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Bald 60 Euro fürs Schwarzfahren

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Schwarzfahrer kosten die Verkehrsunternehmen Jahr für Jahr viele Millionen Euro. Ein höheres Strafgeld soll abschreckend wirken. Kritiker meinen allerdings: Es trifft genau die Falschen. Zum 1. Juli wird das "erhöhte Beförderungsentgelt" angehoben – von 40 auf 60 Euro.

Diesen Betrag muss zahlen, wer ohne Ticket erwischt wird oder seinen Fahrschein nicht ordnungsgemäß entwertet hat. Die letzte Erhöhung ist inzwischen zwölf Jahre her. Seither ist das Leben teurer geworden, auch Tickets kosten heute mehr – aus Sicht des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schrecken 40 Euro daher nicht mehr ausreichend ab.

Viele Verkehrsbetriebe schaffen die Umstellung nicht mehr rechtzeitig. In allen Zügen der Deutschen Bahn etwa gelten die Änderungen erst ab August.


Schaden

 

Ist Schwarzfahren denn so ein großes Problem? Die Verkehrsunternehmen kostet es auf jeden Fall viel Geld. 250 Millionen Euro gehen ihnen jedes Jahr durch nicht gekaufte Tickets verloren, schätzt der VDV. Und noch einmal 100 Millionen müssen sie in die Hand nehmen, um die Kontrolleure und deren Ausrüstung zu bezahlen.

Die Kriminalstatistik listet fürs vergangene Jahr 271 119 Fälle von "Beförderungserschleichung" auf, wie das Schwarzfahren in der Fachsprache des Strafgesetzbuches heißt – im Vergleich zu 2013 ein Anstieg um 15,2 Prozent. Laut VDV hat das aber hauptsächlich damit zu tun, dass immer intensiver kontrolliert wird. Denn gezählt wird natürlich nur, wer erwischt wird.

VDV-Sprecher Lars Wagner spricht in Bezug auf die neuen Regeln von einem "guten und richtigen Anfang". Sein Verband hatte sich dafür eingesetzt, dass notorische Schwarzfahrer beim zweiten und dritten Mal nicht mehr mit 60 Euro davonkommen, sondern bis zu 120 Euro zahlen müssen. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) vertreten die Meinung, dass nur gestaffelte Geldbußen etwas bewirken. Das ist nun nicht vorgesehen – dabei kann man in Deutschland fürs Schwarzfahren sogar im Gefängnis landen.


Kriminalisierung

 

Diese Kriminalisierung ist für die Verbraucherschützer der falsche Weg. Und die pauschale Erhöhung um 20 Euro treffe die Falschen, meinen VZBV und Pro Bahn.

"Man muss versuchen, in irgendeiner Form zu differenzieren zwischen Leuten, die wirklich vorsätzlich ständig schwarzfahren, und Leuten, die am Automaten gescheitert sind", sagt der Ehrenvorsitzende von Pro Bahn, Karl-Peter Naumann. Das viel zu komplizierte Tarifsystem mit seinen regionalen Unterschieden mache es den Kunden unnötig schwer, an die richtige Fahrkarte zu kommen. Mal müssten die Tickets vor der Fahrt gekauft werden, mal in der Bahn, mal müssten sie abgestempelt werden, mal nicht, kritisiert auch VZBV-Expertin Marion Jungbluth. Sie ist überzeugt, dass viele Schwarzfahrten gar nicht absichtlich passieren. Der Gesetzgeber sehe für solche Fälle eigentlich eine Kulanzregelung vor. Aber: "Man stellt zunehmend fest, dass die Kontrolleure das Wort Kulanz gar nicht kennen."

 

 

 

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