Stimmt.de

Stimmt! Magonline lesen!

Nachricht-Detail

Sommer, Sonne, Sahneeis

zurück zur Übersicht

Irgendwie ist er für mich einer der schönsten Monate im Jahr, mit den schönsten Kindheitserinnerungen, den süßesten Früchten und dem besten Wetter, das man sich wünscht. Möglicherweise eine verklärte Sicht, aber eine, die Laune macht auf Sommer, Sonne, Sahneeis. Schließlich steht der Juli für den Wechsel vom Frühling zur heißen Jahreszeit, in der die Lieder der Singvögel verstummen, dafür Käfer, Falter und Schnaken bei lauen Temperaturen die Dunkelheit für sich entdecken. Eine Zeit, in der nach Einbruch der Dämmerung flügelschlagende Fledermäuse ihre Verstecke verlassen, und in der sich mit viel Glück der Tanz der Glühwürmchen verfolgen lässt. 

Blick zum Himmel

Die Getreidefelder färben sich gelb und lösen das satte, frische Grün des Junis ab, zarter Blumenduft weicht dem kräftigen Geruch von gemähtem Gras und frischem Stroh, der die Luft erfüllt. Heute wie damals prüfen die Landwirte im Juli auf ihren Feldern täglich die Gerste. Oft genug wurden wir Kinder dann beim Versteckspiel im Getreideacker erwischt. Das war noch weniger gern gesehen als das Pflücken der Margariten, Korn- und Mohnblumen, die – zum Kranz geflochten – als Kopfschmuck dienten. Manchmal durften aber auch wir auf Gerstenkörner beißen und probieren, ob die schon hart genug für die Ernte waren.

Oft genug ging dabei der bangende Blick des Bauern zum Himmel. So sicher wie das Amen in der Kirche kam dann der Spruch: "Juli kühl und nass, leere Scheuer, leeres Fass.“ Obwohl: Gab’s in der Kindheit einen verregneten Juli? Bestimmt. Allein die Erinnerung daran fehlt. Es war immer heiß. Endlich konnte man ins Freibad oder mit dem Paddelboot auf den Neckar. Nicht selten endete dieses sportliche Vergnügen mit einem unfreiwilligen Bad im Fluss, den der Familienhund als persönliches Planschbecken betrachtete.

Süße Köstlichkeiten

Apropos: Hundstage – vom 23. Juli bis zum 24. August – bestachen durch tierische Hitze. Die wurde mit Eis bekämpft. Vom Tante-Emma-Laden um die Ecke, der mit einem Schild "Sahneeis, 25 Pfennig“ für die kühle Erfrischung warb. Nicht die einzige süße Köstlichkeit, von denen es viele ganz umsonst im Garten gab: Die ersten Aprikosen, Beeren in Hülle und Fülle, süße Herzkirschen vom großen, alten Baum, der in der Mittagshitze willkommenen Schatten spendete. Im Gras zu liegen, wo einem die Früchtchen sprichwörtlich in den Mund wuchsen und sich im Kirschkern-Weitspucken zu versuchen.

Das war mindestens so aufregend, wie die Nächte, die wir Kinder im Gartenhäuschen verbringen durften, mit selbstgemachtem Himbeersaft, belegten Broten, frisch geernteten Tomaten und Radieschen als Proviant, Kerzenlicht und jeder Menge schauriger Geistergeschichten, mit denen wir uns gegenseitig um den Schlaf brachten. Was aber nicht schlimm war, denn das Schuljahr neigte sich dem Ende zu, alle Arbeiten waren geschrieben und die großen Ferien bereits in greifbare Nähe gerückt.

Julius Caesar

Der Juli ist der siebte Monat des Jahres im Gregorianischen Kalender. Er hat 31 Tage und ist nach dem römischen Staatsmann Julius Caesar benannt, auf den die Kalenderreform des Jahres 46 v. Chr. zurückgeht (daher: Julianischer Kalender). Der alte deutsche Name ist Heuet oder Heuert. Oft wird der Juli auch Heumonat genannt, da die erste Heu-Mahd eingebracht wurde. Andere alte Namen für den Juli sind Bären- oder Honigmonat. red


 

Galerien

Regionale Events