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Fremde, schöne Slowakei

Übersicht

Die Slowakei – ein kleines, kaum bekanntes Land in der Mitte Europas. Erst in den letzten Jahren gewann die Hauptstadt Bratislava durch die Nähe zu Wien, Budapest und Prag an touristischem Interesse. Immer mehr Besucher kommen für einen Kurztrip nach Bratislava, um sich die sehenswerte Altstadt an der Donau anzusehen. Die meisten Touristen begnügen sich mit diesen Eindrücken und erfahren dabei nur ansatzweise etwas von der Geschichte und der vielfältigen Kultur der Slowakei. Auch die unbeschreiblich schöne Natur bleibt meist unentdeckt.

Gemeinsame Geschichte

Mit dem Ziel, einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen, bewarb ich mich bei Kulturweit, dem Programm der Deutschen UNESCO-Kommission. Dabei gab ich bezüglich der Weltregionen keine besondere Präferenz an, da ich mir sehr viele Länder gut vorstellen konnte. Trotzdem überraschte mich dann das Angebot sehr, an eine Schule nach Bratislava zu gehen. Als mir ins Bewusstsein rückte, dass ich so gut wie nichts über das Land wusste, packte mich die Neugier. Vor meiner Abreise wurde mir viel Spaß in Slowenien und in der Tschechoslowakei gewünscht. Daran merkte ich, dass nicht nur ich wenig Ahnung von der Slowakei hatte.   

In Bratislava angekommen, wurde ich am Gymnázium Jána Papánka herzlich begrüßt. Schon gleich erstaunte mich das hohe Sprachniveau der Schülerinnen und Schüler, und wie präsent die deutsche Sprache in der Slowakei ist. Erklären lässt sich dies mit den Wanderungsbewegungen deutscher Siedler in das Gebiet der heutigen Slowakei ab etwa 1000 n. Chr. und der langen Geschichte der Österreich-Ungarischen Donaumonarchie. Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde auch in der Slowakei die deutschstämmige Bevölkerung weitgehend vertrieben. Heute leben dort noch etwa 4500 Karpatendeutsche.

Schulische Planung

Große Unternehmen wie Volkswagen stellen eine wichtige Verbindung zu Deutschland dar.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Nähe zu Österreich motivieren die Schülerinnen und Schüler, sich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Meine Aufgabe war es, im Deutschunterricht mitzuwirken und den kulturellen Austausch zu fördern.

Ich nahm die Rolle einer assistierenden Lehrerin ein und bekam die Möglichkeit, kleinere Unterrichtseinheiten zu gestalten. Hauptsächlich arbeitete ich gezielt mit einzelnen Schülern, unterstützte die Vorbereitung auf Prüfungen und den Wettbewerb Jugend debattiert international und führte eigene Projekte durch.

Zum Abschluss des Schuljahres plante und organisierte ich einen "Deutschland-Tag“, an dem die Jugendlichen sich mit viel Spaß und Kreativität beteiligten.

Sprachbarriere überwinden

Natürlich gab es immer wieder Hürden zu überwinden und manches verlief nicht so, wie ich mir es vorgestellt hatte. Gerade auch die Sprachbarriere machte mir zu schaffen, denn Slowakisch zu lernen, stellte sich als Herausforderung dar. Viele Gemeinsamkeiten hat die slawische Sprache mit den romanischen nicht und für so manches gerollte "r“ benötigte ich viel Übung. Immerhin schaffte ich es am Ende, mich im Restaurant und beim Einkaufen zu verständigen. Darüber hinaus machte ich die Erfahrung, dass wann immer ich Hilfe benötigte, die Menschen immer sehr offen und hilfsbereit waren.

Besonders wertvoll waren für mich die Eindrücke, die ich außerhalb des schulischen Umfeldes sammeln konnte. Mit anderen Freiwilligen unternahm ich viele abenteuerliche Ausflüge. Wir nutzten jede Gelegenheit, auf Wandertouren die unbekannte Wildnis zu entdecken und Höhlen zu erkunden. Einem der vielen Braunbären sind wir dabei leider nicht begegnet. Auch besuchten wir viele landestypische Dörfer und Städte.

Balkan bereisen 

In meiner Freizeit konnte ich mit meiner Geige im Universitätsorchester mitzuspielen. Es gab tolle Konzerte und ich konnte an einer Orchesterreise nach Frankreich teilnehmen. Bei Veranstaltungen des Goethe-Instituts und der deutschen Botschaft lernte ich interessante Menschen kennen. Besonders spannend war für mich ein dreiwöchiges Praktikum bei der deutschen Redaktion von Radio Slovakia International. Ich durfte eigenständig Themen recherchieren, Interviews führen und Beiträge sprechen.

Ein absoluter Höhepunkt war meine Reise durch den Balkan. Gemeinsam mit einer Freundin bereiste ich Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Montenegro. Weiter ging es durch Albanien bevor wir von Mazedonien zurückflogen. Dieser Trip war unglaublich beeindruckend, denn wir erfuhren viel über die Geschichte, sprachen mit Zeitzeugen, begegneten den unterschiedlichsten Menschen und durchquerten großartige Landschaften.

Kulinarisch angekommen

Oft fragten meine slowakischen Freunde, was mir denn an ihrem Land gefallen würde. Um auf diese Frage zu antworten: Sehr schön war für mich, überall herzlichen Menschen zu begegnen, auf gelebte Traditionen zu stoßen und zu sehen, welchen hohen Stellenwert Volksmusik und Volkstänze haben. Zur Überraschung aller (ich bin Vegetarierin), hat mir das Essen sehr gut geschmeckt, vor allem gibt es in der slowakischen Küche leckere Süßspeisen.

Auch was die alkoholischen Getränke angeht, kann die Slowakei gut mithalten. Neben schmackhaftem Bier und Wein gibt es allerlei Schnäpse, vorneweg der sogenannte Tatratee, ein hochprozentiger Likör auf der Basis von Tee. Womit wir auch bei meinem persönlichen Highlight sind: die Hohe Tatra – ein wunderschönes Hochgebirge, das derzeit noch von Touristenmassen verschont ist und dessen Erkundung sich absolut lohnt.

Kultureller Austausch

Gerade weil die Slowakei noch weitgehend unbekannt ist, hat es mir dort sehr gut gefallen. Die Menschen, die Kultur und Natur; alles ist sehr authentisch. Auch mit Blick auf Europa ist es wichtig, den kulturellen Austausch mit der noch jungen Nation zu pflegen. Ich kam nur wenige Tage nach dem tragischen Mord an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten in Bratislava an. In dieser Zeit fanden unzählige Demonstrationen statt, bei denen die Korruption angeprangert wurde und die Menschen für Pressefreiheit und Europa auf die Straße gingen. Dies mitzuerleben, war für mich sehr beeindruckend.

Nach sechs Monaten in der Slowakei bin ich mit vielen wertvollen Erfahrungen, Freundschaften und Erinnerungen im Gepäck zurückgekommen. Ich bin sehr froh, diese einmalige Chance gehabt und ein mir vorher unbekanntes Land entdeckt zu haben.  Dakujem vel´mi pekne – ich danke vielmals!

 

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