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EU nimmt Pokémon ins Visier

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Rattfratz hat das Gebäude der Europäischen Kommission bereits erobert. Kokowei wurden auch schon in den Amtsstuben der obersten EU-Behörde gesichtet. Nur für Poliwags ist das Überleben schwierig: Kommissions-Vizepräsident Andrus Ansip berichtete den Kollegen stolz, er habe ein Wasser-Pokémon höchstselbst vernichtet.

Ende

Der Spaß könnte allerdings bald ein Ende haben, denn heute wird der europäische Gesetzgeber offiziell aufgefordert, gegen die fortgesetzten Datenschutzverstöße des Spiele-Hits Pokémon Go vorzugehen. Absender des Antrags ist der belgische Europa-Abgeordnete Marc Tarabella. Unter dem "Deckmantel eines Spiels werden hier persönliche Daten abgesaugt“, sagte der Sozialist, der auf ein Einschreiten der Kommission setzt. "In Europa gehört die Sicherung der persönlichen Freiheit zu den Grundrechten.“ Die Vorstellung, dass die EU-Behörde Pokémons nun nicht mehr mit den Handys erlegt, sondern offiziell gegen Hersteller Niantic (einen Firmenableger des Google-Konzerns, das Spiel selbst gehört Nintendo) vorgeht, passt ins Bild.

Bedenken gegen das Spiel, das den Aufenthaltsort des Spielers per Handy-GPS lokalisiert und diese Angaben auch Dritten zur Verfügung stellt, werden häufiger. Die französischen Datenschützer haben sich mit Pokémon Go befasst, aus Schleswig-Holstein gab es Warnungen wegen Verstößen gegen die Privatsphäre. "Es ist zumindest alarmierend“, wie viele Daten von der App via Handy gesammelt werden“, sagte der Grünen-Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht der Heilbronner Stimme. Damit könne man "viel anstellen“. So würden über sogenannte Cookies Standort- und Umgebungsdaten erfasst, die "nicht als personenbezogene Daten zu werten“ seien, aber einen "Eingriff“ in die Persönlichkeitsrechte darstellten – auch von unbeteiligten Dritten, die bei der Pokémon-Jagd gefilmt würden.

Der CDU-Europa-Politiker Axel Voss, für den Datenschutz in seiner Fraktion des EU-Parlamentes zuständig, sieht "einige Passagen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ ebenfalls als "durchaus kritisch“. Zwar müsse der Nutzer, bevor er auf die Pokémon-Jagd gehen kann, zunächst der Weitergabe seiner Daten zustimmen – wie es das europäische Recht verlangt. Allerdings bleibe unklar, wer am Ende wirklich die Informationen bekomme. Voss steht der Aufforderung an die EU-Kommission und einem europäischen Einschreiten dennoch kritisch gegenüber: "Zuständig ist nicht die Brüsseler Kommission, sondern die Datenschutzbeauftragten der Länder“, sagte er der Heilbronner Stimme. So legt es die Datenschutzgrundverordnung der EU fest. Sie tritt jedoch erst 2018 in Kraft.

Dünne Luft

Für den Hersteller und seine kleinen Figuren mit den schrägen Namen wird die Luft dennoch dünner. Das Bundesverteidigungsministerium sieht durch das Eindringen der virtuellen Ziele in Sicherheitsbereiche der Truppe sogar schon den Schutz der Armee gefährdet. Die Erzdiözese Köln reichte sogar Klage ein, nachdem Rattfratz und Smettbo in einer Kirche ausgemacht wurden.

 

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