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Milliardenschäden durch Ladendiebe

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Verlängerte Öffnungszeiten und dadurch immer weniger Personal in den Läden: Der deutsche Einzelhandel macht es Ladendieben oft nicht allzu schwer. "Obwohl die Ladenöffnungszeiten stark erweitert wurden, sind die Detektiveinsatzstunden nicht erhöht worden", heißt es in einer gestern vorgelegten Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI

Mehr als 98 Prozent der Ladendiebstähle bleiben derzeit nach Einschätzung der Experten unentdeckt. Jährlich komme es bundesweit zu 26 Millionen Delikten, klagt das Institut. Der Handel leide unter Milliardenschäden. Während die Zahl einfacher Ladendiebstähle eher gleich bleibe, hätten schwere Ladendiebstähle dramatisch zugenommen. Rund 1,3 Milliarden Euro investiert der deutsche Einzelhandel jährlich in Technik und Personal zum Diebstahlsschutz. Mehr Technik zur Vorbeugung stehe dabei weniger Personal zur Beaufsichtigung gegenüber, heißt es in der Studie.

 

Ermittlung

 

"Die Waren werden frei zugänglich präsentiert, und das Personal wird radikal abgebaut", beschreibt Stephan Hegger, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen, das Dilemma. Doch die Polizei sieht sich an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angelangt. Um die Beamten zu entlasten, hat die Gewerkschaft vorgeschlagen, bei einfachen Ladendiebstählen auf aufwendige Ermittlungen zu verzichten und nur noch Bußgelder zu verhängen. Mit Ermittlungsverfahren geahndet werden sollten nur schwere Vergehen wie etwa Bandendiebstähle.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) fordert dagegen eine konsequente Bestrafung. "Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt", betont HDE-Sprecher Stefan Hertel. Der Handel leide derzeit vor allem unter einer Zunahme von organisierten Bandendiebstählen. "Zwei Mann stürmen in den Laden und räumen das Regal aus", beschreibt er die Vorgehensweise. Für das vergangene Jahr beziffert das EHI die sogenannten Inventurdifferenzen in Deutschland unverändert auf rund 3,9 Milliarden Euro. Kunden haben daran nach den Berechnungen mit geklauten Waren für 2,1 Milliarden Euro den größten Anteil.

Weitere Diebstähle im Wert von 900 Millionen Euro gingen auf das Konto unehrlicher Mitarbeiter. 300 Millionen Euro werden Lieferanten und Servicekräften zugerechnet. Die verbleibenden rund 600 Millionen Euro Inventurschwund entstünden durch organisatorische Mängel wie Fehlbuchungen, verlegte Ware oder Fehletikettierungen.

 

Region

 

In der Stadt Heilbronn wurden im vergangenen Jahr 735 Ladendiebstähle erfasst, die Aufklärungsquote lag bei 96,2 Prozent. 2013 waren es 870 Fälle, (2012: 920 Fälle, 2011: 1058). Die Zahlen gehen einher mit der Fangquote von Ladendetektiven. "In der Stadt bekommen wir nahezu zu jedem Fall deshalb auch einen Täter geliefert", sagt Harald Schuhmacher, Polizeisprecher in Heilbronn. Ein Grund für den Rückgang sieht Schuhmacher darin, dass die Sicherungsmöglichkeiten verbessert wurden.

Im Landkreis Heilbronn sei die Aufklärungsquote etwas geringer, weil die Läden kleiner seien und weniger Detektive im Einsatz. 2014 wurden 731 Diebstähle erfasst, die Aufklärungsquote lag hier bei 89,6 Prozent (2013: 773 Fälle, 2012: 757, 2011: 793). Im Hohenlohekreis wurden 2014 262 Diebstähle erfasst, die Aufklärungsquote lag bei 91,6 Prozent. (2013: 241 Fälle, 2012: 231, 2011: 216).

 

Teuer

 

Beliebte Klauartikel seien kleine, teure Waren wie Parfüm, Rasierklingen, Brillen oder Smartphones. Bei Bekleidung zeigten Diebe eine Vorliebe für hochwertige Marken und Accessoires. "Was sich gut verkauft, wird auch oft geklaut", so der EHI-Experte Frank Horst. Die Branche will als Gegenmittel Mitarbeiter verstärkt schulen. 70 Prozent der Unternehmen setzen auf Kameratechnik. Übrigens wird auch der Staat geschädigt. Ihm entgingen 2014 rund 450 Millionen Euro an Mehrwertsteuer. 

 

 

 

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