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Neue Regeln für Netflix und Co.

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Fernsehen ist out, Videoplattformen wie Netflix oder Amazon Prime sind in. Doch bisher lief der Wettbewerb in der EU nach unterschiedlichen Regeln ab. In Sachen Jugendschutz und Angebot müssen viele nachbessern – und auch Youtube-Stars sind von den Neuregelungen, die das Europäische Parlament letzte Woche beschloss, betroffen.

Wirkungsvolle Product Placements

Dass die Tatort-Kommissare stets mit dem neuesten Automodell ihrer Region zum Einsatz fahren, fällt schon gar nicht mehr auf. Product Placement, die lukrative Platzierung von Produkten in Spielfilmen, Serien und Magazinen, gilt längst als wirkungsvolle Form der Werbung, muss aber auch so gekennzeichnet werden – und sei es nur im Abspann.

Wenn Dagi Bee dagegen in ihren Streaming-Videos Schmink- und Pflegeprodukte in die Kamera hält, war sie bisher fein raus. Ob der Youtube-Star, dessen Makeup-Tipps in Deutschland über vier Millionen Mädchen folgen, von den Herstellern mit Geld oder Waren gesponsert wurde, blieb noch ihre Sache. Diese Freiheit läuft nun aus, da das Europäische Parlament letzten Dienstag die neue Richtlinie für audiovisuelle Medien annahm. "Wir wollen Transparenz für den Zuschauer", sagt die CDU-Europaabgeordnete Sabine Verheyen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum will die EU die Spielregeln für das klassische Fernsehen und Internet-Dienste und Videoplattformen angleichen?

Weil alle diese Medien Wettbewerber sind, für die gleiche Bedingungen gelten müssen. Das beste Beispiel ist der Umgang mit Werbung. Wenn ein Tatort-Kommissar mit einem von einem Hersteller gesponserten Auto vorfährt, muss dieses Sponsoring zumindest im Abspann genannt werden. Auf Youtube gibt es viele kleine und große Stars, die Schminktipps für Mädchen geben oder andere Waren privat testen und dabei die verwendeten Produkte in die Kamera halten. Sie werden künftig auch angeben müssen, ob sie von den Herstellern finanziell oder durch Bereitstellung der Produkte unterstützt wurden.

Gibt es künftig denn mehr Werbung in den elektronischen Medien?

Bei dieser Auflage geht es nicht um mehr Werbung, wohl aber darum sie kenntlich zu machen. Im Fernsehen bleibt es dabei, dass zwischen 18 Uhr und Mitternacht insgesamt 72 Minuten (sechs Mal zwölf Minuten) Reklame ausgestrahlt werden kann, wobei eine laufende Sendung nur alle 30 Minuten unterbrochen werden darf.

Auch beim Jugendschutz wird nachgebessert?

Das stimmt. Jugendgefährdende Inhalte müssen nun auch bei Streaming-Diensten oder von den Betreibern der Videoplattformen kenntlich gemacht werden. Außerdem fordert die EU Altersverifizierungssysteme, damit Eltern notfalls Filter zuschalten können, um ihre Kinder vor nicht geeigneten Beiträgen zu schützen. Wichtig ist aber, dass es keine Vorab-Kontrolle geben soll. Allerdings müssen Netflix und Amazon Prime ebenso wie andere Beiträge entfernen, wenn die Aufsichtsbehörden feststellen, dass die Sendungen nicht für Jugendliche geeignet sind.

Die EU drängt darauf, europäische Produktionen stärker zu unterstützen. Was soll das?

Es gibt eine vergleichbare Regel bereits für die Fernsehsender. Die müssen ihr Angebot zu 50 Prozent mit europäischen Produktionen bestücken. Netflix und andere sollen künftig rund 30 Prozent europäischer Streifen im Angebot haben – derzeit sind es zwischen 18 und 24 Prozent. Der Hintergrund ist klar: In der EU gilt die Filmförderung als kultureller Auftrag. Wenn Videoplattformen vor allem amerikanische Streifen zeigen, machen sie hier viel Geld, mit dem sie die eigene US-Filmindustrie unterstützen. Dieser Anteil soll etwas ausgewogener sein.

Und wenn eine Videoplattform sich weigert?

Es gibt die Möglichkeit, sich von der Verpflichtung freizukaufen. In diesem Fall müsste ein Unternehmen dann einen entsprechenden Betrag an den Filmförderfonds der EU zahlen, der wiederum hiesige Produktion mitfinanziert.

Wann treten die Neuregelungen in Kraft?

Nach der Zustimmung des Europäischen Parlaments letzte Woche haben die Mitgliedstaaten jetzt 20 Monate Zeit, um die Reform in ihr nationales Recht zu übernehmen.

 

 

 

 

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