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Wege aus dem Teufelskreis

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Sich an einen schön gedeckten Tisch zu setzen und etwas Gutes zu essen, macht vielen Menschen Freude. Maß halten ist dabei wichtig, Kalorien zählen manchmal notwendig. Die Hälfte der deutschen Frauen macht in ihrem Leben mindestens einmal eine längere und sehr rigide Diät. Sind sie deshalb alle essgestört? Natürlich nicht. Nur sind die Übergänge zwischen dem Bestreben, ein paar Pfunde loszuwerden, und einem gestörten Verhältnis zum eigenen Körper fließend. "Am Anfang will man etwas weniger wiegen, dann hat man dieses Weniger erreicht und denkt: "Ich könnte ja noch mehr abnehmen’.“ So gerate manch einer in einen Strudel, erklärt Professor Stephan Herpertz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS).

Gewicht bestimmt den Alltag 

Anders als bei jemandem, der einfach ein bisschen abnehmen will oder gar muss, beherrscht das Thema Gewicht bei Magersüchtigen den gesamten Alltag. Um immer dünner zu werden, stellen sie das Essen weitgehend ein und treiben häufig auch extrem viel Sport. Neben Magersucht (Anorexie) gibt es noch weitere Essstörungen, erläutert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dazu gehören Bulimie und die Binge-Eating-Störung.

Bulimiker essen in kurzer Zeit große Mengen. Um die Kalorienzufuhr rückgängig zu machen, lösen sie danach selbst Erbrechen aus. Essattacken kennzeichnen auch die Binge-Eating-Störung. Nur werden die Attacken nicht gewissermaßen wieder rückgängig gemacht. Die Betroffenen sind deshalb häufig übergewichtig. Scharf trennen lassen sich die einzelnen Störungen nicht. "Eine Mischform ist genauso gefährlich und genauso behandlungsbedürftig“, sagt Lydia Lamers, BZgA-Referentin für die Prävention ernährungsbedingter Erkrankungen.

Anfänge von Essstörungen 

Eine typische Zeit für die Entwicklung einer Magersucht ist die Pubertät. Bei Teenagern steht der Selbstwert ohnehin auf dem Prüfstand, und ein geringes Selbstwertgefühl ist genauso wie ein negatives Körperbild ein Risikofaktor für eine Essstörung. Ausgelöst wird die Krankheit zum Beispiel von kritischen Lebensereignissen, Misserfolgen oder Hänseleien. Extremer Gewichtsverlust ist ein sehr offensichtliches Anzeichen für eine Essstörung. Eltern sollten aber schon hellhörig werden, wenn sich bei ihrem Kind alles nur noch ums Thema Essen dreht. Betroffene ziehen sich manchmal zurück, wirken verändert. Um eingreifen zu können, ist ein gutes Verhältnis zum Kind Voraussetzung, betont Andreas Schnebel, Diplom-Psychologe und Vorsitzender des Bundesfachverbandes Essstörungen (BFE) in München.

Frühzeitig zu reagieren, kann bestenfalls verhindern, dass sich eine Essstörung manifestiert. Aber: Einen Betroffenen davon zu überzeugen, dass er ein Problem hat, ist alles andere als einfach. Diese Erfahrung macht auch Professor Herpertz. Oft werden Kinder von ihren Eltern geradezu in die Ambulanz der Bochumer Klinik gezerrt. "Das zeichnet essgestörte Menschen aus, dass sie sehr lange Verläufe aufweisen, ehe sie in Therapie gehen.“

Hilfsangebote 

Von Beratung über ambulante Einzeltermine bis zu Wohngruppen oder Klinikaufenthalt gibt es viele Hilfsangebote. Wichtig ist die Nachsorge. "Wenn man erfolgreich therapiert wurde, kann man leicht wieder reinrutschen“, sagt Lydia Lamers von der BZgA. Unterschiedlichste Auslöser können dazu führen, dass die Krankheit erneut auftritt. "Essen ist eben jeden Tag allgegenwärtig.“

Gefahr bei Diabetes

Essstörungen kommen bei jungen Patientinnen mit Diabetes Typ 1 häufig vor. Manche Bulimikerinnen gehen so weit, dass sie absichtlich ihre Insulindosis verringern, um abzunehmen. Dann scheidet der Körper Kohlenhydrate über die Nieren aus. Mit diesem "Insulin-Purging“ riskieren die Diabetikerinnen jedoch schwere Stoffwechselentgleisungen bis hin zum lebensgefährlichen diabetischen Koma.

 

 

 

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