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Eine tapfere Verliererin

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Ihre High-Heels hat sie gegen schwarze flache Schuhe getauscht. Das Make-up ist immer noch – oder wieder – perfekt. Ann Sophie wirkt ein wenig betäubt, dabei gefasst, doch zutiefst irritiert. "Ich habe immer noch Leute und Fans, die hinter mir stehen, das hat nichts damit zu tun, welchen Platz man gemacht hat", sagt die Hamburgerin in ihrer bisher schwersten Stunde als Künstlerin.

Kurze Zeit nach Ende des Eurovision Song Contest (ESC) stellt sich die 24-Jährige in Wien den Fragen der Journalisten. Wenige Meter entfernt, im Raum nebenan, wird Sieger Måns Zelmerlöw aus Schweden gefeiert. "Es ist immer noch schön, Teil des Eurovision Song Contests zu sein. Es ist auf jeden Fall alles gut", muntert sie sich selbst auf.

 

Kopfschütteln


Immerhin bleibt ihr große Häme erspart. Im Gegenteil: Unter den vielen ESC-Beobachtern und -Experten in der Halle – und auch in den sozialen Medien – herrscht eher Kopfschütteln über die Null-Punkte-Abfuhr. Sie habe "eine ganz souveräne Performance abgeliefert", attestiert ihr einer der besten Kenner der ESC-Geschichte, der Autor Irving Wolther. Das Auswärtige Amt twittert "Kopf hoch", die ARD stellt sich hinter und vor die eigene Kandidatin und bescheinigt ihr einen "großartigen Auftritt".

Dennoch bleibt die Frage, was sich ändern muss, nachdem Deutschland nun zum dritten Mal hintereinander (Cascada belegte 2013 den 21. Platz, das Trio Elaiza wurde 2014 18.) ganz weit hinten landete. Ein Erfolgsgarant könnte der Entertainer Stefan Raab sein. Immer wenn er beteiligt war, belegte Deutschland einen Platz auf der ganz sonnigen Seite des ESC. Mit auf sein Konto geht auch der Sieg von Lena Meyer-Landrut 2010. Ohne Raab kam Deutschland seit 1995 nur zweimal in die Top 10. 

Die ARD setzt auf Erkenntnis-Gewinn durch Analyse. "Es wird sicher interessant sein, sowohl das Jury-Voting als auch das Tele-Voting zu sehen", sagt ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber kurz nach dem Debakel. Inzwischen ist klar, dass Deutschland mehrfach nur ganz knapp die entscheidenden Top Ten verpasst hat, um wenigstens einen Punkt zu bekommen. Klar ist allerdings auch: Bei den Jurys schnitt Ann Sophie in der Abstimmung besser ab als beim TV-Publikum.

Der smarte Sieger aus Schweden, Måns Zelmerlöw, wurde bei seinem Auftritt von computeranimierten Strichmännchen begleitet, was die Nummer einprägsam machte. Für das ESC-begeisterte Schweden ist es der sechste Sieg bei dem Musikwettbewerb, den es seit 1956 gibt. Schwedens erster Sieg war 1974 mit Abba ("Waterloo"). In welcher Stadt Schweden im kommenden Jahr die Fernsehshow ausrichtet, blieb unklar. 2013 war es Malmö. In Stockholm strömten zum Sieg Zelmerlöws hunderte Fans auf die Straße, tanzen und sangen den Siegertitel "Heroes". Andere fuhren in Autokorsos durch die Stadt und schwenkten schwedische Flaggen.

 

Geteiltes Leid


Unter dem Motto: "Geteiltes Leid ist halbes Leid" rücken Deutschland und Österreich – beim ESC sonst eher Nachbarn ohne gegenseitige Hilfe – enger zusammen. Auch die Alpenrepublik ist nach dem Sieg von Dragqueen Conchita Wurst 2014 in Kopenhagen ganz tief gefallen. Null Punkte für die österreichische Rockband The Makemakes sind ein harter Schlag. 25 000 Menschen hatten beim Public Viewing auf dem Wiener Rathausplatz mitgefiebert. Aber selbst das Anzünden eines speziell präparierten Klaviers auf der Bühne half dem Trio nicht weiter.

Ann Sophie nahm das Null-Punkte-Debakel offensichtlich mit Humor. Sie veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite ein Video, bei dem sie mit Background-Sängerinnen "Heroes" nachmacht. Entscheidende Änderung ist die Textzeile: "We are the Zeroes of our Time" (Wir sind die Nullen unserer Zeit).



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