spiegel": "HipHop ist die neue Volksmusik, man traut es sich kaum hinzuschreiben." Aber woher kommt dieser schier unglaubliche Erfolg?

"Heutzutage, und das gab es bisher noch nicht, können viele Genres innerhalb von Rap nebeneinander existieren", sagt Sebastian Schweizer, einer der Gründer des Cro-Labels Chimperator auf dem Hamburger Reeperbahnfestival. "Es gibt Straßenrap, der sehr erfolgreich ist. Aber genauso einen Casper, der mit Indiemusik mischt oder einen Cro, der mit Popmusik mischt." Da sei für jeden etwas dabei und diese Vielfalt tue allen gut.

Ein weiterer Faktor ist die Sprache – das glaubt zumindest Jens "Spaiche" Ihlenfeldt, der 2001 mit zwei Partnern Aggro-Berlin, das frühere Label von Sido und Bushido ins Leben rief. "Deutsch versteht jeder", sagt der 44-Jährige.

"Egal ob es um Liebe oder Gewalt geht. Wenn es in der Muttersprache gesagt wird, empfindest du mehr. Kunst funktioniert, wenn sie emotionalisiert." Dabei kamen deutsche Texte in der Szene anfangs nicht immer gut an.
 

Fanta Vier


Rückblick: Vor 25 Jahren begannen vier Stuttgarter Jungs auf Deutsch zu rappen. "Die Fantastischen Vier waren die ersten, die deutschsprachigen Hip-Hop massenkompatibel gemacht und aus der Nische in den Mainstream getragen haben", erklärt Professor Hubert Wandjo von Popakademie Baden-Württemberg. Zuvor wurde fast ausschließlich auf Englisch gerappt. "Unsere Entscheidung für die deutsche Sprache war damals eine Pioniertat", sagt Mitglied And.Ypsilon. "Wir wurden mit unseren deutschen Texten entsprechend beäugt. Das fanden alle nicht nur cool." Doch der Trend setzte sich bundesweit durch: In Stuttgart rappen in den 90ern Freundeskreis und Massive Töne. In Frankfurt das Rödelheim Hartreim Projekt. Der norddeutsche Hip-Hop war geprägt von Fettes Brot, Absolute Beginner oder Fünf Sterne Deluxe. Und in Berlin versammelten sich etwas später Gangsta-Rapper wie Bushido oder Fler.

Dass Hip-Hop das neue Pop sei, meint Elvir Omerbegovic. Der Düsseldorfer gründete 2005 sein Label Selfmade Records, das in den vergangenen 18 Monaten drei Nummer-1-Alben herausbrachte, darunter "King" von Kollegah. Dabei spielen Radiosender längst nicht mehr eine bedeutende Rolle, um Fans zu erreichen. Viel wichtiger sei die Kommunikation über das Internet.

Droht die Blase bald zu platzen? "Natürlich kann es zu einer Übersättigung kommen", sagt der 35-Jährige. "Doch dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen." 


 

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