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Deutsches 1984 ?

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Bei "Endland“ handelt es sich um einen politischen Roman, der von Martin Schäuble geschrieben und im Jahr 2017 im Carl-Hanser-Verlag veröffentlicht wurde. Ganz nach dem Vorbild des Romans "1984“ von George Orwell spielt die Geschichte von "Endland“ eine dystopische Zukunft durch.

Spannung erzeugen

Diese wird von einer rechten Partei, der "Nationalen Alternative“ dominiert. Wir begleiten, ganz im Sinne von "Das Lied von Eis und Feuer“, drei Protagonisten, die ihre Geschichte jeweils aus der Ich-Perspektive beschreiben. Dabei handelt es sich um den zunächst parteitreuen Soldaten Anton, den Kritiker und Hacker Noah und die äthiopische Flüchtlingsdame Fana.

Im Laufe des Buches sieht sich insbesondere Anton mit einem Perspektivwechsel konfrontiert, der seine Einstellungen auf die Probe stellt. Stilistisch ist das Buch interessant gestaltet und der Autor schafft es immer wieder, Spannung aufzubauen. Der Prolog dient hier als gutes Beispiel, da er zu Beginn sehr viele Fragen aufwirft und wir uns immer fragen müssen, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Die Dialoge wirken manchmal etwas hölzern, wenn auch gerade die Jugendlichen gut im Ton getroffen werden. 

Verschwendetes Potential

Die Problematiken kommen allerdings in den Beschreibungen und Gedanken der drei Helden auf. Gut geschrieben sind diese zwar, jedoch zieht sich ein gewisses Narrativ durch das gesamte Buch. Der Konflikt, der insbesondere bei Anton aufkommt, wirkt nicht nahbar, da einem das Buch geradezu aufdiktiert, was man zu denken hat. Der Sinneswandel und allgemein viele der Ereignisse bleiben enorm konstruiert, gar gezwungen um die Handlung voranzutreiben. Noahs Untergrundabenteuer sind fast schon überflüssig, da ein klarer Fokus auf Fana und Anton gelegt wird.

Nach dem Lesen fühlte ich mehr Enttäuschung als Freude, was nicht an handwerklichen Fehlern, sondern viel mehr an verschwendetem Potenzial lag. Das Szenario reicht mit seiner gesellschaftlichen Inkonsistenz nicht an die Brillanz eines George Orwells heran, hätte uns aber eine spannende Geschichte über Jugendliche in politischen Extremsituationen erzählen können. Zurück bleibt aber nicht mehr als AfD-Kritik mit wenig Tiefgang und vertanes Konfliktpotential

 

 

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