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Unser täglicher Müll

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Allen Klimaschutzzielen und politischen Abkommen zum Trotz, werden die weltweiten Müllberge nicht kleiner. Im Gegenteil: 2013 hat jeder Deutsche mit 212 Kilogramm so viel Verpackungsmüll produziert wie nie zuvor. Den größten Anteil machen Verpackungen aus Papier, Pappe oder Karton aus, darauf folgen Kunststoffe, Glas und Holz. Auch in der Region werden mehr und mehr dieser Wertstoffe weggeworfen. Im Landkreis Heilbronn ist die Menge der Wertstoffabfälle – inklusive Grüngut – zwischen 2010 und 2014 um rund 15 Prozent gestiegen, im Hohenlohekreis um knapp zehn Prozent. Warum produzieren wir zunehmend mehr Müll? Und was kann jeder einzelne gegen diese Entwicklung tun?

Dass die Müllmengen größer werden, ist kein Wunder: Ob Obst, Aufschnitt, Süßigkeiten oder Waschmittel: Nahezu alle Produkte im Supermarkt sind – oft mehrfach – in Plastik und Pappe verpackt. Außerdem kaufen Kunden zunehmend mehr Produkte für unterwegs. Knapp drei Milliarden Coffee-to-go-Becher werden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bundesweit im Jahr verbraucht. Würde man diese Becher übereinanderstellen, könnte der entstehende Turm siebenmal die Erde umrunden.

Wertstoffe recyceln

Durch diesen Lebensstil verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde auf Dauer bereitstellen kann. Um die Umwelt zu schützen, müssten wir einen Großteil unserer Abfälle vermeiden und Wertstoffe vollständig recyceln. Das fordern nicht nur Experten der Deutschen Umwelthilfe. Soll dies gelingen, muss jeder Einzelne sein Verhalten ändern.

Mehr nach Bedarf einzukaufen ist der erste Rat, den Philipp Sommer, Referent für Kreislaufwirtschaft bei der DUH, Verbrauchern ans Herz legt. Wer nur kauft, was er braucht, wirft weniger Lebensmittel weg. Zudem ist es wichtig, auf Mehrwegverpackungen zu setzen. Gerade bei Getränken ist die Einwegflasche sehr beliebt. Obwohl diese recycelt wird, sei sie schädlicher für die Umwelt als Mehrwegflaschen aus Hartplastik oder Glas, so der Fachmann. Während letztere bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden können, werden Einwegflaschen nach meist nur einmaligem Gebrauch geschreddert und neu verarbeitet. Das verbraucht Energie und Ressourcen. Zudem bestehen viele Einwegflaschen nach wie vor aus Neumaterial, für dessen Herstellung klimaschädliches Rohöl eingesetzt wird.

Auf Einmalbecher, etwa für Coffee-to-go, sollte man nach Meinung von Sommer ganz verzichten. Die Becher sind innen mit einer dünnen Plastikschicht überzogen und daher nur eingeschränkt recyclebar. Die Papierfasern lassen sich kaum von der Kunststoffinnenschicht lösen, weshalb die Becher überwiegend als Reststoffe verbrannt werden. Wer unterwegs gerne Kaffee trinkt, muss darauf aber nicht verzichten: "Viele Händler und Gastronomen füllen Heißgetränke auf Wunsch auch in mitgebrachte Thermosbecher", sagt Sommer.

Beim Thema Kaffee ist mit den Kapselmaschinen eine weitere Bedrohung für die Umwelt entstanden. Laut dem Deutschen Kaffeeverband ist die Menge der Kaffeekapseln in den vergangenen zehn Jahren bundesweit von 800 auf 17 750 Tonnen gestiegen. Das Problem mit den Kapseln: Sie bestehen zu zwei Dritteln aus Kaffee, der Rest ist Aluminium oder Plastik. Außerdem lassen sie sich nicht gut recyceln. Besser sind Aufbrühsysteme mit Papier- oder Dauerfilter und elektrische Kaffeemaschinen.

Biokiste und Nachfüllpackungen

Anders als bei der Kaffeezubereitung ist es beim täglichen Einkauf nicht so einfach, Verpackungsmüll zu umgehen. Wer keinen Laden in der Nähe hat, der komplett ohne Verpackungen auskommt – solche Geschäfte gibt es etwa in Berlin, Bonn, Schwäbisch Gmünd und Heidelberg – kann etwa bei Wasch- und Körperpflegemitteln kaum auf Plastikverpackungen verzichten. In diesem Fall rät Sommer, große Nachfüllpackungen zu kaufen und daheim umzufüllen.

Obst, Gemüse und andere Lebensmittel erwirbt man statt beim Discounter besser im Bioladen oder auf dem Wochenmarkt. Dort können die meisten Produkte in mitgebrachte Beutel gefüllt werden. Wer nicht gerne einkaufen geht, kann sich frisches Obst und Gemüse in einer Biokiste auch direkt vor die Haustür liefern lassen. Viele Bauernhöfe machen dieses Angebot.

Natürlich kann niemand Abfall vollständig vermeiden. Wichtig ist, den anfallenden Müll richtig zu entsorgen. Plastik und Aluminium gehören in den gelben Sack. Landen sie im Restmüll, werden sie verbrannt und können nicht wiederverwertet werden. Auch Bioabfälle sollten separat entsorgt werden. Wer nicht sicher ist, wo welcher Abfall hingehört, kann sich an die Stadt, das Landratsamt Heilbronn oder den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Hohenlohekreis wenden.

Blog "Mein täglicher Müll"

Wie viel Müll produzieren wir an einem Tag? Und wie schafft man es, Abfall einzusparen? Diese Fragen hat sich unsere Mitarbeiterin Elena Bischoff gestellt. Ihr Selbstversuch, ein Mülltagebuch in Form eines Live-Blogs, sollte Antworten darauf liefern. An zwei Tagen lebte sie wie immer und dokumentierte "ihren" Müll, danach hielt sie sich an die Müllspar-Tipps eines Experten der Deutschen Umwelthilfe. Der Müllvergleich zeigt: Wer nicht darauf achtet, produziert an einem Tag eine ganze Menge – oft unnötigen – Verpackungsmüll. Mit ein paar einfachen Tricks kann man einen Großteil davon vermeiden. Das ist nicht aufwendig, man muss sich nur daran gewöhnen. Den Blog findet ihr hier.

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