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Das große Warum

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Das Flugzeugunglück in den französischen Alpen trifft nicht nur die Angehörigen der Opfer bis ins Mark, sondern ebenso Experten und Piloten der Fluglinien überall in der Welt. Es ist das Warum der Katastrophe. Warum genau ist das Flugzeug in den Bergen abgestürzt?

Es kursieren Spekulationen über ein eingerissenes Cockpit-Fenster. Die Piloten könnten dadurch möglicherweise erfroren oder erstickt sein, heißt es. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) betont jedoch: "Bisher verbietet es sich, Spekulationen anzustellen." In Paris werten Experten den Stimmenrekorder aus dem Cockpit aus. Er ist stark beschädigt, aber wohl brauchbar.

 

Fakten


Sicher ist bisher nur: In den letzten Minuten vor dem Zerschellen verlor das Flugzeug dramatisch an Höhe – fast 10 000 Meter sank der Airbus A320 in wenigen Minuten in die Tiefe. Mitarbeiter der französischen Flugüberwachung bemühten sich vergeblich um Funkkontakt. Anwohner haben den rapiden Sinkflug gesehen. Einer von ihnen sagt im Fernsehen: "Ich wusste gleich, dass das nicht gut gehen kann bei den hohen Bergen!"

Die Passagierliste ist ein Spiegel der globalisierten Welt: Spanier und Briten flogen mit, ebenso wie Menschen aus Dänemark, Australien, Israel, Mexiko, Kolumbien, Argentinien, Japan und den Niederlanden. "Wir sind in der Trauer miteinander vereint", sagt Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Die Bergung der Opfer und der Trümmer ist extrem schwierig und wird Wochen dauern. Bei Germanwings haben manche Beschäftigte Freunde verloren. "Unfit to fly" – flugunfähig – meldeten sie sich am Mittwoch. "Wir sind eine kleine Familie, jeder kennt jeden", sagt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Auch viele Reisende fragen sich: "Kann sich das wiederholen? Soll ich da noch einsteigen?"

Viele Menschen wollen Anteil nehmen und bekunden das im Netz. Prompt gibt es Debatten: Ist es nun gut oder heuchlerisch, "R.I.P." (Rest in peace – Ruhe in Frieden) zu posten? "Jeder weiß, wie man sich auf einer Beerdigung verhält", meint der Blogger Sascha Lobo, "aber es ist noch kein Konsens vorhanden, was es bedeutet, wenn soeben der fürchterliche Tod von 150 Menschen bekannt wird."

 

Hilfsbereit


Rettungskräfte stehen Spalier, als die Kanzlerin in der Nähe der Absturzstelle in den französischen Alpen eintrifft. Angela Merkel steigt aus einem grauen Hubschrauber der französischen Luftwaffe. Mit ihr treffen auch der französische Staatspräsident François Hollande und der spanische Regierungschef Mariano Rajoy auf dem Feld südlich der Kleinstadt Seyne-les-Alps ein.

Merkel nimmt sich viel Zeit für die Rettungskräfte. Sie schreitet ihre Reihen ab, schüttelt Hände. Lange unterhält sie sich mit einzelnen Helfern: Bergretter der Gendarmerie, Rotkreuz-Sanitäter, Feuerwehrmänner, Zivilschutzkräfte und Soldaten. Dann ziehen sie sich zum Gespräch in einem erst am Morgen aufgebauten Zelt zurück. Am Rand von Seyne-les-Alpes fährt zur selben Zeit eine Limousine mit abgedunkelten Scheiben durch eine Polizeisperre zu einer Sporthalle, die als Kapelle für die Opfer des Airbus-Absturzes vom Dienstag eingerichtet wurde. Sie bringt erste Angehörige der 150 Todesopfer zu der behelfsmäßig eingerichteten Gedenkstätte.

In dem 1500-Seelen-Ort sind alle Vorbereitungen für ihre Unterbringung getroffen. Auch Hotels und Leute aus der Region haben spontan kostenlose Plätze angeboten. Die Anteilnahme ist groß. "Wie viele Familienväter sind denn schon da?" fragt Hollande einen Einsatzleiter. Die ersten treffen gerade ein, antwortet dieser, das Gespräch wird live im Fernsehen übertragen. "Die Gemeinden tun alles, was sie können." Schon kurze Zeit nach dem Absturz am Dienstag seien die Einsatzkräfte mobilisiert worden. "Sie haben ja gesehen, wie schwierig das Gelände ist." Merkel, Hollande und Rajoy sind nur wenige Stunden in der Bergwelt mit dem Unglücksmassiv, dem Tête de l’Estrop (2961 Meter). Dann fliegen sie in ihre Hauptstädte zurück. Was bleibt, ist die Trauer der Angehörigen und die Betroffenheit in der Region.


 

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