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Der Traum von einer grünen Welt

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Der Anteil der Umweltschutzinvestitionen im produzierenden Gewerbe im Landkreis Heilbronn liegt bei drei Prozent der Gesamtinvestitionen. Das ist der niedrigste Wert in Baden-Württemberg. Der Stadtkreis ist mit einem Anteil von rund 21 Prozent viel weiter. Ein Kunststoffhersteller aus Heilbronn und ein Ginproduzent aus Schwaigern sind sich einig: Umweltschutz muss aus Überzeugung passieren. 

100.000 Euro weniger Stromkosten

Die Firma PLS ist im Kunststoffspritzguss tätig. Seit sechs Jahren hat sie ein Tüv-zertifiziertes Umweltmanagement, doch Umweltschutz hat hier viel früher begonnen. "Wir haben bereits in den Krisenjahren 2008 und 2009 angefangen, auf energieeffiziente Maschinen umzustellen“, so Geschäftsführer Stefan Parschalk. Die Extrakosten von zehn bis 20 Prozent würden sich in zwei Jahren rechnen. "Die neuen Spritzgussmaschinen verbrauchen ein Drittel weniger Strom als vor zehn Jahren. Wären wir beim alten Standard geblieben, hätten wir jährlich sicher 100.000 Euro mehr an Stromkosten“, erklärt Parschalk.

Zwölf energieeffiziente Maschinen hat er im Einsatz, das ist etwa die Hälfte seines Maschinenparks. Einmal jährlich legt das Unternehmen Umweltziele fest, erklärt Sascha Pflüger vom Umweltmanagement. Durch Qualitätskontrolle versuche man außerdem, so wenig Ausschuss wie möglich zu produzieren: "Fehlerhafte Teile werden an der Maschine geschreddert und wieder dem Spritzprozess zugeführt“, sagt Pflüger.

Zudem habe die Heilbronner Firma mehrfach in neue Kühlanlagen investiert. "Unsere derzeitige Kühlanlage hat einen viel größeren Freikühler,“ sagt Parschalk. Somit müsste man erst kühlen, wenn die Außentemperatur über 18 Grad steige. Für dieses Jahr steht eine energiesparende Hallenbeleuchtung an. "Damit werden wir pro Jahr viereinhalb Tonnen CO2 einsparen“, erwartet Pflüger. Der enorm hohe Stromverbrauch ist seiner Meinung nach das größte Problem der Kunststoffindustrie. "Wir müssen alle energieeffizienter arbeiten“.

Förderungen vom Bund und Land

Für energieeffiziente Maschinen bekomme man auch Förderungen vom Bund und Land, weiß der Umweltmanager. Doch sein Chef betont: "Förderungen waren für uns nie ein Anlass für die Investitionen. Umweltschutz ist Überzeugungssache. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, dem muss es ein Anliegen sein, auf die Umwelt zu achten. Gerade größere Unternehmen haben viel Macht, das besser zu machen. Ich habe meinen Jugendtraum von einer grünen Welt nie ganz verloren.“ Das schließe wirtschaftliches Arbeiten nicht aus: "Wenn ich Energie spare, spare ich auch Geld.“ 

Für andere Generationen

Auch für Rouven Richter, der mit seinem Heimat-Gin für Aufsehen sorgt, ist Umweltschutz selbstverständlich. Im Schwaigerner Familienunternehmen sei er mit diesem Bewusstsein aufgewachsen. Beim Herstellen des Gins werde die Destille mit Schnittgut von alten Bäumen und Holzresten von Zimmereiarbeiten seines Bruders befeuert. Die Einrichtung im Verkaufsraum stammt aus dem angrenzenden Wald. Die nach dem Brennen verbleibende Schlempe wird kompostiert und als Dünger verwendet.

Zudem legt der Unternehmer Wert auf Produkte aus der Region: ein Teil der Botanicals für den Gin kommt von Streuobstwiesen. In den Bäumen, die oft über hundert Jahre alt sind, hat Vater Bernhard Nistplätze für Insekten und Vögel eingerichtet. "Wir könnten auch kurzlebige Bäume pflanzen, die sofort Ertrag haben“, sagt der gelernte Gärtner. "Unsere tragen erst nach zehn Jahren. Aber auf Dauer hat die schnelle Produktion keinen Sinn. Ich schaffe nicht nur für mich, sondern auch für andere Generationen.“

Mehrkosten für Umweltschutz

Den Anteil der Umweltschutzinvestitionen an den Gesamtinvestitionen schätzt der Jungunternehmer auf zehn bis 15 Prozent – weit über dem Durchschnitt. Die Getränkeherstellung liege landesweit nur bei rund zwei Prozent. Oft verursache der Umweltschutz Mehrkosten. Trotzdem helfe er, die Kosten langfristig zu senken. Etwa mit der unterirdischen Zisterne in der Produktion. "Mit einer Pumpe fließt das Kühlwasser von der Zisterne durch die Brennerei und zurück in die Zisterne, die durch Regenwasser gespeist wird.“

Die Steingutflaschen werden ohne Pfand zurückgenommen, um den "Berg an Müll“, den die Getränkeindustrie produziere, zu reduzieren. In Zukunft plant Richter Tastings, um sein nachhaltiges Produkt zu bewerben: "Man muss vormachen, dass Umweltschutz funktionieren kann, die Freude daran vermitteln“. Vater Bernhard bestätigt: "Umweltschutz ist nicht immer einfach. Man muss auch Ideen haben. Aber mehr Unternehmer sollten es sich überlegen. Die Erde, die Wiesen und Bäume, sind unser größtes Gut.“ 



 

 

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