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Der längste Tag

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Schnell die Hausaufgaben – und ab ins Schwimmbad. Nachmittage mit Freunden, rumlungern auf der Liegewiese, Eis am Stiel, Bücher, die sich feucht wellen, der schmuddelige Charme der Umkleidekabine, der Befehlston des Bademeisters. Und immer der Geruch nach Chlor auf der Haut: Das ist Sommer – nicht nur in der Erinnerung an eine Kindheit in den frühen 70er Jahren.

Astronomisch und kalendarisch beginnt der Sommer erst mit der Sonnwende. Dann steht die Sonne senkrecht über dem Wendekreis – das ist auf der Nordhalbkugel am 21. Juni der Fall, wenn der längste Tag im Jahr auf die kürzeste Nacht trifft. Bevor die Tage auch schon wieder kürzer werden. Für Metereologen beginnt der Sommer pünktlich am 1. Juni. Das Jahr an sich hält sich sowieso an keine Daten, sondern an Erscheinungen wie den Entwicklungsstand der Pflanzen. Frühsommer beginnt, wenn der schwarze Holunder blüht. Hochsommer ist, wenn die Knospen der Linde aufgehen.

An Wegrändern leuchten Schaumtropfen an Gräsern und Büschen. Kuckusspeichel werden sie genannt – doch der Bruträuber ist unschuldig. Es ist die Schaumzikade, deren Larven sich im Schaumhäuschen vor Vögeln verstecken. Jetzt ist auch die Zeit der Rehkitze. Oft liegen die weißgetupften Neugeborenen zwischen Grashalmen verborgen in der Wiese. Bis sie den Alttieren folgen, braucht es einige Tage. Nur nicht stören also – und Hunde an die Leine.

Warum es überhaupt Jahreszeiten gibt? Weil die Erdrotation nicht in der Ebene der Umlaufbahn um die Sonne erfolgt, sondern geneigt um 23,4 Grad. Deshalb liegen abwechselnd Nord- und Südpol ein halbes Jahr im streifenden Sonnenlicht. Der Zenit der Sonne wechselt zwischen nördlichem und südlichem Wendekreis. Ob Mittsommer, Sommersonnenwende oder Johannistag – am 21. und am 24. Juni lodern Feuer, die Reife des Sommers wird gefeiert.

 

Johannisfeuer


Vor allem Völker, die von der Sonne nicht verwöhnt sind, feierten die Tage, an denen im Norden die Sonne kaum untergeht, ekstatisch und brauten Starkbier aus Kräutern mit berauschender Wirkung. Bis zu zwölf Tage dauerte das Fest. Ein Rest der heidnischen Sonnenverehrung findet sich in den Johannisfeuern am 24. Juni: Die Kirche legte das Geburtsfest von Johannes dem Täufer auf diesen Tag und gab dem uralten Sonnenfest eine christliche Note. Ab Ende Juni blüht die Sonnenblume, der Klatschmohn bereits den ganzen Monat.

Kräftiges Gelb und Rot sind Sinnfarben des Sommers. Wer mit der Mode geht, trägt lieber – inspiriert von der Eisdiele – Sorbet. In Baden-Württemberg ein Feiertag, fällt Fronleichnam immer zehn Tage nach Pfingsten auf einen Donnerstag, diesmal am 4. Juni. Fron ist das althochdeutsche Wort für Herr. Das Hochfest des Leibes und des Blutes Christi wurde erstmals 1246 in der Diözese Lüttich gefeiert. Bis heute trägt bei Prozessionen der Priester die Monstranz, in der die Hostie aufbewahrt ist, der Leib Christi, durch die Straßen, die Gemeinde folgt.

Bis zur Wiedervereinigung 1990 war der 17. Juni Nationalfeiertag der Bundesrepublik: Als Tag der deutschen Einheit erinnerte er an den Aufstand des 17. Juni in der DDR. Der erste antistalinistische Aufstand 1953, als es zu einer Welle von Streiks und Demonstrationen kam, wurde von der Roten Armee niedergeschlagen. In dem Gedicht "Die Lösung" verarbeitete Bertolt Brecht die Ereignisse. Sein Schlusssatz "Wäre es da/Nicht doch einfacher, die Regierung/Löste das Volk auf und /wählte ein anderes?" hat an Brisanz nichts verloren.

 

Juni


Benannt ist er nach der römischen Göttin Juno, der Gattin des Göttervaters Jupiter, Göttin der Ehe und Beschützerin von Rom. Unter Kaiser Nero wurde der Monat in Germanicus umbenannt, einem von Neros Namen, was sich nicht durchsetzte. Der alte deutsche Monatsname ist Brachet oder Brachmond: In der Dreifelderwirtschaft des Mittelalters begann jetzt die Bearbeitung der Brache. Gärtner sprechen auch vom Rosenmonat.

 

Geburtstagskinder


Anne Frank, Che Guevara, Johnny Depp, Thomas Mann, Marilyn Monroe, Mario Götze, Rubens, Sartre, Rousseau.


 

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