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Gute Chancen für junge Pädagogen

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Im kommenden Schuljahr will die grün-rote Landesregierung 5750 Lehrer einstellen. "Das ist die höchste Einstellungszahl in Baden-Württemberg seit den 1970er Jahren", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gestern in Stuttgart. Damit würde auch das Schuljahr 2014/2015 mit rund 4600 neu beschäftigten Lehrern übertroffen. "Wir brauchen gut ausgebildete und motivierte Lehrer, um die Qualität unserer Schulen weiter zu stärken", erklärte Kultusminister Andreas Stoch (SPD). Die Opposition im Landtag sprach von normalen Wiederbesetzungen, die Gewerkschaft für Bildung und Erziehung (GEW) lobte das Konzept.

 

Ruhestand

 

Faktisch kann Grün-Rot nur so viele Pädagogen einstellen, weil unter anderem rund 3800 Lehrer in den Ruhestand gehen. Unter dem Strich werden lediglich 713 Stellen tatsächlich zusätzlich geschaffen. 637 ursprünglich zur Streichung freigegebene Stellen werden zudem weiterbesetzt.

Die über 700 neuen Pädagogen sind aus unterschiedlichen Gründen notwendig. So sind unter anderem für die Umsetzung der Inklusion – also des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht-behinderten Schülern – 200 weitere Lehrer vorgesehen. Zudem kommen 180 neu geschaffene Stellen Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten zugute. "Auch für die Förderung von Flüchtlingskindern benötigen wir zusätzliche Stellen", sagte Stoch. Dafür werden an den Grundschulen 165 Lehrer extra beschäftigt.

Neben den pädagogischen Herausforderungen kalkuliert Grün-Rot inzwischen auch mit ganz anderen Schülerzahlen. Ursprünglich hatte die Regierung noch vor, im Schuljahr 2015/2016 insgesamt 1800 Stellen wegfallen zu lassen. Damals steuerte man noch das von Kretschmann vorgegebene Ziel an, bis 2020 rund 11 600 Lehrerstellen abzubauen. Im Schuljahr 2015/2016 geht Grün-Rot im Vergleich zum Schuljahr 2014/2015 nicht mehr von 16 800, sondern nur noch von 12 800 weniger Schülern aus. An den Grundschulen wird anstatt eines Schülerrückgangs jetzt sogar ein Plus von rund 3000 Kindern erwartet. An den anderen Schularten sind die Schülerrückgänge schwankend.

Mit der Entscheidung, auf die geplanten Streichungen zu verzichten und neue Stellen zu schaffen, erkenne die Regierung an, "dass für eine gute und verlässliche Arbeit in den Schulen zusätzliche Stellen gebraucht werden", erklärte GEW-Landeschefin Doro Moritz.

 

Zukunft

 

Moritz geht davon aus, "dass in den nächsten Jahren für erfolgreiche Inklusion weitere Lehrerstellen geschaffen werden müssen". Das Kultusministerium selbst habe ja schon von 3000 bis 4000 neuen Stellen gesprochen. Bisher sieht die Landesregierung vor, für die Inklusion langfristig insgesamt 1553 neue Lehrer einzustellen. Kritik an Grün-Rot kommt hingegen von der CDU. Laut deren Bildungsexperte Georg Wacker ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ausscheidende Lehrkräfte ersetzt werden. Die zusätzlich geschaffenen Stellen seien wegen der Inklusion und dem Sprachunterricht für Flüchtlingskinder schlicht nötig. "Unklar bleibt, wofür sich der Kultusminister bei der Vorstellung der Zahlen feiern lassen will" erklärte Wacker. FDP-Bildungspolitiker Timm Kern forderte Stoch auf, "statt Augenwischerei für mehr Transparenz beim Personalbedarf der Schulen zu sorgen".

Für den SPD-Bildungsexperten Stefan Fulst-Blei gewährleistet die grün-rote Landesregierung hingegen mit den hohen Einstellungszahlen "eine stabile Unterrichtsversorgung an den Schulen".

 

 

 

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