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Politische Verleihung

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So politisch waren die Oscars vielleicht noch nie. Mit drastischen Worten rüttelte der schwarze Moderator Chris Rock die Gäste der Hollywood-Gala, traditionell eine eher zahme Veranstaltung, auf. Die Oscars seien auch als die "Preise der Weißen" bekannt, bemerkte der 51-Jährige süffisant und legte nach: "Warum protestieren wir aber? Warum bei diesen Oscars?"

Immerhin sei es schon die 88. Verleihung. Diese "Keine Schwarzen"-Sache habe es schon mehr als 70 Mal gegeben. "Da gab es aber keine Proteste", sagte Rock mit Verweis auf die Sklaverei und die 50er und 60er Jahre. "Wir waren damit beschäftigt, vergewaltigt und gelyncht zu werden." Es sei egal, was die beste Dokumentation sei, "wenn deine Großmutter an einem Baum hängt". Das saß.

Pointierte Sprüche

Schon vorher hatte es heftige Diskussionen gegeben, weil in den wichtigsten Kategorien keine Schwarzen nominiert worden waren. Einige Spitzen waren also auch für die Gala in der Nacht zu Montag zu erwarten – mit so pointierten Sprüchen hatte dann aber wohl doch niemand gerechnet.

Auch bei der Vergabe der Preise im Dolby Theatre gab es einige Überraschungen: Leonardo DiCaprio bekam zwar endlich seinen lang erwarteten Oscar für "The Revenant – Der Rückkehrer". Und an das furiose Action-Spektakel "Mad Max: Fury Road" von George Miller gingen gleich sechs der begehrten Trophäen, allerdings in Nebensparten.

Beklemmend

Als bester Film – die Königssparte des Abends – wurde aber das beklemmende Missbrauchsdrama "Spotlight" ausgezeichnet, das auch eine Geschichte über Enthüllungsjournalismus erzählt. Der Film von US-Regisseur Tom McCarthy mit Mark Ruffalo beleuchtet das Drama rund um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und die Enthüllungen eines Reporterteams der Zeitung "The Boston Globe", die dafür 2003 den Pulitzer-Preis erhielt.

Politische Statements zogen sich wie ein roter Faden durch die Show. Als Lady Gaga etwa – angekündigt von US-Vizepräsident Joe Biden – ihren nominierten Song "Til It Happens To You" (für die Doku "The Hunting Ground") sang, war das zugleich ein Appell gegen sexuellen Missbrauch. Ihr kraftvoller Auftritt gehörte zu den emotionalsten Momenten der Oscar-Gala – und rührte zahlreiche Stars zu Tränen.

Der offen schwule Sänger Sam Smith widmete seinen Oscar für den besten Filmsong ("Writing’s On The Wall" aus dem Bond-Film "Spectre") der Community der Schwulen, Lesben und Transgender. Auch das Team des Rachedramas "The Revenant" nutzte die Oscarbühne für Appelle. "Lasst uns dafür sorgen, dass die Hautfarbe genauso unwichtig wird wie die Länge der Haare", forderte der Mexikaner Alejandro González Iñárritu von den Hollywoodgrößen, nachdem er den Oscar für die beste Regie gewonnen hatte.

Leonardo DiCaprio erhob nach den Standing Ovations der Galagäste seine Stimme für ein Thema, das ihm seit Jahren sehr am Herzen liegt: der Klimawandel. "Er ist unsere größte Bedrohung. Lasst uns diesen Planeten nicht als selbstverständlich ansehen."

Intensiv

So erwartet Leonardo DiCaprios Auszeichnung war, so sicher galt vorab auch der Preis für Brie Larson als beste Hauptdarstellerin: Die 26-jährige US-Amerikanerin spielt in dem Drama "Room" (Raum) intensiv eine Mutter, die mit ihrem kleinen Sohn in Gefangenschaft lebt.

Mit der jungen Schwedin Alicia Vikander dagegen hatten wohl nur wenige gerechnet. Sie gewann als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in dem Transsexuellendrama "The Danish Girl" an der Seite von Eddie Redmayne.
 

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