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Eine riesen Sicherheitslücke?!

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Millionen Autos sind laut einem Medienbericht von einer gravierenden Sicherheitslücke betroffen. Forscher aus Deutschland und Großbritannien haben das Leck in den Funkfernbedienungen mehrerer Autohersteller ausgemacht. Vor allem bei Modellen von  Volkswagen  und den Töchtern Audi, Seat und Skoda hätten die Forscher die Verschlüsselung beliebig knacken und reproduzieren können. Aber auch bei Autos von Opel, Ford oder Renault werden Probleme genannt. 

Worum geht es bei dem Sicherheitsleck genau? Den Wissenschaftlern ist es laut dem Bericht gelungen, das kryptografische Geheimnis der Chips zu entschlüsseln. Damit konnten sie die Funkfunktion eines Schlüssels beliebig reproduzieren. Das sogenannte Keeloq-System wird seit Mitte der 90er-Jahre zunächst in Garagentoröffnern und Gebäudezugangskontrollsysteme, dann auch von mehreren Automobilherstellern wie Toyota/Lexus sowie Chrysler, Daewoo, Fiat, General Motors, Honda, Volvo, Volkswagen und Jaguar eingesetzt. Es wurde vom US-Halbleiterhersteller Microchip Technology entwickelt.

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"Hierbei handelt es sich um ein Softwareproblem“, erklärte ein ADAC-Sprecher. "Offenbar wurde ein Mastercode geknackt, damit hat man sozusagen einen Universalschlüssel für das Auto.“ Besonders problematisch: Es würden keine Einbruchspuren hinterlassen, was einen Anspruch bei Versicherungen schwierig mache. 

Nach Meinung des Autoexperten Stefan Bratzel hat die Autobranche lange Zeit zu wenig in die Sicherheit investiert. "Sicherheit kostet Geld – da muss Druck gemacht werden bei den Herstellern, dass die Sicherheit vorgeht und nicht aus Kostengründen hierbei gespart wird“, sagt der Professor der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es zwar nie, aber man müsse es den Kriminellen so schwer machen wie möglich. Da die Autos immer vernetzter werden, werde man auch künftig immer wieder von Sicherheitslecks hören.

Ähnlich sieht es Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen. Der Fall sei ein weiteres Beispiel, dass die Autoindustrie zu unbedarft mit dem Thema Cyber-Security umgehe. "Jede Raiffeisenkasse auf dem Land ist besser gesichert gegen Hacking als unsere Autos. Das kann gerade das Thema automatisiertes Fahren viel Vertrauen und Akzeptanz kosten.“

Der bislang einzig wirksame Schutz gegen ein Ausspionieren des Funksignals lautet: den Metall-Schlüssel und das Türschloss statt der Funkfernbedienung verwenden, rät Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). Diesen Metall-Schlüssel haben auch die Funkschlüssel noch, er kann auch eingeklappt sein oder in der Schlüsselkarte stecken. Wobei der Club das tatsächliche Risiko für einzelne Autobesitzer als eher gering einschätzt.

Eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme: Fahrer sollten keine Wertsachen im Auto lassen, schon gar nicht sichtbar. Wer Sorge hat, dass sein Wagen nicht nur spurlos geöffnet und ausgeräumt, sondern auch noch gestohlen wird, kann zum Eisen greifen. "Wer mit einer Lenkradkralle zeigt, dass er kein leichtes Opfer ist, schreckt potenzielle Diebe ab“, sagt Hack. dpa

 

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