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Teurer Schutz mit Lücken

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Das neue Handy zerbricht bei einem Sturz. Die teure Kaffeemaschine ist nach zweieinhalb Jahren kaputt. Elektronikmärkte und Versicherungsgesellschaften rechnen mit der Angst um teure Elektrogeräte und bieten Zusatzgarantien an. Viele Kunden schlafen ruhiger mit diesem Zusatzschutz. Doch was bringen sie im Schadensfall tatsächlich? Die Stiftung Warentest hat die Garantien großer Märkte und Shops getestet. Das Fazit in der Dezember-Ausgabe von "Finanztest": Viele sind teuer und bergen im Kleingedruckten Überraschungen.

Fünf Haken in den Bedingungen hat "Finanztest" ausgemacht. Der Vergleich zeigt: Garantiegeber ist oftmals nicht der Verkäufer selbst. Die Händler vertreiben Versicherungen, etwa vom Versicherer Ergo (Amazon) oder der Axa (Cyberport). Im Kleingedruckten unterscheiden sich die Produkte zum Teil stark. Häufig gibt es diese Haken:

Nur Gebrauchtgerät als Ersatz

Bei Totalschäden und nach einem Diebstahl sehen viele Garantien als Ersatz ein "gleichwertiges" Gerät vor. Da das eigene Gerät ja schon gebraucht war, müssen Kunden mit einem gebrauchten Ersatzgerät rechnen. Einige wenige Zusatzgarantien heben sich positiv vom Markt ab: etwa die "Plus Garantie" von Media Markt und Saturn, die "Basis Garantie" von Expert und die "Maxi Garantie" von Medimax. Mit diesen Garantien können Kunden ein Neugerät bekommen.

Selbstbehalt bei Schaden

Einige Versicherer verlangen im Schadensfall einen Selbstbehalt. Kunden, die den "Extra Schutz" bei Cyberport gekauft haben, müssen zum Beispiel zehn Prozent vom Kaufpreis des Elektrogeräts als Selbstbehalt zahlen, wenn ihr Handy wegen eines Sturzschadens repariert werden muss. Bei einem 800 Euro teuren Handy sind das immerhin 80 Euro.

Verschleiß nicht mitversichert

Schäden die durch Verschleiß entstehen, sind über einfache Garantieverlängerungen meist nicht versichert. Von den 17 erweiterten Garantieverlängerungen bieten sieben umfassenden Verschleißschutz ab Vertragsbeginn. Sechs Zusatzgarantien versichern Verschleiß gar nicht. Einige bieten nur eingeschränkten Verschleißschutz, indem sie zum Beispiel nur bestimmte Geräteteile wie den Akku absichern.

Verweis auf Hersteller und Verkäufer

Bei vielen Garantieverlängerungen beginnt der Schutz erst nach Ablauf der Herstellergarantie und der Gewährleistung vom Verkäufer. Bei Produktfehlern also erst ab Jahr drei nach Kauf. Das kann problematisch werden. Viele Geschäfte verweigern Kunden ab Monat sieben nach Kauf die Reparatur, so eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer dann Produkte von Herstellern wie Apple besitzt, die nur ein Jahr Herstellergarantie anbieten, muss Reparaturen im zweiten Jahr nach Kauf möglicherweise selbst bezahlen. Einige wenige Garantieverlängerungen lösen das Problem, weil sie ohne Wenn und Aber Schutz bereits ab Kauf gewähren: Dazu gehört die "48 Monate Langzeit-Garantie" von Conrad Electronic, die "Plus Garantie" von Media Markt und Saturn und der "Apple Care Protection Plan".

Eingeschränkter Diebstahlschutz

Fünf von acht untersuchten Zusatzgarantien mit Diebstahlschutz schränken den Schutz im Kleingedruckten so stark ein, dass Kunden zum Beispiel nicht versichert sind, wenn ihnen ein Handy aus einem abgestellten Rucksack gestohlen wird.

Tipps

Mitarbeiter in den Elektromärkten werden zum Teil gut trainiert, um die Käufer auch zum Abschluss der Zusatzgarantien zu bewegen. Für die Märkte ist das leicht verdientes Geld. Sie bekommen von den Versicherungsgesellschaften Provision. Für Druck sorgt, dass die Zusatzgarantie manchmal nur mit dem Gerätekauf abgeschlossen werden kann. Der Kunde kann also nicht erst das Gerät kaufen und über die Zusatzgarantie zu Hause nachdenken. So ist es etwa bei Alternate, Media Markt und Saturn. Die gute Nachricht: Wer den Kauf einer Zusatzgarantie bereut, kann ihn in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen. ftd

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