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Daten sterben nicht

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Wer im Internet unterwegs ist, kommt ohne Nutzerkonten und Passwörter nicht aus. Egal ob es um die E-Mail-Adresse, soziale Netzwerke, eigene Webseiten oder Online-Shops geht: Mit wenigen Klicks ist man registriert, hat ein Profil angelegt oder ein Abo abgeschlossen. Ein Punkt wird dabei kaum beachtet: Was passiert mit dem digitalen Leben nach dem Tod?

Welche Schwierigkeiten das mit sich bringt, hat kürzlich eine Stimme-Leserin aus Untergruppenbach, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erfahren. "Mein Lebensgefährte ist plötzlich und unerwartet verstorben", sagt sie. Beide hatten getrennte Wohnungen, der Mann nutzte seinen Computer auch geschäftlich. "Er hatte seinen Rechner passwortgeschützt. Seine Brüder und ich wussten nicht, wo wir Adressen von Geschäftspartnern finden konnten." Auch um Freunden oder Bekannten die traurige Nachricht zu übermitteln, war es ihr wichtig, schnell an die Informationen im Rechner zu kommen.

Doch Schwierigkeiten gab es nicht nur beim Computer, dessen Schutz nach gut zwei Wochen ein Neffe des Verstorbenen knacken konnte. "Er hat eine Internetseite, da steht er noch im Impressum", berichtet die Leserin. Ob es Nutzerprofile bei geschäftlichen Onlinenetzwerken gibt, weiß sie nicht.


Vorbereiten

"Man sollte ein echtes, also handschriftliches oder notarielles Testament über digitale Inhalte machen", rät Peter Bräutigam, Fachanwalt für Informationstechnologierecht bei der Wirtschaftskanzlei Noerr LLP in München. Dort kann man festlegen, wer den Zugriff auf welche Internetkonten erhalten soll und wo die Passwörter – etwa verschlüsselt auf einem USB-Stick – hinterlegt sind. Besonders wichtig ist der Zugang zum E-Mail-Konto, denn darüber lassen sich andere Passwörter wiederherstellen. "Gibt es das nicht, muss man recherchieren", meint Bräutigam. Und es bleibt oft nicht viel Zeit, denn Online-Abonnements oder Verträge laufen weiter und können Kosten verursachen.

Viele Fragen zum digitalen Erbe sind rechtlich nicht abschließend geklärt. Zudem sitzen die meisten Unternehmen im Ausland und haben in ihren Geschäftsbedingungen unterschiedliche Regeln festgelegt. Angehörige müssen sich also jedes Mal neu informieren, wie sie den Todesfall melden können. Eindeutig ist: Internet-Domains werden vererbt, das Impressum sollte auf den Namen des Erben geändert werden. Aber schon beim Inhalt von Mailboxen wird es schwierig: Manche Anbieter berufen sich laut Bräutigam auf das Telekommunikationsrecht, löschen die elektronischen Nachrichten und verweigern Erben den Zugriff.

Umgekehrt gehen andere davon aus, dass E-Mails wie Postkarten oder alte Briefe zu behandeln sind, die man im Haus des Toten findet und auch lesen kann. Doch wenn Angehörige gar nicht wissen, welche elektronischen Briefkästen der Verstorbene hatte, nützt auch diese Auffassung nicht viel.

Vorsicht mit digitalen Nachlassverwaltern

Einen eigenen Weg gehen große Anbieter, die mit dem Thema immer öfter konfrontiert werden. Im "Kontoinaktivitäts-Manager" können Google-Nutzer festlegen, was passieren soll, wenn sie sich mehrere Monate nicht anmelden. Hier kann eine Vertrauensperson gespeichert werden, die Zugang zu allen gespeicherten Inhalten bekommt und diese sichern kann. Facebook will ebenfalls einen "Legacy Contact" einführen, der nach dem Tod eines Nutzers entscheiden kann, wie das Profil weiter betreut wird. Angehörige können heute schon einen Account löschen oder in den Gedenkzustand versetzen lassen. In diesem Fall können Freunde und Verwandte weiter auf der Pinnwand des Verstorbenen Einträge hinterlassen.

Kritisch beurteilt Peter Bräutigam sogenannte digitale Nachlassverwalter im Internet. Auf diesen Seiten kann man, oft gegen Gebühr, die Zugänge zu seinen Onlinekonten speichern und festlegen, wer im Todesfall Zugriff erhält. "Da ist immer die Frage, wie lange das Geschäftsmodell geht", gibt der Jurist zu bedenken.

 

 

 

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