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Die fabelhafte Welt der Lolitas

Übersicht
Was inspiriert Sie?

Sandra Grimme: Meistens halte ich ein Kleidungsstück in der Hand und habe sofort ein gutes Gefühl. Ich verbinde sogleich eine Geschichte damit. Plötzlich habe ich eine genaue Vorstellung davon, was ich mit der Textilie machen möchte. Die Kleidung spricht, sie erzählt sehr viel über einen selbst und den Eindruck, welchen man bei anderen Personen hinterlassen möchte.

Was fasziniert Sie am Lolita-Look?

Grimme: Der Kleidungsstil ist eine von Kopf bis Fuß abgerundete Sache, welche durch die Perfektion extrem distanziert wird. Vergleichbar mit einer Porzellanpuppe. Sie scheint perfekt, wirkt aber auch zerbrechlich, wodurch man sie behüten möchte. So ist es auch bei uns, den Lolitas. Wir wollen unsere Kleidung präsentieren und zeigen, dass wir schön sind, weil wir uns selbst schön finden. Was aber hinter der Fassade steckt, ist noch einmal etwas ganz anderes.

Der Lolita-Look wird in mehrere Stilrichtungen unterteilt. Welchen bevorzugen Sie?

Grimme: Am liebsten mag ich die Klassik-Lolita, weil sie dem Ideal einer Porzellanpuppe am nächsten ist. Außerdem kommen bei ihr die historischen Einflüsse der westlichen Kunstgeschichte bezüglich der Mode am besten zur Geltung.

Ist es nicht bedenklich, wenn sich junge Mädchen so kleiden?

Grimme: Als ich 18 Jahre alt wurde, nahmen mich die Männer plötzlich als potenzielle Sexpartnerin wahr. Als ich dann anfing, mich als Lolita zu kleiden, war es auf einmal wieder möglich, normale Konversationen mit dem männlichen Geschlecht zu führen. Es hieß: "Sandra, das ist irgendwie ungeil." Diese Art von Bekleidung führt somit zu einer absoluten Entsexualisierung. Sicherlich gibt es immer ein paar Männer, die darauf stehen. Aber wenn eine Frau eine enge Jeans trägt, wird es deutlich mehr Männer geben, denen sie damit den Kopf verdreht.

Ist es schwer, die Kostüme zu nähen? 

Grimme: Ein Anfänger kann das auf gar keinen Fall. Ich würde auch davon abraten, es zu versuchen, denn es ist absolut frustrierend, wenn es nicht auf Anhieb funktioniert. Und die Materialien sind sehr teuer. Wenn man sich trotzdem dazu entschließt, sich ein Kostüm selbst zu nähen, sollte man sich Unterstützung holen. Es gibt spezielle Magazine, die einem eine genaue Anleitung bieten. Es wäre von Vorteil, wenn man in einen Nähkurs geht.

Häufig wird Cosplayern vorgeworfen, dass sie sich in eine Scheinwelt flüchten. Stimmt das?

Grimme: Vielleicht wirkt es für Aussenstehende so. Doch Cosplayer sind lediglich Teil einer Gemeinschaft, eines großen Freundeskreises, in der alle Mitglieder das gleiche Interesse teilen. Außerdem ist dieser Zusammenschluss auch zeitlich begrenzt. Die Personen sind nicht 24 Stunden pro Tag Lolitas.


Du möchtest mehr über Mangas und Cosplay erfahren? Kein Problem, Jugendliche aus der Region verraten, was ihnen an der japanischen Kultur so gut gefällt. 


 

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