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Weiter an der Uhr drehen

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Am Sonntag, den 25. März, um zwei Uhr morgens ist es wieder soweit: Europa stellt die Uhren um eine Stunde vor. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende dieses steten Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit hat sich gestern zerschlagen. Das EU-Parlament in Straßburg lehnte einen Antrag auf Abschaffung der Uhrenumstellerei ab. Jetzt soll erstmal eine Studie herausfinden, welche Auswirkungen das Drehen an der Zeit wirklich hat. 

Überholter Unfug

"Nutzloses Ritual“, "überholter Unfug“, "nicht mehr zeitgemäß“ – das Urteil der EU-Abgeordneten über die zwei Mal jährliche Umstellung der Uhren fiel gestern deutlich aus. Doch die Konsequenzen wollte der größere Teil der Abgeordneten aus den 28 Mitgliedsstaaten dann doch nicht übers Knie brechen. Mit Mehrheit lehnten die 751 Volksvertreter einen Entschließungsantrag ihres eigenen Ausschusses ab. Der hatte die Brüsseler EU-Kommission aufgefordert, schnell mit den Mitgliedsstaaten über eine ganzjährige europäische Zeit zu verhandeln.

Doch daraus wird nichts. Dabei waren sich alle Befürworter einer Reform einig: Weg mit der Zeitumstellung, unter der viele Menschen und Tiere leiden und die zudem zu hohen Aufwendungen bei Bussen, Bahnen und Zügen führen. Wichtig sei nur, dass Europa eine einheitliche Zeit behalte. "Ein Flickenteppich, bei dem in Österreich für ein paar Wochen eine andere Uhrzeit gilt als in Deutschland oder Frankreich wäre verheerend für den Binnenmarkt“, betonte die SPD-Parlamentarierin Kerstin Westphal. Sven Giegold, Wirtschaftspolitiker aus den Reihen der grünen Europafraktion, sieht das ähnlich: "Wir brauchen eine europäische Lösung, es darf keine Alleingänge einzelner Mitgliedsstaaten geben.“

Eindeutiges Votum

So denken alle, aber die Sache wird wohl erst einmal wieder in die Schublade gelegt. "Ich habe die zuständigen Minister der Mitgliedsstaaten gefragt, ob sie die Zeitumstellung beibehalten wollen“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc vor dem Parlament. "Bisher hat nur einer geantwortet.“ Polen reagierte. Dort hat sich seit Herbst 2017 eine breite Bewegung zugunsten einer generellen Einführung der Normalzeit formiert – denn eine "Winterzeit“ gibt es genau genommen nicht. Offenbar wurde das Thema auch schon bei jüngsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs angesprochen, ohne ein allzu großes Echo auszulösen. 

Die EU-Kommission müsste ihre einschlägige Richtlinie über die Sommerzeit neu fassen. Voraussetzung wäre ein eindeutiges Votum der Fachminister aus den EU-Ländern. In der Bundesrepublik wird der künftige Bundeswirtschaftsminister dafür verantwortlich sein. Aber selbst wenn man einig würde, könnte es noch bis zu zwei Jahre dauern, ehe die Uhren durchlaufen.

Dabei ist die wichtigste Frage noch gar nicht beantwortet: Soll es nun bei der Sommerzeit bleiben, die den Europäern lange, laue Sommerabende beschert? Oder behält die Union stattdessen doch lieber die europäische Normalzeit bei, die bisher zwischen Ende Oktober und Ende März gilt? Polen hat sich bereits auf die Sommerzeit festgelegt. Finnland signalisiert Unterstützung. Auch aus dem übrigen Kreis der EU-Familie gibt es bisher eher Stimmen zugunsten einer dauerhaften Sommer-Lösung. Wichtig scheint eben nur, dass es überhaupt zu einer Verständigung kommt. Denn dass dieser Eingriff in das Zeitgefühl der Menschen gravierende Folgen hat,ist deutlich: Bis zu 25 Prozent mehr Herzanfälle in der Woche nach dem Beginn der Sommerzeit registrierte eine Untersuchung der DAK-Kasse. Nur der Energiespareffekt, in den 70er Jahren der Grund für die europäische Regelung von Sommer- und Normalzeit, fällt minimal aus

 

 

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