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Auffangstation Tierheim

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"Wer sich ein Tier zulegt, trägt die Verantwortung – auch während der Urlaubszeit“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Doch die Realität sieht anders aus: Rund 70.000 Haustiere werden jedes Jahr von ihren Besitzern zu Ferienbeginn in Deutschland ausgesetzt, so schätzt es der Tierschutzbund.

Auch bei den Tierheimen in Heilbronn und Hohenlohe klingeln aus diesem Grund häufig die Telefone – zu jeder Jahreszeit. Bürger oder die Polizei haben die Verstoßenen angeleint vor Parkhäusern, an Leitplanken, am Laternenpfahl oder an der Autobahnraststätte gefunden.

"Letztens saß ein Kaninchen in Offenau an der Bushaltestelle vor einem Laugenbrötchen. Ein paar Wochen zuvor entdeckte ein Mädchen drei Katzenbabys in einem blauen Sack bei der aramäischen Kirche in der Hoover-Siedlung“, berichtet Silke Anders, Vorsitzende des Tierschutzvereins Heilbronn und Umgebung. Ein weiteres Kaninchen sei vom Besitzer in einem Transportkorb am Feldrand zurückgelassen worden. Eine Zwergpinscherdame wurde Anfang August in Klingenberg ausgesetzt. 

Verdursten

In der Zeit zwischen Juli und Oktober fand das Tierheim Heilbronn 49 Kleintiere, 26 Hunde sowie 178 Katzen. Wenn ein Tier ausgesetzt wird, ende das ohne das Eingreifen von Polizei oder aufmerksamen Bürgern oftmals tödlich. "Das Tier irrt möglicherweise tagelang umher, bis es verdurstet oder verhungert. Vielleicht wird es auch überfahren“, beschreibt die Vorsitzende. Doch nicht jedes Fundtier sei vorsätzlich ausgesetzt worden. "Es kann auch einfach entlaufen sein“, gibt sie zu bedenken. Fügt aber hinzu: "Diejenigen, die ihr Tier wirklich vermissen, die suchen es und holen es auch im Tierheim wieder ab. Oftmals ist das Haustier ja gechippt.“

Auch vor dem Eingang des Tierheims wartet immer wieder eine Überraschung auf die Mitarbeiter. Vor zwei Monaten stellte jemand 21 Katzenkinder in einem Karton vor dem Tor ab. "Die Pappbox hat sich geöffnet, und wir mussten die Tiere in den Büschen und den Weg entlang suchen. Ob es nur 21 waren, wissen wir nicht. Vielleicht haben wir auch nicht alle gefunden“, erklärt sie. Die Vierbeiner seien in einem miserablen Zustand gewesen. Dreckig, übel riechend und völlig verfloht. "Durch einen unbehandelten Katzenschnupfen war jeweils ein Auge bei drei Katzen so geschädigt, dass es entfernt werden musste“, erinnert sich Anders.

Wer die Katzen außerhalb der Öffnungszeiten einfach abgestellt hat, ist ungeklärt. "Wenn ich es wüsste, hätte ich das Veterinäramt eingeschaltet“, sagt sie. Die Vorsitzende vermutet, dass sich der Besitzer die Abgabegebühr, die für die Verpflegung der Tiere im Tierheim entrichtet werden muss, sparen wollte. Zudem sei das Abstellen der Katzen für ihn ein scheinbar einfacher Weg. "Er muss sich schließlich vor niemandem erklären.“ Mittlerweile platzt das Tierheim aus allen Nähten. Trotzdem: "Wenn wir können, nehmen wir jedes Tier auf“, sagt Anders.

Gesetzesverstoß

Mit dem Aussetzen von Tieren verstoßen Besitzer gegen Paragraf 3 des Tierschutzgesetzes: Es ist verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. "Das Aussetzen von Tieren ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann“, erklärt Yvonne Schmierer, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Heilbronn.

Was aber sind die Gründe, weshalb Halter ihr Haustier einfach irgendwo aussetzen? "Manche Leute haben sich im Vorfeld einfach zu wenig Gedanken über die Haltung von einem Tier und die Unterbringung während der Ferienzeit gemacht. Plötzlich stellen sie fest, ein Haustier ist ja ganz schön Arbeit. Und sie wissen nicht wohin mit dem Tier, wenn es in der nächsten Woche in den Urlaub geht.

Viele scheuen die Kosten für eine externe Unterbringung“, erklärt sich Ursula Rösch, Leiterin vom Tierschutzverein Hohenlohe, das Verhalten. "Auch eine Katzenpension kostet und setzt gewisse Impfungen voraus. Wenn die Besitzer wenige Tage vor Urlaubsbeginn anrufen, um es abzugeben, ihr Tier aber nicht geimpft ist, kann die Pension die Katze nicht aufnehmen.“ Schnell lande die Samtpfote dann auf der Straße.

Trauern

Für die Tiere sei das keine einfache Situation. "Teilweise trauern sie oder verändern sich in ihrem Wesen. Sie verstehen ja die Welt nicht mehr.“ Hinzu komme, dass die Situation im Tierheim erstmal sehr ungewohnt sei. "Wir geben unser Möglichstes, aber hier ist das Tier eben größtenteils allein.“ Tierheimleiterin Ursula Rösch rät ausdrücklich dazu, vor der Anschaffung genau zu überlegen, welches Tier in die eigenen Lebensumstände passt und wer auf das Tier während der Ferienzeit aufpassen kann.

Alternativen für Vierbeiner seien beispielsweise auch Katzen- oder Hundepensionen, schlägt Silke Anders vom Tierheim Heilbronn vor. "Ansonsten bietet der Freundeskreis Katze und Mensch auch ein sogenanntes Catsitting für Mitglieder an.“ Auch das Tierheim biete für eine begrenzte Zeit eine Unterbringung an.

 

 

 

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