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Urlaub und Reiseschutz getrennt buchen

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Es ist bequem, eine Reise bei der Buchung abzusichern. Doch was taugen Versicherungen, die auf Reiseportalen angeboten werden? Das hat die Zeitschrift "Finanztest“ für ihre aktuelle Ausgabe untersucht. Testkunden waren dafür auf neun umsatzstarken Reiseportalen unterwegs. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Portale vermitteln ihren Kunden keinen optimalen Versicherungsschutz. 

Getestete Portale

Testkunden waren im Internet auf Ab-in-den-Urlaub.de, Check24 Reise, Expedia.de, Holiday Check, Lastminute.de, Onlineweg.de, Opodo, Urlaubspiraten.de und Weg.de. Oft bekommen sie Pakete verkauft, die auch wenig sinnvolle Versicherungen enthalten. Sie können in Verträge schlittern, die sich automatisch verlängern und verteuern. Der Reiserücktrittsschutz enthält immer eine hohe Selbstbeteiligung, beim Auslandsreisekrankenschutz gibt es jenseits der Reiseportale viel bessere Produkte. Kurz: Wer Reisebuchung und Versicherungsabschluss trennt, findet sinnvollere und preiswertere Angebote.

Das Versicherungsgeschäft auf den neun Reiseportalen machen vier Anbieter unter sich aus: AGA (Allianz Global Assistance; Marke der AWP P&C), BD24 (Berlin Direkt Versicherung), ERV (Europäische Reiseversicherung) und Hanse Merkur. Alle von ihnen dort angebotenen Versicherungen enthalten Reiserücktritts- und -abbruchschutz – einzeln oder als Teil eines Pakets. Diesen Schutz haben die Finanztester bewertet. 

Welchen Tarif buchen?

Eine Reiserücktritts- und -abbruchversicherung deckt Kosten, die entstehen, wenn Kunden eine Reise aus versicherten Gründen absagen, abbrechen oder verlängern müssen. Sinnvoll ist sie oft für Frühbucher, Familien mit Kindern und Senioren. Handelte es sich um ein Versicherungspaket, haben die "Finanztest“-Experten zusätzlich die darin enthaltene Auslandskrankenversicherung geprüft. Kein Portal hat eine einzelne Auslandskrankenversicherung angeboten, dabei ist sie im Unterschied zum Rücktrittsschutz für jeden wichtig. Sie übernimmt Behandlungskosten bei Krankheit oder Unfall im Ausland und zahlt den Krankenrücktransport. Jahresverträge sind bei diesem Schutz sinnvoll.

Die auf den Reiseportalen angebotenen Versicherungspakete enthalten neben sinnvollen Versicherungen auch weniger sinnvolle Bestandteile, die Kunden mitbezahlen. Ein Beispiel: Der Abschluss einer Reisegepäckversicherung lohnt sich meist nicht. Gepäck ist weitgehend über die Hausratversicherung und zum Teil über Reiseveranstalter geschützt. Und in anderen Fällen hilft auch die Gepäckversicherung oft nicht. 
Was dem Kunden angeboten wird, vereinbaren Reiseportal und Versicherer. Meist ist nur ein Versicherer auf einem Portal aktiv. Für vermittelte Versicherungsverträge erhalten die Portale Provisionen. Reiseportale machen es ihren Kunden oft schwer. Diese erwarten, geeignete Versicherungen leicht auswählen zu können, ohne in Vertragsfallen zu tappen. Doch die Knackpunkte sind auf den ersten Blick kaum ersichtlich: Die Vertragsdetails werden zwar in den allgemeinen Versicherungsbedingungen und in Produktinformationsblättern erläutert. Doch diese Dokumente müssen erst über einen oder mehrere Links geöffnet werden.

Genau hinschauen 

Ein Anstoß für den Test waren Briefe verärgerter Kunden. Sie kritisierten, wie auch Verbraucherschützer, den Versicherer BD24 (Berlin Direkt Versicherung) und beispielsweise Ab-in-den-Urlaub.de. Die Kritik: Wer ein Reiseportal besucht, möchte eine Reise buchen und keine Versicherung abschließen. Durch die aggressive Vermarktung etwa der Policen von BD24 werde Druck erzeugt – und von entscheidenden Details abgelenkt: Dass nicht nur die gebuchte Reise versichert wird, sondern alle Reisen eines Jahres und dass sich der Schutz ohne Kündigung automatisch verlängert und der Preis im zweiten Jahr fast verdoppelt. 

Auch auf Check24 Reise, Onlineweg.de, Opodo und Urlaubspiraten.de gab es zum Testzeitpunkt Jahresverträge. Dort hatten Kunden aber die Wahl zwischen Verträgen für einzelne Reisen und das Jahr. Auf den ersten Blick weist jedoch nur der Tarifname auf eine Jahresbindung hin. Kunden müssen genau hinschauen, was sie anklicken. Wer einen Jahresvertrag geschlossen hat, muss ihn fristgerecht kündigen, wenn er ihn nicht mehr haben möchte. Sonst verlängert er sich automatisch. Je nach Tarif müssen Versicherte ein oder drei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres kündigen, am besten per Einschreiben mit Rückschein.

Fazit 

Auf Check24 Reise, Onlineweg.de, Weg.de und Urlaubspiraten.de bietet die ERV guten Rücktrittsschutz. Das gilt für Tarife für eine einzelne Reise und Jahresverträge. Den Reiserücktrittsschutz gibt es aber auf allen getesteten Reiseportalen nur mit 20 Prozent Selbstbeteiligung. Der beste Tarif ist die „Reiserücktritts-Versicherung“ der ERV (Note 2,4). Eine Familie zahlt 64 Euro für eine einzelne Reise zum Preis von 1500 Euro. Sagt sie die Reise kurzfristig ab und muss 90 Prozent des Preises für die Stornierung zahlen, werden 270 Euro Selbstbeteiligung fällig. 

Den Tarif "Topschutz ohne Selbstbeteiligung“ (Note 1,7) des Testsiegers jenseits der Reiseportale, die Würzburger, bekommt die Familie sechs Euro günstiger. Der Tarif im Paket "Rundum-Sorglos-Jahresschutz“ auf Check24 Reise schnitt nur befriedigend ab. ftd

 

 

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