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Umfrage: Facebook wird rauer

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Der Ton auf Facebook wird rauer, eine geordnete Diskussion schwieriger. Das zumindest ist der Eindruck der Online-Redaktion der Heilbronner Stimme. Bestimmte Themen, insbesondere zum Thema Flüchtlinge, rufen eine Flut von Kommentaren hervor. Viele davon sind nachdenklich und differenziert, aber ebenso viele sind grenzwertig, manche schlicht menschenverachtend. Offenbar sind wir mit diesem Eindruck nicht alleine. Die Auswertung einer Umfrage des Munich Digital Institute kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach stellen 70 Prozent der befragten Nutzer eine zunehmende Aggressivität oder Emotionalität in der politischen Debatte fest.

73,6 Prozent beobachten in ihrem eigenen Feed einen Wandel zu extremeren politischen Meinungen. Zwei Drittel der befragten stellen mehr Fremdenfeindlichkeit fest, fast 62 Prozent beobachten eine Zunahme an hetzerischen Kommentaren.

Hetze statt Cat-Content

Das ist erstaunlich. Denn gleichzeitig geben 52,5 Prozent der befragten Nutzer an, Facebook sei keine geeignete Plattform für politische Diskussionen. Die Altersgruppe zwischen 20 und 39 Jahren hält sich diesbezüglich überdurchschnittlich zurück. Ebenso wie Frauen, die sich zu 66 Prozent nicht an politischen Diskussionen beteiligen. Ein Groß der Facebook-Nutzer beteiligt sich also noch nicht einmal an der Debatte, die gleichzeitig immer schärfer zu werden scheint.

Dadurch verändert sich die Struktur des sozialen Netzwerkes. Hetze statt Cat-Content, Politik statt Plüsch, Beleidigungen statt Likes, um es plakativ auszudrücken. Zumindest nehmen schon jetzt 61 Prozent der Nutzer mehr Politik im eigenen Feed wahr. Etwa 60 Prozent geben an, dass die Stimmung insgesamt ernster geworden sei.

Die Befragung fand vom 13. bis zum 15. Januar 2016 statt, nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht, die die öffentliche Meinung nachhaltig verändert haben. Den beschriebenen Trend beobachten wir in der Online-Redaktion allerdings schon länger. Nur, was tun? Für uns heißt die Losung: Mehr Moderation und – wenn es nicht anders geht – mehr Nutzer blocken. 

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Und für die Nutzer? Rund 21 Prozent der Befragten geben an, Facebook zukünftig weniger nutzen zu wollen. Über 46 Prozent der Befragten wollen Facebook-Freunde mit bestimmten politischen Meinungen zukünftig entfreunden. Über die Hälfte gibt an, hetzerische Kommentare zukünftig melden zu wollen.

Nun sind Fragen zu zukünftigem Handeln in Umfragen generell mit Vorsicht zu genießen, weil sich viele im eintretenden Fall dann doch anders entscheiden als vorhergesagt. Dennoch könne die Bereitschaft der Nutzer, Bindungen eher zu lösen oder sich ganz zurückziehen, langfristig Facebooks Geschäftsgrundlage angreifen, so die Autoren der Umfrage. 

Die aufgeheizte politische Stimmung könne potenzielle Anzeigenkunden davon abhalten, in Facebook zu investieren. "Entweder, weil die Durchdringung mit eher seichteren Themen schwieriger wird. Oder auch, weil Nutzer in einer eher negativen Emotionalität und Stimmung angetroffen werden, die keine gute Basis für Markenkommunikation ist", lautet das Fazit.

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