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Bescherung für alle

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Ute Kaden sucht im Fressnapf-Markt nach einem neuen Kratzbaum für ihre Perserkatzen. Weihnachten ist für sie der ideale Zeitpunkt für die Anschaffung, denn irgendein Geschenk möchte sie, wie schon im Vorjahr, auch ihren Tieren zukommen lassenetwas Besonderes, das sie sonst vielleicht nicht kaufen würde, und an dem sie selbst ebenfalls Freunde hat. Die Heilbronnerin gehört damit zu den 40 Prozent der Tierbesitzer in Deutschland, die zu Weihnachten auch ihre Haustiere bescheren. Die Zahl ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Industrieverbands Heimtierbedarf. Entsprechend verzeichnet auch der Zoofachhandel in den beiden letzten Monaten des Jahres deutlich steigende Umsätze – und tut viel dafür, die Nachfrage zu wecken. In den Werbeprospekten sitzen Hund und Katze neben riesigen Paketen unterm Tannenbaum.

Zwei Wochen vor dem Fest sind viele Weihnachtsartikel in der Sontheimer Fressnapf-Filiale bereits ausverkauft. Spezielle Weihnachtsleckerli gehen nach Einschätzung von Mitarbeiterin Anna Heißenweder am besten. Auch die Adventskalender sind alle weg. Zu haben sind noch Quietschefiguren für Vierbeiner: Pinguine, Eisbären und Elche mit Nikolausmütze. Oder eine Weihnachtsmannfigur auf einem Delfin fürs heimische Aquarium.

Fressbare Postkarte

Typischerweise sind es Hunde und Katzen, die mit Präsenten bedacht werden – und die sich in der Regel mit Begeisterung über die Snacks hermachen, egal, wie diese aussehen. Am speziellen Weihnachtsdesign hat höchstens der Besitzer Spaß. Bei Tieren, zu denen Menschen in der Regel eine weniger enge Bindung pflegen, ist das Schenken seltener Thema. Weihnachtsleckereien für Nagetiere verkaufen sich auch im Fressnapf nicht so gut.

Insgesamt bleibt das Angebot in dem Laden überschaubar und ist nur ein Bruchteil dessen, was beispielsweise im Internet zu finden ist: typischer Schnickschnack, den auch Tierbesitzer wie Ute Kaden albern finden. Vor allem für Hunde haben sich Hersteller eine Menge einfallen lassen: Weihnachtsmannkostüme, Zipfelmützen, Elchgeweihe, Pfotenschutz mit Rentiermotiven, und wem das noch nicht reicht, der schickt seinem Hund eine fressbare Weihnachtskarte.

Damit kann Einzelhändlerin Heidrun Sünnwoldt überhaupt nichts anfangen: "Es gibt viele Sachen, die keiner braucht." Weder Mensch, noch Tier. Ein Weihnachtsmannkostüm würde sie jedenfalls nicht verkaufen. In ihrem Geschäft "Mein Halsband" in Schozach gibt es deshalb nur ein paar wenige typische Artikel wie die Weihnachtsdecke mit "Merry Christmas"-Motiv. Adventskalender wollte Sünnwoldt nicht ins Sortiment nehmen, vor allem, weil dafür vom Hersteller meist günstige Leckerli verwendet würden, die nichts wert seien.

Kindersatz

Dass Menschen ihren Tieren ein Präsent machen wollen, das kann die Ladenbesitzerin gut verstehen: "Für viele ist vor allem ein Hund Kinderersatz und gehört zur Familie." Gegen den Kauf toller Leckerli, auf die man sonst verzichtet, gebe es nichts einzuwenden. "Die neue Decke oder eine besondere Leine schenkt sich dagegen eher Frauchen." Den Tieren sei das ohnehin egal.

Mehr als über Präsente freuen sich Tiere sowieso über Zuwendung und Beschäftigung. Das lässt sich, nicht nur zur Weihnachtszeit, durchaus mit dem Schenken verbinden, indem man die Leckereien zum Beispiel dicke in eine Papierrolle verpackt. Wer viel Zeit hat, kann die Kekse für Hund und Katze auch selber backen.

Übung

Die Zwergottern Bonnie und Clyde in einem großen Aquarium in Timmendorfer Strand haben gerade viel zu tun. Jeden Tag bekommen sie eine Box mit Leckereien. Es ist sozusagen ein Adventskalender für Otter. Sie sind sehr verfressen und zugleich extrem neugierig. Deshalb ist der Adventskalender tägliches Training der Tiere.

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