Stimmt.de

Titelseite.indd
Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Die Tage vor den Tagen

zurück zur Übersicht

Die Stimmung schwankt zwischen himmelhoch jauchzend und zutiefst betrübt? Fressattacken und Übelkeit wechseln sich ab, der Kopf dröhnt? Frau fühlt sich antriebslos, aggressiv, reizbar und depressiv? Dann leidet sie höchstwahrscheinlich unter einem prämenstruellen Syndrom (PMS).

PMS – Was ist das eigentlich?

Über 150 verschiedene PMS-Symptome sind mittlerweile bekannt. Sie treten unterschiedlich oft und intensiv auf. Für die Betroffenen, etwa zwei Drittel aller Frauen im gebärfähigen Alter, besteht wenige Tage vor der Monatsblutung stets ein immenser Leidensdruck. "Manche Frauen erleben sich jetzt extrem reizbar oder wütend, andere sind depressiv oder traurig", sagt Jörg Puchta vom Hormonzentrum in München.

Tatsächlich zeigt sich ein prämenstruelles Syndrom aber nicht nur direkt vor der Periode: "Bei manchen Frauen äußern sich die Symptome schon wenige Tage nach dem Eisprung, quasi ab Mitte des Zyklus", sagt Christina Lamertz, Fachbuchautorin aus Hamburg. "Und das bedeutet jeden Monat schlimmstenfalls zwei Wochen Beschwerden." In fünf Prozent der Fälle ist das Syndrom sogar so stark, dass eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt ist. Was jedoch die genaue Ursache für PMS ist, ist bis heute unbekannt.

Ein Grund für die Zustände vor der Menstruation könnte laut Jörg Puchta eine hormonelle Störung sein: "Die Leithormone Östrogen und Progesteron wären dann in ihrer Balance gestört." Für den Berufsverband der Frauenärzte lässt sich PMS trotz jahrzehntelanger Forschung aber nicht so leicht erklären: "Warum die eine Frau davon betroffen ist und die andere bei identischer hormoneller Situation nicht, wirft immer noch Fragen auf", heißt es dort. Bei der Vielfalt der Symptome schließt der Verband eine einzige Ursache für die Beschwerden aus.

Was hilft?

Doch sollte Frau PMS einfach hinnehmen? Nein! Experten warnen sogar davor, sich mit den "schlechten Tagen vor den Tagen" einfach zu arrangieren. Denn: "Ohne Therapie steigt auch das Brustkrebsrisiko", betont Jörg Puchta. Besonders wichtig dabei: ein individuelles Vorgehen. Die vielen verschiedenen Symptome ergeben entsprechend viele Behandlungsmethoden. Therapeutische Ansätze können dabei von hormonellen über medikamentöse bis hin zu psychotherapeutischen Behandlungen reichen.

Mönchspfeffer, Nachtkerzenöl oder hoch dosiertes Johanniskraut: Bei leichten Erscheinungsformen können diese pflanzlichen Mittel Linderung verschaffen. "Die Anwendung sollte aber in Absprache mit dem Gynäkologen erfolgen", rät Lamertz. Oft werde betroffenen Frauen auch die Anti-Baby-Pille als Therapie empfohlen – "bei manchen Frauen können sich die Symptome dadurch aber verschlimmern."

Bei einem starken PMS wird Frauen indes die Messung des Hormonspiegels nahegelegt: "Nur so lässt sich herausfinden, was im Körper tatsächlich passiert", sagt Puchta. Die Störung könne dann mit natürlichen Hormonen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Mit Eigeninitiative ließe sich jedoch auch so schon einiges bewirken. Das heißt: nicht rauchen, gesündere Ernährung und vor allem mehr Bewegung. Sport kann hormonelle Störungen lindern. Zusätzlich schüttet der Körper Endorphine aus – und die machen bekanntlich glücklich.

PMDD

Bei etwa fünf Prozent der Betroffenen ist die Belastung so groß, dass sie Auswirkungen auf das Sozialleben hat: Hierbei handelt es sich dann um die sogenannte PMDD, prämenstruelle Dysphorie. Seit 2000 ist PMDD sogar als eigenständige Krankheit anerkannt.

 

Galerien

Regionale Events

Barrierefreie Lesung

Hasnain Kazim liest in der Stadtbibliothek im K3 Heilbronn aus „Mein Kalifat“.