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Bandwurmsätze statt Klartext

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Wahlprogramme der Parteien geben viele Rätsel auf. Die von der AfD im Südwesten eingeführte "Frühsexualisierung" nennt der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim als Beispiel. Selbst dem Experten bleibt unklar, was die SPD in Rheinland-Pfalz mit ihrem "Wolfsmanagementplan" meint oder mit der "SchwulLesbischBiTrans-Aufklärung". In Brettschneiders Hitliste schafft es auch die Südwest-Linke mit der Wortschöpfung "Drug-Checking-Angebote".

Unverständlich

Mit solchen Fremdwörtern und Wortungetümen stellen alle Parteien in ihren Programmen für die Landtagswahlen am Sonntag die Leser auf eine harte Probe. "Die Wahlprogramme sind so unverständlich wie eine politische Doktorarbeit", fasst Brettschneider eine an der Uni Hohenheim erstellte Studie zusammen. Brettschneider und seine Kollegen haben sich mit Unterstützung eines Computerprogrammes durch Hunderte Programmseiten der Parteien in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gearbeitet.

Obwohl die Südwest-Grünen mit Winfried Kretschmann schon fünf Jahre regieren, brauchen sie alleine 243 Seiten und 48 000 Wörter für die Formulierung ihrer Ziele. Die in Rheinland-Pfalz regierende SPD schafft das mit weniger als der Hälfte. Das am besten lesbare Programm attestiert die Studie der Linken in Baden-Württemberg mit 9,7 auf einer Verständlichkeitsskala zwischen 0 und 20. Platz 2 belegt die SPD in Rheinland-Pfalz mit 9,2 und die Südwest-CDU mit 9,1. Am schlechtesten schneidet die Linke in Rheinland-Pfalz mit 5,6 ab.

Im Durchschnitt können die Wissenschaftler keine großen Unterschiede feststellen. Auf 7,9 kommen die Parteien in Baden-Württemberg, 7,8 sind es in Sachsen-Anhalt und 7,6 in Rheinland-Pfalz. Das sei aber kein Pluspunkt. Zum Vergleich: Eine politische Doktorarbeit liegt bei 4,1. In der "Bild"-Zeitung erreichen Politik-Beiträge 16,8. Andere Zeitungen schaffen in ihren politischen Artikeln immerhin Werte zwischen 11 und 14.
Dabei sind gerade die fachlichen Formulierungen oft zu kompliziert. Besonders verführerisch scheint die Hochschulpolitik, in der es die Südwest-SPD auf einen Bandwurmsatz mit 67 Worten schafft, die Grünen folgen mit 55 Worten.

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