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Essgestört wegen Germany’s next Topmodel?

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Seit Donnerstagabend läuft auf ProSieben die elfte Staffel der Castingshow Germany‘s Next Topmodel (GNTM). Wie in den vergangenen Jahren werden Millionen Mädchen und junger Frauen verfolgen, wie gertenschlanke Kandidatinnen über Laufstege stöckeln, sich im Bikini ablichten lassen und dafür von einer Jury beurteilt werden. Hat das Folgen für die jungen Zuschauer?

Kritiker befürchten, dass die Sendung von Model Heidi Klum Essstörungen wie Bulimie und Anorexie fördern könne. Mittlerweile wurde diese Aussage auch wissenschaftlich untersucht. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen und der Bundesfachverband Essstörungen haben im vergangenen Jahr 241 Patienten mit Essstörung befragt. Fast ein Drittel der Betroffenen gab an, die Sendung GNTM sei entscheidend für die eigene Krankheitsentwicklung gewesen. Ein weiteres Drittel sieht zumindest einen "leichten Einfluss" der Castingshow auf ihre Krankheit. Ein Großteil der Befragten stimmte der Aussage zu, dass die Show Essstörungen verstärken könne.

Wie plausibel sind diese Ergebnisse?

Während der Sender ProSieben die Vorwürfe bestreitet - bei GNTM spiele das Schönheitsideal Size Zero keine Rolle und gesunde Ernährung sei ein wichtiges Thema – sehen Experten aus der Region die Sache differenzierter. "Das Ergebnis der Studie scheint mir sehr plausibel zu sein", sagt Markus Pfisterer, Arzt für Ernährungsmedizin aus Heilbronn. "Kinder und Jugendliche brauchen Vorbilder, um ihre Entwicklung steuern zu können. Wenn diese Vorbilder aber ein unwirkliches Körperideal vorgaukeln, dann ist das sehr kritisch für die Entwicklung normaler Realitätsvorstellungen." 

René Schilling von der Gesundheitskasse AOK Heilbronn-Franken hingegen schränkt ein, eine Sendung wie GNTM könne nicht allein für den Ausbruch einer Essstörung verantwortlich gemacht werden. "Bei einer Essstörung kommen mehrere Faktoren zusammen, wie etwa das familiäre und das soziale Umfeld."

Eine sehr klare Meinung vertritt der Kinder- und Jugendpsychiater Gottfried Seitz aus Heilbronn. Er sieht in der Sendung "keinen entscheidenden Faktor" für die Entwicklung einer Essstörung. Der Impuls zu einer solchen Erkrankung gehe von den Jugendlichen selbst aus. Betroffene würden Sendungen wie GNTM allerdings verstärkt schauen, weil sie sich "davon angezogen" fühlten, sagt Seitz.

Was können besorgte Eltern tun, um ihre Töchter vor möglichen negativen Einflüssen durch die Sendung zu schützen? Gegen ein Fernseh-Verbot sprechen sich alle drei Experten aus. Vielmehr sollten Eltern die Sendung gemeinsam mit ihren Kindern ansehen und darüber diskutieren, rät Schilling. "Dabei dürfte klar werden, dass die dort vermittelten Vorstellungen vom idealen Körper und Menschen nicht nur unrealistisch, sondern auch ungesund sind."

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