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Letzte Rettung Rückruf

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Listerien in Käse, Glassplitter in Konfitüre oder eine Steckdose mit Kindersicherung und Stromschlaggefahr. Fast keine Woche vergeht ohne einen Produktrückruf. Doch im Sinne des Verbraucherschutzes sind Hersteller dazu verpflichtet, sobald es Anzeichen für Sicherheitsmängel gibt.

Die Grundlage für Rückrufaktionen bilden das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) für Waren aus dem Nicht-Lebensmittelbereich sowie das deutsche und EU-Lebensmittelrecht für Nahrungsmittel. "Produkte, die verkauft werden, müssen so gestaltet sein, dass sie die Gesundheit und Sicherheit der Nutzer nicht gefährden", sagt Rechtsanwältin Bianca Böttcher, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Handels- und Gesellschaftsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Besteht eine Gefahr für "Leib und Leben", so Böttcher, ist ein Unternehmen zum sofortigen Rückruf verpflichtet. Metallsplitter in "Biarom Grüner Pfeffer"- Käse von Bergader im Februar sind so ein Fall. Spricht man hingegen von einer Rücknahme, hat die betroffene Ware den Verbraucher noch nicht erreicht. Sie gelangt gar nicht erst in den Verkauf oder wird direkt aus den Regalen genommen.

Macht

Auf Grundlage des ProdSG können auch Behörden einen Rückruf anordnen. Und selbst Verbraucher haben Macht. Wer an einem Gerät Sicherheitsmängel feststellt, sollte den Hersteller oder Händler darüber informieren, erklärt die Verbraucherzentrale. Hat man den Verdacht, mit einem Lebensmittel stimmt etwas nicht, sollte man sich ebenfalls beim Hersteller oder Händler melden, rät ein Sprecher im Bundesverbraucherministerium.

Wer sich nicht ernst genommen fühlt, kann sich an die für seinen Heimatort zuständige Lebensmittelüberwachung wenden. Im Landkreis Heilbronn ist "das Veterinäramt im Landratsamt mit seiner Abteilung Lebensmittelüberwachung und Fleischkontrolle dafür zuständig", sagt Pressesprecher Hubert Waldenberger. Doch dass sich Bürger melden, komme so gut wie gar nicht vor. Die Eigenkontrolle der Firmen sorge dafür, dass bei Auffälligkeiten sofort der Rückruf erfolge.

Bei der Stadt Heilbronn wenden sich Bürger an die Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Ordnungsamt. "Verbraucher können das Verdachtsprodukt bei uns abgeben, das dann untersucht wird", sagt Abteilungsleiter Dr. Walter Lehmann. Jüngst kam jemand mit einem Kleidungsstück, das extrem stark abfärbte.

Auch solche Dinge würden geprüft. Vieles rund um die Kontrollen von Betrieben, die Lebensmittel herstellen oder in Verkehr bringen, laufe im Hintergrund, so dass mangelhafte Ware überhaupt nicht beim Verbraucher ankommt. Lehmann betont, "wir haben heute eine so gute Qualität bei Lebensmitteln wie nie und Kontrollen auf sehr hohem Level". Zudem verweist Walter Lehmann auf das europäische Schnellwarnsystem RASFS.

Stellen die Überwachungsbehörden eines Bundeslandes fest, dass von einem Lebens- oder Futtermittel Gesundheitsgefahren ausgehen, unterrichten sie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und informieren dann die Öffentlichkeit. Alle amtlichen Rückrufe zu Lebensmitteln finden sich auf diesem Portal, das vom BVL zusammen mit den Ländern betrieben wird.

Medien

Daneben gibt es mit Rapex das europäische Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte aus dem Non-Food-Bereich. Trotz der Sicherheitssysteme erfahren viele Menschen gar nichts davon. Dieses Onlineportal hat ermittelt, dass durch die Warnungen, die im Allgemeinen über die Medien erfolgen, nur rund 13 Prozent der betroffenen Kunden erreicht werden.

Solange es sich, wie bei der Drogeriemarktkette DM vor drei Wochen um den Rückruf eines Safts handelt, gibt der Kunde die betroffene Flasche in einem DM-Markt zurück und bekommt den Kaufpreis erstattet. Bei vielen anderen Waren ist dies jedoch nicht so einfach, wie die Verbraucherzentrale kritisiert und unser Selbstversuch unten beweist. Etwa bei technischen Geräten gäbe es nicht immer das Geld zurück, sondern eine Gutschrift oder ein Ersatzartikel.

Rückgabe im Selbstversuch

Die Aufregung im Haus ist groß: Wir haben tatsächlich eine Packung "Snickers" aus der vom Mars-Rückruf betroffenen Produktlinie gekauft, die Kinder auch schon davon gegessen. Nachdem klar ist, dass ihnen das nicht geschadet hat, wollen sie wissen, wie das mit der Rücksendung der übrigen Riegel funktioniert – wir probieren es aus.

Eine Adresse, wohin man betroffene Artikel senden kann, ist nicht veröffentlicht worden, wir schauen also auf der Internetseite von Mars Deutschland nach. Dort steht, man solle sich für weitere Infos an eine Hotline-Nummer wenden oder das Kontaktformular nutzen – letztere Option verwerfe ich sofort, viel zu kompliziert. Wenigstens keine Wartezeit unter der angegebenen Telefonnummer, sofort ist eine freundliche Frau am Telefon, die jede Menge Infos abfragt: das Verfallsdatum, die Packungsgröße, die Chargennummer, die letzten Ziffern des Barcodes.

Schließlich sagt sie: "Ja, das Produkt müssen Sie auf jeden Fall zurücksenden." Dann will sie meine Adressdaten, damit sie mir einen Rücksende-Aufkleber zuschicken kann, "damit das für Sie kostenlos ist". Telefonnummer und Mailadresse – "falls es Rückfragen zum Produkt gibt" – gebe ich nicht heraus.
Wie lange es dauern wird, bis mir das Rücksende-Etikett zugeht, will ich abschließend wissen. Die freundliche Frau lacht: "Werden Sie nicht nervös, wenn es länger als zwei Wochen dauert." Wir informieren weiter über den Selbstversuch zum Rückruf.
 

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