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Die Gunst der frühen Stunde

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Im Besprechungsraum des Verlags Cross Cult im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim steht ein Regal mit Comics. Andreas Mergenthaler, Verleger des Imprints, hat einen der in seinem Haus erschienenen Bände zufällig herausgegriffen. Er trägt den Titel "Seven to Eternity“ und handelt von einer Gruppe Magier im Kampf gegen das Böse. Bei der Erfolgsgeschichte des kleinen Unternehmens war hingegen keine Magie im Spiel. 

Von Klein auf

Von Comics ist Mergenthaler schon seit seiner Jugend fasziniert. Damals las er die Bände, die ihm zwischen die Finger kamen, meist zusammen mit seinen Geschwistern. Als dann einmal Verwandte aus den Vereinigten Staaten zu Besuch kamen und ihre Comichefte daließen, war das für ihn fast wie Weihnachten, erinnert sich der 50-Jährige. "Klar, das hat mich dann auch beeinflusst. Gerade die amerikanischen Comics waren ja doch damals noch etwas weiter als die deutschen.“ Danach sei er in der Laune gewesen, selbst Comiczeichner zu werden. "Aber dann merkte ich relativ schnell, dass ich, obwohl ich viel gezeichnet habe, doch zu faul war, mir die ganzen Techniken anzulernen, die man da braucht.“ Stattdessen wurde er Grafiker und arbeitete für den Dino-Comicverlag in Stuttgart.

Wie alles seinen Anfang nahm 

2001 ergab sich eine Möglichkeit, zu neuen Horizonten aufzubrechen. "Wir haben damals mit den ‚Hellboy‘-Comics angefangen. Als der erste Film angekündigt war, dachten wir nach, ob wir es mit den Comics nicht einfach selbst probieren sollen.“ Mergenthaler und Hardy Hellstern, die Cross Cult gemeinsam gründeten, arbeiteten damals beide im eigenen Grafikstudio Amigo Grafik GbR, das auch heute noch hinter dem Imprint steht, für den Dino-Verlag. "Deshalb wussten wir schon, wie man Comics produziert, wie man die Texte in die Blasen macht, und da haben wir uns gedacht: Das können wir eigentlich auch selber probieren, mit einer eigenen Lizenz.“ 

Auf gut Glück fragten sie kurz nach der Jahrtausendwende in den USA an. "Erstaunlicherweise, muss man rückblickend sagen, haben die Verleger von Dark Horse Comics dann so einem Nobody-Verlag tatsächlich die Lizenz für Deutschland gegeben“, ruft sich Mergenthaler die erste Stunde seines Imprints ins Gedächtnis. "Heutzutage würde das vielleicht nicht mehr funktionieren, aber damals war in Deutschland nicht viel los mit US-Comics. Das war damals eine günstige Zeit, da einzusteigen. Das mit dem eigenen Comic-Imprint hat sich also organisch so ergeben, das haben Hardy Hellstern und ich einfach mal ausprobiert.“

Jungs-Themen

Eine klare Zielgruppe hat Mergenthaler vor Augen, wenn er über Themen für neue Comic-Bände nachdenkt. "Wir verlegen mehr so die Jungs-Themen. Mit Horror, wie bei "Hellboy", lief es von Anfang an ganz gut. Etwas später kam noch "Sin City" dazu, also eher etwas in Richtung Crime.“ Zudem verlegt Cross Cult viele Geschichten aus dem Science-Fiction-Genre. "Die haben mich schon immer selbst sehr interessiert“, erklärt der Gründer. 

Als kleiner Verlag kostendeckend zu arbeiten, sei heutzutage viel leichter als noch vor 20 oder 30 Jahren. "Damals, so um die Jahrtausendwende, kam das mit dem Desktop-Publishing auf, dass man dann alles am Schreibtisch machen konnte und nicht mehr die großen Kosten hatte wie früher mit den Druckfilmen“, sagt Mergenthaler. "Es ist mittlerweile alles viel einfacher. So kann man heute auch als kleiner Verlag viel besser arbeiten.“

Neben Comics veröffentlicht Cross Cult aber auch "normale“ Bücher, nämlich Romane. Besonders die Star-Trek-Reihe erfreut sich großer Beliebtheit, sagt Mergenthaler. "Das hat uns damals der ehemalige Chefredakteur der Science-Fiction-Zeitschrift Space View angeboten. Mittlerweile haben wir in der Reihe schon mehr als 120 Romane gebracht.“ Zugute komme dem Imprint dabei, dass es in Deutschland die größte und lebhafteste Star-Trek-Fangemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten gebe. "Und der Roman ist hier auch einfach genau das richtige Medium“, fügt der Herausgeber hinzu. "Hier können die Geschichten weitergeführt werden, die die Leser aus dem Fernsehen kennen.“ 

 

 

 

 

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