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Klimaschutz im Alltag

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Weniger Fleisch essen

Unsere Ernährung mit reichlich Fleisch ist ein wichtiger Auslöser negativer Klimaeffekte. Der World Wide Fund for Nature (WWF) rechnet in einer Studie von 2014 vor: Die rund 81 Millionen Deutschen erzeugen mit ihrem Essverhalten rund 163 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente – das ist eine Maßeinheit, die den Beitrag zum Treibhauseffekt beschreiben soll. Fast 67 Millionen Tonnen davon kommen durch Fleischkonsum zustande. Auf Obst und Gemüse entfallen dagegen nur etwa ein Zehntel.

Fleisch- und Wurstwaren waren früher Luxusgüter, heute sind sie für den Verbraucher jederzeit verfügbar. Der Fleischkonsum in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt und liegt heute nach Schätzungen bei rund 61 Kilo pro Kopf und Jahr. Um die nachgefragten Mengen an Fleisch produzieren zu können, bedarf es viel Fläche für Tierhaltung und den Anbau von Viehfutter. Doch jeder Umbruch von Boden – etwa von Grünland in Ackerland oder von tropischem Regenwald in Weideland – entlässt zuvor gebundene Treibhausgase (THG) in die Atmosphäre.

Böden und Biomasse binden große Mengen Kohlenstoff. Deshalb haben Zersetzungsprozesse nach Landkonversionen auch außerordentlich hohes Treibhauspotenzial. Während die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland nur einige Hundert Kilogramm CO2-Äquivalente je Hektar ausstößt, setzt die Umwandlung von Grünland in Ackerfläche oder von Wald in Viehweide weit mehr als hundert Tonnen pro Hektar frei. Das heißt: Fast 70 Prozent aller direkten THG-Emissionen sind auf unsere Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen. Der mit über 40 Prozent größte Anteil entfällt dabei auf den Fleischkonsum. Auf pflanzliche Produkte hingegen entfällt lediglich knapp ein Drittel.

Deshalb, so rechnet der WWF vor: Legten alle Deutschen einmal in der Woche einen fleischfreien Tag ein, könnten neun Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen pro Jahr eingespart werden. Das entspreche den CO2-Emissionen von ungefähr 75 Milliarden Kilometer Fahrtstrecke mit dem Auto. Eine vierköpfige Familie müsste demnach jedes Jahr auf insgesamt 3600 Kilometer Autofahrt verzichten, wollte sie einen vergleichbaren Klimaeffekt erzielen wie bei einem fleischfreien Wochentag.

Klimakiller Palmöl

Palmöl ist in ungefähr jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten, und es ist mit einem Anteil von einem Drittel am globalen Gesamtverbrauch das weltweit wichtigste Pflanzenöl. Doch mit dem Einkauf von Margarine, Pizza, Schokoriegeln, Waschmittel, Cremes oder Lippenstift entscheiden Verbraucher auch über das Schicksal des Regenwaldes.

Die weltweite Anbaufläche für Ölpalmen ist seit 1985 um etwa das Zehnfache gestiegen. Allein Indonesien plant, seine Anbauflächen bis 2025 auf 20 Millionen Hektar auszudehnen. Denn die Nachfrage steigt stetig: Palmöl ist ein begehrter Rohstoff, es ist billig und gilt als gesund. Vor allem in den bevölkerungsreichen Staaten Asiens – Indien und China – decken viele Menschen ihren täglichen Fettbedarf mit Palmöl. In vielen Industriezweigen hat Palmöl Erdöl als Rohstoffquelle ersetzt.

Doch die Produktion ist umstritten. Einheimische werden gewaltsam aus ihren Dörfern vertrieben, um den Regenwald für Palmölplantagen zu roden. Bei dieser Brandrodung werden große Mengen an CO2 freigesetzt, denn im Torfboden gespeichertes Kohlendioxid und Methan entweiche in die Atmosphäre. Das hat Indonesien eine unselige Spitzenposition eingebracht – der Inselstaat gilt heute laut Greenpeace als Waldvernichter Nummer eins. Deutschland, so die Umweltorganisation, importiert jährlich etwa eine Million Tonnen Palmöl. Nach den Niederlanden seien die Deutschen damit der zweitgrößte Verbraucher des Stoffs in der EU.

Doch Verbraucher haben einen Einfluss auf die Verwendung von Palmöl. Die Umweltorganisation WWF rät dazu, Produkte solcher Unternehmen zu kaufen, die sich zu zertifiziertem und nachhaltigem Palmöl bekennen – zu erkennen sei das an dem seit 2008 existierenden RSPO-Siegel. Doch daran gibt es Kritik: RSPO sei kein Öko-Label, räumt der WWF ein, der das Siegel selbst mit auf den Weg gebracht hat. Vielmehr gehe es darum, dass auf den Plantagen freiwillig mehr für Umweltschutz und Menschenrechte getan wird als gesetzlich vorgeschrieben. Experten raten Verbrauchern daher, so oft wie möglich ganz auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Seit Ende 2014 muss dieses ausdrücklich in der Zutatenliste aufgeführt sein. Bei Umweltblick sind Produkte gelistet, in denen kein Palmöl enthalten ist.

Energie einsparen

Rund zehn bis 15 Prozent des Energieverbrauchs in Industrieländern könnte durch ein anderes Verhalten ohne nennenswerte Komforteinbußen eingespart werden, so die Stiftung Forum für Verantwortung. Geräte ausschalten, anstatt sie permanent im Standby-Modus zu lassen, ist eine Maßnahme. Alte Geräte wie Kühlschränke sind echte Energiefresser. Der Austausch gegen technische verbesserte spart viel Geld und CO2 ein. Eine Orientierung über Geräte und ihren Verbrauch bieten Bewertungssysteme und Energie-Siegel – mehr Informationen dazu gibt es zum Beispiel im Internetauftritt des Umweltbundesamtes.

Auch die moderne Wärmedämmung von Gebäuden trägt zum Klimaschutz bei. Laut deutscher Energie-Agentur können durch die Wärmedämmung eines Einfamilienhauses jährlich rund 1000 Euro und fünf Tonnen CO2 eingespart werden. Wer zu einem Stromanbieter mit klimafreundlichen Angeboten wechseln möchte, bekommt hier mehr Infos.

Das Auto stehen lassen, den öffentlichen Personennahverkehr nutzen oder Fahrgemeinschaften bilden: Natürlich lässt sich auch durch diese Maßnahmen viel CO2 einsparen. Vor allem das Fliegen hat sich zu einem großer Klimakiller entwickelt. Die Zunahme des Flugverkehrs – das Bundesumweltministerium schreibt von einer jährlichen Steigerung von gut vier Prozent weltweit – konterkariert alle Versuche, das Fliegen durch sparsamere Maschinen klimaverträglicher zu machen. Umweltverbände raten Verbrauchern dazu, bei kürzeren Strecken genau zu prüfen, ob sich die Strecke nicht mit der Bahn zurücklegen lässt. Es gibt auch die Möglichkeit, Flugreisen zu kompensieren, indem man im Gegenzug für Klimaprojekte spendet – zum Beispiel über Atmosfair.

Bewusst einkaufen

Konsum nach westlichem Muster ist der Klimakiller Nummer eins. Einige Beispiele: 80 Kilogramm CO2 fallen bei der Herstellung eines modernen Smartphones an, 60 Kilo bei der Produktion von einem Paar Schuhe, fünf Kilo für ein T-Shirt. Experten sagen deshalb: Klima und Umwelt lassen sich ohne eine grundlegende Änderung der weltweiten Konsumkultur nicht retten. Entscheidender Baustein dabei ist die nachhaltige Bewusstseinsveränderung. Ein wichtiger Auslöser für Konsum ist die soziale Norm, Konsumgüter sind Statussymbole. Klimaschutz scheint hingegen die Kaufentscheidung der meisten Verbraucher wenig zu prägen.

Auf die Frage: "Beeinflusst das Thema Klimaschutz Ihr Konsumverhalten?" antworten 53 Prozent der Teilnehmer in einer Online-Befragung, dass der Klimaschutz keinen Einfluss auf ihr eigenes Verhalten habe.

Es müsse in Zukunft peinlich sein, das Kind mit einem Spritschlucker zur Schule zu fahren, fordern angesichts dessen Organisationen wie das Worldwatch-Institut. Doch von dieser Wahrnehmung dürften die meisten Deutschen meilenweit entfernt sein. Vielmehr sehen Experten auch bei uns einen immer stärkeren Trend zu einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft amerikanischer Prägung.

Leihen, teilen, tauschen oder Käufe aus zweiter Hand sollte dagegen viel häufiger das Motto sein, rät die deutsche Stiftung "Forum für Verantwortung". Und die Überlegung: Brauche ich dieses Produkt wirklich, um meine Lebensqualität zu steigern? Weitere Tipps: unnötige Verpackungen vermeiden und vor allem auf die Herkunft von Produkten achten: Lange Transportwege – Lammfleisch aus Neuseeland, Schnittblumen aus Kenia, Erdbeeren aus Israel im Winter – mit diesen Kaufentscheidungen beeinflussen wir den Klimawandel.

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Online-Lesung

Am 14. Juli liest Dr. Natasha A. Kelly aus ihrem Buch über Rassismus.